Quartierleben
Kein Feuerwerk – aber ein «Dreigangmenü»: So war die Bundesfeier in Höngg
Erneut fand die traditionelle Bundesfeier auf dem Hönggerberg statt, organisiert vom Quartierverein Höngg und dem hiesigen Turnverein. Im Mittelpunkt stand die Rede von Monika Wicki.
19. August 2026 — Daniel Diriwächter
Kein Feuerwerk und kein Höhenfeuer: Wegen der langanhaltenden Trockenheit stellte sich mancherorts die Frage, wie der 1. August gefeiert werden sollte. Dabei ist der Nationalfeiertag bekanntlich weit mehr als Knallerei und Feuerschein. Das zeigte sich unter anderem auf dem Hönggerberg, wo der Quartierverein Höngg gemeinsam mit dem Turnverein Höngg zur Bundesfeier einlud. Erneut fand Gross und Klein den Weg ins Turnerhaus.
«Seit gefühlt zehn Jahren hatten wir keinen Regen», sagte Alexander Jäger, der Präsident des Quartiervereins. Heuer war es die trockene Hitze, die dominierte, doch diese vermochte die fröhliche Stimmung nicht zu trüben. Und während Grillwürste und Salate sowie vielerlei Getränke vom Turnverein angeboten wurden, bestritt Alleinunterhalter Klaus Grüninger das musikalische Programm.
Freiheit, Verantwortung und Demokratie
Das Herzstück der Feier war die Rede des geladenen Gastes. War es im letzten Jahr der «Ur-Höngger» Fritz Meier, der nach dem Motto «Das Gute liegt so nah» frisch von der Leber weg sprach und damit für Gesprächsstoff sorgte, lag es nun an Monika Wicki, Vizepräsidentin des Zürcher Kantonsrats (SP) sowie Präsidentin des Quartiervereins Oerlikon, die Leute zu begeistern. Das tat Wicki mit einem «Dreigangmenü»: einer Vorspeise, einem Hauptgang und einem Dessert. Und das «geschmückt mit drei Geschichten», wie sie sagte.
Die Vorspeise war die Freiheit, und diese sei nicht automatisch gegeben: «Ist ein Mensch wirklich frei, wenn er sich entscheiden muss, ob er die Krankenkassenprämie oder die Miete bezahlt? Ist eine Familie wirklich frei, wenn beide Eltern Vollzeit arbeiten und trotzdem kaum über die Runden kommen? Ist ein Kind wirklich frei, wenn seine Zukunft stärker vom Einkommen der Eltern abhängt als von den eigenen Fähigkeiten?», fragte Wicki. Und die Antwort lautete Nein. Denn Freiheit benötige Chancen, Bildung und soziale Sicherheit.
Dies leitete zum Hauptgang über, der Verantwortung. Wicki griff dafür auf die Fabel über den König der Bäume, auch Jotamfabel genannt, aus dem Buch der Richter im Alten Testament zurück. Darin lehnen die wertvollen Bäume – Ölbaum, Feigenbaum und Weinstock – die Königswürde ab, weil sie ihre eigentliche Aufgabe nicht aufgeben wollen. Schliesslich nimmt ausgerechnet der nutzlose und gefährliche Dornbusch die Herrschaft an und droht den anderen Bäumen mit Feuer.
«Es ist die Fabel über die Herrschaft von Unfähigen, die sich aufblähen und zerstörerisch wirken. Die Geschichte zeigt aber auch, wie wichtig es ist, dass sich die Fähigen einsetzen und Verantwortung übernehmen», so Wicki in ihrer Rede. «Ein Hoch auf die Menschen, die in der Gesellschaft, in den Vereinen und Parteien Verantwortung übernehmen und sich dafür einsetzen, dass auch die Zukunft lebenswert sein wird.»
Zum Abschluss ihrer Rede rückte Wicki die Demokratie und die Bedeutung des persönlichen Engagements als «Dessert» in den Mittelpunkt. Anhand einer Geschichte über Johann Heinrich Füssli und Johann Caspar Lavater zeigte sie, wie diese 1762 mit einem anonymen Flugblatt gegen einen korrupten Landvogt vorgingen. Dies sei ein kleiner Schritt auf dem Weg zur Demokratie gewesen und die Geschichte zeige, dass Demokratie vom Mitmachen jedes Einzelnen lebe – und auch davon, aufeinander zuzugehen. Wicki gab zu bedenken, dass direkte Begegnungen zunehmend verloren gingen. Gerade deshalb seien Vereine und insbesondere Quartiervereine wichtig.
«Die Demokratie lebt vor allem von Menschen, die miteinander sprechen», sagte sie. Dazu gehöre es auch, andere Meinungen auszuhalten und Kompromisse einzugehen. Dabei handle es sich nicht um Niederlagen: «Ein guter Kompromiss bedeutet, dass niemand alles bekommt – aber alle gemeinsam weiterkommen.»
Wenn die Worte nachklingen
Mit diesem Dreigangmenü überzeugte Wicki die Anwesenden. Jäger schätzt, dass rund 500 Personen vor Ort waren. Anders als in den Vorjahren verlieh die ruhige Bundesfeier Wickis Worten besonderen Raum. Während die Kinder mit ihren Lampions und Elektrokerzen zum Höngger Wald und zurück zogen, klang der 1. August auf dem Hönggerberg in gemütlicher Atmosphäre aus.




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