Quartierleben
Keine schönen Aussichten für das Vuebelle auf dem Hönggerberg
Das Vuebelle, ein biodiverses Pilotprojekt auf dem Hönggerberg, wird nach Angaben des verantwortlichen Vereins Bee’n’Bee nun von der Stadt übernommen. Die Pächterinnen und Pächter sollen die Beete voraussichtlich Ende Jahr räumen. Mittlerweile rückten schon die Bagger an.
12. Februar 2026 — Dagmar Schräder
Den Bellevueplatz nachstellen, aber in «Grün»: Das war die Idee, mit der sich der Verein Bee’n’Bee im Jahr 2021 beim städtischen Wettbewerb um einen Teil der ZKB-Jubiläumsdividende bewarb. Mit Erfolg: 250 000 Franken erhielt er für sein Biodiversitätsprojekt; das dafür notwendige Stück Land wurde ihm auf dem Hönggerberg für mindestens acht Jahre zur Verfügung gestellt. Dort sollte eine nachhaltige Oase für die ganze Bevölkerung entstehen.
Die Idee stiess auf Resonanz: Freiwillige beteiligten sich am Aufbau, Sponsoren unterstützten das Vorhaben, ein Crowdfunding ergab weitere 25 000 Franken. Sieben Gartenparzellen wurden verpachtet, 60 Bäume gepflanzt. Im Mai 2024 fand die Eröffnung statt. «Ideen und Mithilfe aus dem Quartier sind willkommen und dank der erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne kann der Park wie geplant fertiggestellt und während der nächsten Jahre unterhalten werden», hiess es im «Höngger».
Und auch andere Medien berichteten, wie etwa der «Tages-Anzeiger»: «Bis 2029 wird in Höngg die grüne Version des Bellevue wachsen und gedeihen. So lange darf Bee’n’Bee die Fläche bespielen.»
Die Stadt übernimmt
Mittlerweile aber sieht die Situation anders aus. Auf der Website des Vuebelles wurde bekannt gegeben, dass die Stadt das Areal ab dem Frühjahr 2026 übernimmt. Der Verein Bee’n‘Bee zieht sich aus dem Projekt zurück. Kommuniziert wird dies als erfolgreiche «Transformation vom Acker zu einer blühenden Biodiversitätsfläche». Das Vuebelle leiste damit einen nachhaltigen Beitrag zur ökologischen Qualität und Resilienz der Stadt Zürich.
Auf Anfrage erklärt Markus Schaub, der Geschäftsführer des Vereins: «Vuebelle war von Beginn an als Pilotprojekt angelegt – mit dem Ziel, eine Fläche zu transformieren und langfristig zu sichern.»
Zu Beginn, so Schaub weiter, sei zwar eine längere Betriebsdauer durch den Verein diskutiert worden. Gleichzeitig sei aber klar gewesen, dass dies nur durch eine dauerhafte Sicherung seitens der Stadt oder über lokale Unternehmen zu bewerkstelligen sei. Weil das Engagement des Gewerbes weitgehend ausgeblieben sei, sei die aktuelle Lösung die bestmögliche Variante.
Nach drei Jahren ist Schluss?
Die Mieterschaft der Gartenparzellen zeichnet im Gespräch mit dem «Höngger» indes ein etwas anderes Bild. Sie schloss im Jahr 2023 mit Bee’n’Bee einen Pachtvertrag ab, zu einem Preis von 120 Franken pro Jahr und Beet. Dabei waren sie davon ausgegangen, die Flächen während acht Jahren bewirtschaften zu können, auch wenn das nicht explizit Inhalt des Vertrags war.
Doch im Juni 2025 wurde ihnen mitgeteilt, dass die Zukunft des Vuebelles unsicher sei. Als einen der Gründe nennt der Verein, so lässt es sich dem dieser Zeitung vorliegenden Schriftverkehr zwischen Verein und Mieterschaft entnehmen, die mangelnde Unterstützung und Kooperationsbereitschaft durch die Stadt – sowohl in finanzieller Hinsicht als auch in Hinblick auf konkrete Hilfe bei der Bewirtschaftung.
