ÖV-Ringsystem: Handlungsbedarf und prioritäre Ausbauprojekte

Der Jahresbericht 2025 zur Netzentwicklungsstrategie 2040 zeigt auf, wie die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) den öffentlichen Verkehr auf das Bevölkerungswachstum ausrichten.

Die VBZ machen sich für die Zukunft bereit. (Illustration: VBZ)

Das geplante ÖV-Ringsystem markiert einen strategischen Wendepunkt, teilt die Stadt Zürich mit: Künftig sollen Fahrgäste vermehrt direkt zwischen den wachsenden Stadtzentren wie Altstetten, Oerlikon oder Affoltern unterwegs sein – ohne Umweg über den Hauptbahnhof oder die Bahnhofstrasse. Im Zentrum steht die schrittweise Ergänzung des heutigen, sternförmig verlaufenden Tramnetzes zu einem modularen Ringsystem mit innerem und äusserem Ring.

Hohe Netzbelastung beim Bahnhofplatz, Bellevue, Stauffacher und der Quaibrücke

2024 nutzten rund 300 Millionen Fahrgäste das Angebot der VBZ. Die Belastung auf den Hauptachsen der Innenstadt ist hoch. Über 70 000 Fahrgäste pro Werktag passieren den Bahnhofplatz, weitere Hotspots sind Bellevue, Stauffacher und die Quaibrücke. 

Stadtrat Michael Baumer, Vorsteher des Departements der Industriellen Betriebe, betont laut der Medienmitteilung: «Der nun vorliegende Jahresbericht 2025 der Netzentwicklungsstrategie 2040 zeigt die Dringlichkeit des Ausbaus des öffentlichen Verkehrs in der Stadt Zürich auf. Das Ringsystem wird das Zentrum entlasten und das Wachstum im Norden und im Westen der Stadt abfedern. Ausserdem zeigt der Bericht, dass Eigentrasses essenziell sind, um einen qualitativ hochstehenden ÖV anzubieten.»

Zuverlässigkeit und Abstellkapazität unter Druck

Aktuelle Auswertungen zur Pünktlichkeit zeigen, dass rund 90 Prozent der Tramfahrten pünktlich verkehren. Gleichzeitig nimmt die Zuverlässigkeit auf einzelnen zentralen Abschnitten ab, insbesondere rund um den Hauptbahnhof und beim Bellevue. Bei Bus- und Trolleybuslinien ist die Streuung der Fahrzeiten deutlich höher. Diese Erkenntnisse unterstreichen den Bedarf an eigenen ÖV-Trassees, betrieblichen Optimierungen und neuen Netzelementen. 

Für die wachsende Tram- und Busflotte zeigt der Bericht bei der längerfristigen Angebotsplanung bis 2050 die Abhängigkeit von neuen Abstell- und Unterhaltsanlagen auf: Ab 2035 übersteigt der Bedarf an Trams die heute vorhandenen Depotkapazitäten. Die Suche nach neuen Abstellflächen treiben die VBZ deshalb systematisch und prioritär voran.

Tram Affoltern und Tramtangente Nord als Schlüsselprojekte

Der Jahresbericht bestätigt den hohen Stellenwert des gemeinsam von Stadt, Kanton und Bund finanzierten Tram Affoltern. Im September 2025 hat der Stadtrat dem Gemeinderat einen Baukredit von 160 Millionen Franken beantragt. Als Nächstes steht der Baubeschluss durch den Gemeinderat an. Im Anschluss daran wird die Zürcher Stimmbevölkerung über den Baukredit entscheiden.

Zusammen mit dem Tram Affoltern bildet die Tramtangente Nord eine leistungsfähige West-Ost-Verbindung von Affoltern via Oerlikon zum Bahnhof Stettbach. Sie ist Bestandteil des Agglomerationsprogramms der 5. Generation und ein wichtiges Element, um in den nördlichen Stadtteilen und der angrenzenden Agglomeration ein zuverlässiges ÖV-Angebot anzubieten. Mitte 2025 fiel der Variantenentscheid mit der Linienführung via Überlandstrasse. Bis 2027 werden mit zwei Vertiefungsstudien weitere Details bezüglich Strassenraumgestaltung geklärt. Damit der Bund sich finanziell beteiligt, muss das Vorprojekt bis Ende 2029 vorliegen.

Rahmenkredit von 450 Millionen Franken

Um den qualitativ hochstehenden ÖV schneller und effizienter am Bevölkerungswachstum auszurichten, beantragte der Stadtrat dem Gemeinderat im September 2025 zudem einen Rahmenkredit von 450 Millionen Franken, um zentrale Ausbauschritte der Netzentwicklungsstrategie in Altstetten und Albisrieden früher und unabhängiger vom Kanton umzusetzen. Im Anschluss an den Gemeinderatsentscheid wird die Zürcher Stimmbevölkerung über den Rahmenkredit entscheiden.

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