Influencer in Ausbildung

Beeinflussung lauert auf allen Seiten. Waren es früher nur die Familie, der Freundeskreis oder ein Idol, von dem man sich beeinflussen liess, sind es heute sogenannte «Influencer», die sich dank des Internets einen Namen machen. Der 19-jährige Fabian Egger aus Höngg strebt an, einer von ihnen zu werden.

Der 19-jährige Fabian Egger, alias «Der Praktikant» will ein erfolgreicher Influencer werden.

Die Social Media Plattformen YouTube, Facebook und Instagram sind heute aus dem Leben vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. Man nutzt sie rund um die Uhr, um mit Bekannten in Kontakt zu bleiben, deren Posts zu liken und zu kommentieren und manchmal selbst etwas mit der Welt zu teilen. Dabei stösst man auch auf die Kanäle von Menschen, die nicht nur ab und zu etwas von sich preisgeben, sondern sich dazu entschlossen haben, ihr ganzes Leben im Internet öffentlich darzustellen und es mit anderen zu teilen. Sie tun dies in Form von Bildern, Videos und Posts, in denen sie ihren Zuschauer*innen einen Einblick in ihren Alltag und – einige mehr, andere weniger – in ihr Privatleben gewähren. Diese Menschen nennt man «Influencer», Beeinflusser. Per Definition betitelt man Personen als solche, die ihre Berühmtheit durch einen Blog oder ihre Kanäle auf YouTube, Instagram und Facebook erlangt haben und durch ihre ständige Medienpräsenz für Werbung und die Vermarktung von Produkten in Frage kommen. Im Internet ein Bild hochzuladen, eine Marke oder ein Unternehmen darauf zu verlinken und dafür eine vierstellige Summe zu bekommen, klingt für viele wie ein Traum. Doch für einige Influencer ist dieser Traum Realität geworden. Denn das Geld, welches sie durch ihre Kanäle verdienen, kommt von bezahlten Partnerschaften mit Firmen oder Marken und nicht etwa von Likes oder Klicks. Diese Marken sollen sie dann in ihren Videos und Posts erwähnen und so Werbung dafür machen.

Lieber «undercover» in Höngg

Der 19-jährige Höngger Fabian Egger verdient sein Geld noch auf die konventionelle Art. Er arbeitet als Praktikant bei LikeMag, einem Onlinemagazin. Zuvor war er, ebenfalls als Praktikant, bei Radio24 tätig. Seit Anfang des Jahres postet Fabian unter dem Pseudonym «Der Praktikant» Videos auf der Plattform YouTube. Dieses Pseudonym hat viel mit ihm selbst zu tun, er sei ja schon einige Zeit lang Praktikant und deutet damit auch auf einige Klischees hin. «Der Status eines Praktikanten ist der eines noch nicht ganz ausgelernten, schusseligen und unerfahrenen Mitarbeiters. Man nimmt ihn mit ein bisschen Witz und der Name zeigt, dass die Leute meine Videos nicht so ernst nehmen sollen», sagt Fabian. Seinen eigenen Namen behält er in seinen Videos und auch auf seinem Instagram-Account lieber im Hintergrund. «Ich bin in Höngg tatsächlich schon einmal erkannt worden. Aber dann finde ich es besser, wenn man mich als «Der Praktikant» kennt, statt als Fabian Egger.»
Auf die Idee, einen YouTube-Kanal zu starten, brachten ihn die Kommentare seiner Freunde. «Diese haben schon früher immer gesagt, ich solle mich mal filmen, wenn ich etwas Lustiges oder Komisches gemacht habe. Und da dachte ich, okay, das mache ich mal», schmunzelt er und zuckt mit den Schultern. Auf dem Kanal «DerPraktikantTV» findet man die Kategorien Comedy, Challenges und Extremes. «Die Schwache nimmt’s» ist ein Format aus der Kategorie Extremes, hierzu lud er bereits eine Challenge hoch, in der es darum ging, bei kalten Aussentemperaturen ohne Jacke unterwegs zu sein. Derjenige, der es länger ohne Jacke aushielt, gewann. In Zukunft möchte er auch Berge besteigen und seine Zuschauer mit der Kamera auf seine Abenteuer mitnehmen. Die Natur soll in seinen Videos ebenfalls mehr zu sehen sein.

«Auch als Influencer braucht man Inspirationen – auch von anderen Influencern»
Vom Radio her hat Fabian Egger viele Vorbilder, Moderatoren, die die ganze Zeit sprechen, ohne auch nur einmal «ähm» zu sagen, solche die auch YouTube-Videos produzieren wie Stefan Büsser. Aber auch andere Schweizer YouTuber wie die Basler «askSwitzerland» und «Noeliavidz» oder der Berner YouTuber «Gabirano» dienen ihm als Inspiration. Von der deutschen YouTube-Szene haben es ihm die «Ost boys» angetan. «Mein Ziel ist es, einmal an einen Influencer-Event mit vielen anderen bekannten Influencern teilzunehmen und dass es dann heisst, ‹ach ja, der Praktikant ist ja heute auch hier›. Und ich würde zu diesem Event die Kamera mitnehmen und das Ganze dann in einem Video kommentieren». Auch mit anderen Influencern Videos zu drehen und diese privat zu treffen, ist ein grosser Traum von Fabian. In Zürich gäbe es allerdings nicht so viele YouTuber, die bekanntesten in der Schweiz kämen aus Basel, Bern oder Luzern. «Diese kommen vielleicht in der ganzen Schweiz sympathischer rüber als wir Zürcher», bemerkt er mit einem Lachen.

Regelmässigkeit ist das A und O

Auch im Bereich der Technik lässt sich der angehende Influencer vom Radio inspirieren. Seine Videos beginnen meist mit einem Teaser, in dem die spannendsten und prägnantesten Szenen kurz zusammengeschnitten werden. Gefolgt von leuchtenden Buchstaben und grosser Schrift. Um seine Zuschauer zu behalten und sogar neue dazuzugewinnen, nennt Fabian allerdings kein technisches Hilfsmittel. «Das wichtigste ist die Regelmässigkeit. So haben die Abonnent*innen immer ungefähr im Kopf, wann ein neues Video online kommen wird und schalten dementsprechend auch regelmässig wieder ein. Ob dies nun jede Woche oder jeden Monat der Fall ist, spielt keine Rolle».
Obwohl seine Abonnent*innenanzahl sich noch in einem bescheidenen Rahmen hält, wirkt Fabian entschlossen, stetig dazuzulernen und seinen Zuschauern immer wieder neue Überraschungen zu bieten.

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