Biodiversitätsprojekten werde vonseiten der Stadt bedauerlicherweise nicht genug Bedeutung eingeräumt, heisst es darin. Und weil eine private Finanzierung durch die Vereinsverantwortlichen nicht mehr weiter möglich sei, würden die Gartenverträge nach 2025 nicht erneuert.
«Immer weniger gepflegt»
Ganz kampflos wollten sich die Pächterinnen und Pächter jedoch nicht geschlagen geben. Sie boten dem Verein ihre Hilfe an und brachten Vorschläge ein, mittels welcher Kontakte und Massnahmen doch noch Unterstützung zu finden sein könnte. Reaktionen erhielten sie darauf keine. Also suchten sie den Kontakt zur Stadt. Nicht nur wegen der Gärten, sondern auch, weil sie, wie sie im Juli 2025 an Grün Stadt Zürich (GSZ) schrieben, «mit zunehmender Sorge feststellen, dass das Vuebelle-Gelände immer weniger gepflegt werde.
So wurden beispielsweise die im Oktober 2023 gepflanzten Obstbäume bisher nicht geschnitten und die Wiese in diesem Jahr noch nicht gemäht.» Auch gegenüber der Stadt erklärten sie ihre Bereitschaft, einen konstruktiven Beitrag zum Erhalt des Projekts zu leisten und baten um Einsicht in den Pachtvertrag mit dem Verein.
Stadt ist nicht zuständig
Diesen gewährte die Stadt ihnen nicht. Der Vertrag laufe auf den Verein Bee’n’Bee, ein Einblick sei daher nicht möglich. GSZ betonte jedoch im Hinblick auf die vom Verein bemängelte fehlende Unterstützung, dass der Pachtvertag mit Bee’n’Bee unter den gleichen Konditionen laufe wie die Verträge mit allen anderen Grundstückspachtenden auf Stadtgebiet. Die Pächterschaft sei generell auf «eigene Rechnung für den korrekten Unterhalt der Flächen zuständig». Eine finanzielle Unterstützung durch die Stadt sei ebenso ausgeschlossen wie die Übernahme von Arbeiten auf dem Gelände.
Auskunft zur Finanzierung des Projekts gibt die Kommunikationsabteilung des Finanzdepartements. Der Beitrag von 250 000 Franken sei für die Förderphase des Projekts gesprochen und in die Erstellung der Neuanlage investiert worden. Die zeitliche Befristung der Förderung sei Teil der publizierten Wettbewerbsbedingungen gewesen. Über die Verwendung des Geldes habe der Verein, so das Finanzdepartement weiter, einen Zwischen- sowie Abschlussbericht mit Kostenaufstellung erstellt. Einen Einblick in die Berichte und die konkreten Zahlen wurde dem «Höngger» allerdings nicht gewährt.
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Und wie geht’s weiter?
Die Verantwortung für die Weiterführung des Projekts liegt damit also aus Sicht der Stadt allein beim Verein. Eine Verantwortung, die dieser nicht mehr wahrnehmen kann oder will. Die Stadt bestätigt die Übernahme des Projekts und erklärt, dass die Vertragsauflösung in gegenseitigem Einvernehmen erfolgt sei. Das weitere Vorgehen schildert Markus Gamper von GSZ wie folgt: «Die bestehenden Biodiversitätsflächen sollen aufgewertet und anschliessend weiter bewirtschaftet werden. Abgestorbene Bäume werden ersetzt.»
Und was geschieht mit den Gärten? Auf einem Teil dieser Flächen, so Gamper, solle ein neues Angebot für die Bevölkerung entstehen. Die Vorarbeiten hierfür liefen bereits. Doch wie dies genau aussehen wird, ist noch nicht bekannt. Die Gärtnerinnen und Gärtner werden also höchstwahrscheinlich das Nachsehen haben und ihre Parzellen bis Ende 2026 räumen müssen. Es bleiben Fragen offen.





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