Parkplatz-Umfrage: Stadträtin Simone Brander nimmt Stellung

Der «Höngger» hat die Umfrageergebnisse unserer Leserumfrage zum Thema «Parkieren im Kreis 10» Stadträtin Simone Brander vorgelegt. Das Interview mit der Vorsteherin des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements lesen Sie hier.

1
Simone Brander bei ihrem Besuch in der Höngger Redaktion im 2022. (Foto: Archiv Höngger Zeitung)

Simone Brander, auch wenn unsere Umfrage zum Thema Parkieren im Kreis 10 nicht repräsentativ ist, scheint sie für viele Menschen ein Ventil gewesen zu sein, antworteten doch 465 Menschen teilweise sehr ausführlich. Wie erklären Sie sich das Interesse daran?

Simone Brander: Auffällig ist, dass in der Umfrage Personen mit Auto stark übervertreten sind: 74 Prozent der Teilnehmenden besitzen ein Auto, deutlich mehr als im Quartierschnitt. Entsprechend hat die persönliche Betroffenheit wohl ein überproportionales Gewicht. Viele befürchten, dass ihnen etwas weggenommen wird, und ich kann die Sorgen gut nachvollziehen. Gleichzeitig ist wichtig zu betonen: Die Stadt hebt keine Blaue-Zonen-Parkplätze auf Vorrat auf. Parkplätze werden stets gezielt umgenutzt, um beispielsweise die Verkehrssicherheit für Fussgänger*innen zu erhöhen oder um mehr Platz für den Veloverkehr zu schaffen.

In der Stadt Zürich leben über 50 Prozent der Haushalte ohne Auto – und das funktioniert auch dank unseres ÖV-Systems sehr gut. Ist das ein Hinweis auf die Zukunft betreffend urbaner Mobilität?

Ja. Die urbane Mobilität entwickelt sich klar in Richtung Umweltverbund, also ÖV, Velo- und Fussverkehr. Auch die Stadt Zürich setzt darauf, etwa mit dem Ausbau von Velorouten, attraktiven Fusswegen und neuen Tramprojekten wie in Affoltern. Die breite Zustimmung in Abstimmungen (Gegenvorschlag zur sog. Zukunfts-Initiative mit 62,15 Prozent, Volksinitiative «Sichere Velorouten für Zürich» mit 70,5 Prozent oder der kommunale Richtplan Verkehr mit 61,03 Prozent zeigt, dass dieser Weg in der Bevölkerung sehr breit abgestützt ist. Mit der Strategie «Stadtraum und Mobilität 2040» arbeiten wir weiter an einer hohen Lebens- und Standortqualität für alle.

Die Vorteile einer Reduktion des Autoverkehrs kamen in der Umfrage zur Sprache. Können Sie uns Beispiele von Orten oder Städten nennen, bei denen das gelungen ist – und die mit Zürich vergleichbar sind?

Ein gutes Beispiel ist Barcelona mit seinen Superblocks, wo der Autoverkehr stark reduziert und der Stadtraum den Menschen zurückgegeben wurde. In Zürich verfolgen wir mit sogenannten Quartierblöcken dasselbe Ziel: den Durchgangsverkehr vermeiden und sichere, attraktive Räume für Fuss- und Veloverkehr schaffen. Plätze wie der Bullinger-, Anny-Klawa- und Brupbacherplatz zeigen, dass ohne Durchgangsverkehr deutlich mehr Lebensqualität geschaffen werden kann. Ein gelungenes lokales Beispiel ist auch der Röschibachplatz: Durch Fahrbahnreduktion und Tempoabsenkung entstand ein attraktiver, viel genutzter Platz.

Zurück zur Umfrage: Die Parkplatzsituation im Kreis 10 wird dennoch als nicht zufriedenstellend beschrieben. Wie beurteilen Sie die Situation konkret in Höngg und Wipkingen?

Die Zahlen zeigen ein ausgewogenes Bild: Seit Anfang 2023 wurden im Kreis 10 in Baugesuchen 566 zusätzliche private Parkplätze genehmigt, während 88 Blaue-Zonen- und 19 Weisse Parkplätze abgebaut wurden. In der Gesamtheit wächst also die Zahl der Parkplätze. Und es stehen heute insgesamt auch in der blauen Zone mehr Parkplätze zur Verfügung, als es Anwohnendenparkkarten gibt.

Unsere Resultate zeigen eine Spannung zwischen Personen, die den Abbau ablehnen (54 Prozent), aber auch die andere Seite, die diesen befürwortet. Wie gehen Sie als Stadträtin mit beiden Fronten um?

Wie eingangs erwähnt, kommt es natürlich auf die Stichprobe an. Nehmen wir die Zustimmung zu den Abstimmungsvorlagen als Indikator, dürfte der Kreis der Befürwortenden weit grösser sein. Aber klar, als Stadträtin gehört es für mich selbstverständlich zu meiner Aufgabe, mit verschiedenen Meinungen umzugehen und alle Sichtweisen ernst zu nehmen. Um diese Meinungen zu kennen, ist es mir auch wichtig, mit den Menschen im Gespräch zu sein. Die ganzen Planungen entstehen nicht im stillen Kämmerlein, auch die Fachleute aus den Dienstabteilungen sind viel unterwegs in den Quartieren. Uns allen ist es ein Anliegen, dass die «Fronten» miteinander in den Dialog treten. Diesbezüglich zähle ich auch auf die Bereitschaft der Bevölkerung.

