Gesundheit
Fehlendes Wissen über Autismus hat Folgen
Es bestehen erhebliche Lücken im Umgang und in der Unterstützung von Menschen im Autismus-Spektrum. Deshalb fordert autismus schweiz eine weitreichende Sensibilisierung über Autismus in allen Gesellschaftsbereichen.
5. Februar 2026 — MM (Medienmitteilung)
autismus schweiz mit Sitz in Höngg weist in einer Medienmitteilung darauf hin, dass das Wissen über Autismus in der Gesellschaft nach wie vor unzureichend ist. Dies betrifft neben dem Alltag insbesondere zentrale Bereiche wie Bildung, Gesundheitswesen, Betreuung, Arbeit und Wohnen. Fehlendes Wissen über Autismus kann konkrete Folgen haben: Verhalten wird falsch eingeschätzt, Unterstützungsangebote greifen zu spät oder gar nicht, und der Zugang zu Bildung, Arbeit und medizinischer Versorgung ist erschwert. Dies führt zu hoher Belastung für Betroffene und Angehörige und kann Krisen begünstigen, die mit mehr Fachwissen vermeidbar wären.
Massives Versorgungsproblem
«Es gibt ein massives Versorgungsproblem für alle Kinder und Jugendlichen mit psychischen Belastungen – das ist eine inakzeptable Situation, die in keinem anderen medizinischen Bereich akzeptiert würde», sagt Ronnie Gundelfinger. Der ehemalige leitende Arzt an der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (KJPP) ergänzt: «Für Familien mit einem Kind im Autismus-Spektrum ist die Situation besonders gravierend, weil es an qualifizierten Abklärungsstellen und an adäquaten Therapieangeboten fehlt.»
Die Schweiz hat im Jahr 2014 die UNO-Behindertenrechtskonvention ratifiziert. Zudem hat der Bundesrat im Jahr 2018 in seinem Bericht zu Autismus-Spektrum-Störungen festgehalten, dass Menschen im Autismus-Spektrum in der Schweiz weiterhin mit erheblichen Nachteilen konfrontiert sind. Der Bericht zeigt auf, dass es an Koordination, Fachwissen und bedarfsgerechten Angeboten fehlt und dass Bund und Kantone ihre Verantwortung für eine wirksame Unterstützung stärker wahrnehmen müssen. Dazu gehören angemessene Vorkehrungen, barrierefreie Angebote sowie eine fachlich fundierte Begleitung in allen Lebensbereichen.
Fachwissen ist entscheidend
Aus Sicht von autismus schweiz besteht bei der Umsetzung dieser Verpflichtungen aus der UNO-Behindertenrechtskonvention und dem Bericht des Bundesrates weiterhin erheblicher Handlungsbedarf. Notwendig ist insbesondere eine bessere Sensibilisierung der Gesellschaft für Autismus. „Autistische Menschen und ihre Angehörigen haben im Alltag oft besondere Herausforderungen. Wir müssen dafür sorgen, dass die Gesellschaft sie versteht, gut informiert ist und passende Strukturen bereitstellt.“ sagte Bundesrätin Elisabeth Baume‑Schneider im November 2025 anlässlich eines Autismus-Kongresses in Interlaken.
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autismus schweiz erlebt täglich, dass der Zugang zu autismusgerechten medizinischen Massnahmen sowie zu Bildung und Arbeit für viele Betroffene nicht gesichert ist. Deshalb fordert die Organisation von Bund und Kantonen verbindliche und praxisnahe Aus- und Weiterbildungen zu Autismus für Fachpersonen in der Bildung, dem Gesundheitswesen und im Sozialbereich. Autismus-Kompetenz darf kein freiwilliges Zusatzwissen sein, sondern muss fester Bestandteil der Grundausbildung in sozialen und betreuenden Berufen werden. Gleichzeitig braucht es ausreichend spezialisierte und langfristig finanzierte Unterstützungsangebote in der Schule, beim Übergang ins Erwachsenenleben und in der Arbeitswelt. Auch medizinische Massnahmen und die Krisenbegleitung müssen sich konsequent an den individuellen Bedürfnissen von Menschen im Autismus-Spektrum orientieren.
Quelle: Medienmitteilung autismus schweiz





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