Bei beiden Fronten ist der Wunsch nach pragmatischen Lösungen gross, auch der Wunsch nach einem Dialog. Im Wahlartikel in der «Höngger Zeitung» schrieben Sie mit Bezug auf die «Velovorzugsroute», dass Sie sehr hartnäckig sein können – welche Rolle spielt der Dialog dabei?

Bei den vorgeschlagenen pragmatischen Lösungen sind unter anderem Parkplätze fürs Gewerbe und Handwerker*innen ein wichtiges Thema. Das ist mir ein grosses Anliegen. Die neue Parkkartenverordnung zielt darauf ab, diese Gruppen zu entlasten. Leider ist die erweiterte Gewerbeparkkarte aktuell durch Rechtsmittel blockiert. Und ja, bei aller Hartnäckigkeit, die es braucht, um den Willen der Stimmbevölkerung umzusetzen: Der Dialog gehört bei jeder Planung dazu. Im Moment sind wir zum Beispiel dran, einen Prozess zur Neugestaltung des Wipkingerplatzes aufzusetzen. Auch das Prozessdesign erarbeiten wir bereits gemeinsam mit Vertretenden aus dem Quartier.

Nehmen wir ein Beispiel: In Höngg sorgt aktuell eine kleine Fläche für Aufmerksamkeit, direkt bei der Regensdorferstrasse. Wo einst ein kleiner Parkplatz war, entsteht nun eine Wiese. Grund ist offenbar ein Richtplan mit dem Ziel, 15 Prozent der Stadt als wertvolle Naturräume zu gestalten. Der Wegfall dieses stark genutzten Parkplatzes bewegt die Menschen.

Auch hier liegt ein Auftrag der Stimmberechtigten der Stadt Zürich vor: Die kommunalen Richtpläne und die beiden Gegenvorschläge zur Volksinitiative Stadtgrün wurden mit grosser Mehrheit angenommen. Jetzt ist die Verwaltung verpflichtet, die entsprechenden Stossrichtungen – und dazu gehört auch die Schaffung neuer Grünflächen – umzusetzen. Ich kann gut verstehen, dass gewisse Massnahmen für einzelne Personen schwer nachvollziehbar sind. Aber wir brauchen dringend hitzemindernde Massnahmen, und dazu zählen neben mehr Bäumen auch mehr entsiegelte Flächen.

Wenn Parkplätze verschwinden, welchen Rat geben Sie dem Gewerbe oder der Spitex, um Zugang zu den Häusern zu erhalten?

Handwerksbetriebe können für ihre Werkstatt-, Liefer- oder Servicefahrzeuge eine Gewerbeparkkarte beantragen. Damit dürfen sie in der Stadt Zürich in allen Blauen Zonen ohne Zeitlimit parkieren. Oft lohnt es sich auch, Kund*innen direkt zu fragen, wo Parkplätze in der Nähe vorhanden sind. Denn grundsätzlich gilt: Parkplätze sollen möglichst auf Privatgrund bereitgestellt werden. Das ist im kantonalen Gesetz so vorgesehen und wird in der Stadt entsprechend umgesetzt. Aufgrund von Neubauten entstehen laufend mehr Parkmöglichkeiten auf privatem Grund. Für den Güterumschlag gibt es spezielle Umschlagplätze, die auf dem Online-Stadtplan der Stadt zu finden sind. Auch Güterumschlagfelder werden laufend zusätzliche geschaffen.

Können Sie nachvollziehen, dass es einige Stimmen gibt, die mutmassen, dass «die Stadt» bei der Verkehrsplanung im Quartier eventuell gar nie vor Ort war? Nehmen wir das Beispiel der zwei Züri-Velostationen an steilen Strassen. Oder die Debatte betreffend der Nötzlistrasse in Höngg, die Teil einer Velovorzugsroute wird.

Nein, das kann ich nicht nachvollziehen, denn die Projektleitenden der Stadt setzen sich wie gehabt immer mit den lokalen Begebenheiten auseinander und machen sich vor Ort ein Bild. Natürlich kann es trotzdem vorkommen, dass noch nachjustiert werden muss. So sind bei den neuen Züri-Velos die Ständer robuster, so dass sie auch im steilen Gelände solide stehen. Im Fall des Projekts für die Velovorzugsroute im Bereich der Nötzlistrasse, der Giacomettistrasse und des Appenzellerwegs wurde bereits zu Beginn der Planung mit einigen Direktbetroffenen Kontakt aufgenommen. Die breite Höngger Bevölkerung wurde zudem im Rahmen einer Informationsveranstaltung direkt vor Ort über das Projekt und das weitere Vorgehen informiert.

Hinweis der Redaktion: Das Interview wurde schriftlich geführt.

1 Kommentare


jürg thurnheer

26. März 2026  —  15:28 Uhr

obwohl ich kein auto habe und oft mit dem velo unterwegs bin, findi ich das „gersngel“ um velovorzugsrouten völlig „überzüchtet“ , richtiggehend ideologisiert!
Als velofahrer komne ich auf den „normalen“ strassen bestens vorwärts!
velovorzugsrouten , wie zn die geplaneten kilchberstrasse, segantinistrasse etc werden bald den charakter einer autorennstrecke haben, denn die vielen (rel.) dogmatisch tickenden velofahrer rasen dann ohne rücksicht (wie die vielen trottoirfahrer) auf kinder und Frauen mit kinderwagen durchs quartier im geiste frei fahrt für mich als besseren mensch, da nicht autofahrer…..

Themen entdecken