Eine Tramfahrt mit Coco Petit

Die Höngger Stadtführerin und Buchautorin Coco Petit kennt Zürich wie ihre Westentasche, auch das Schienennetz der VBZ gehört dazu: Petit wird beim «Züri-Tram» ihre Anekdoten präsentieren.

Coco Petit im Züri-Tram. (Foto: VBZ)

Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) bieten seit 1993 mit Oldtimer-Fahrzeugen rollende Restaurants an. Ob Fondue oder Sushi: Die Gäste geniessen ein Dinner und durchqueren dabei bequem die City. Wie die VBZ mitteilten, werde es aber immer schwieriger, die Fahrzeuge zu diesem Zweck instand zu halten. Gleichzeitig steige aber auch die Nachfrage.

Aus diesem Grund haben die VBZ entschieden, die sogenannte Genuss-Linie durch ein neues Event-Tram zu ersetzen: Unter dem Namen «Event-Linie» bietet das «neue» Fahrzeug, ein Tram 2000, Platz für 48 Passagiere und kommt im Retro-Look mit Elementen aus den 1970er- und 1980er-Jahren daher. Designt wurde das Event-Tram von Lungard Interior Design & Products. Der Umbau habe, so die «NZZ», 1,7 Millionen Franken gekostet.

Das Retro-Tram setzt hauptsächlich auf kulinarische Angebote, aber auch andere Veranstaltungen sind vorgesehen. Neu dabei ist das «Züri-Tram», das im April den Auftakt macht und bis im Mai unterwegs ist. Es ist eine Fahrt, die nicht nur ein Dinner beinhaltet, sondern auch eine Menge Informationen: Die Höngger Stadtführerin und Buchautorin Coco Petit wird die Gäste während rund zwei Stunden mit spannenden und mitunter kuriosen Anekdoten unterhalten.

Coco Petit im Züri-Tram. (Foto: VBZ)

Mit offenen Augen

Petit kennt die Stadt Zürich in- und auswendig, sie führt regelmässig Interessierte im Namen ihrer Firma Zürich Tour durch die Stadt und veröffentlichte bereits zwei Stadtführer – «Glücksorte in Zürich» und «Zu Fuss durch Zürich». «Grundsätzlich kann ich überall etwas erzählen», sagt sie lachend beim Interview mit der «Höngger Zeitung». Zudem laufe sie stets mit offenen Augen durch die Stadt und sehe vielleicht Dinge, die anderen verborgen bleiben.

Die Hönggerin wurde nicht nur von den VBZ engagiert, sie erarbeitete auch in Zusammenarbeit mit dem städtischen Unternehmen die Route. Diese beginnt bei der Bellevue-Schleife und führt dann durch das Stadtzentrum und weiter in den Kreis 4, das ehemalige Arbeiterquartier, dann nach Zürich West, das einst ein bedeutendes Industriegebiet war. «Zürich war ein Zentrum des Maschinenbaus, wo Schiffe, Zahnräder, Webstühle und Dampfmotoren gefertigt wurden», so Petit. Es war eine Zeit, als Tausende Einwanderer nach Zürich kamen. «Das bedeutete harte Arbeit: An Webstühlen und in Fabriken wurde geschuftet, 72 oder sogar 84 Stunden pro Woche.»

Pandemie verhinderte Glücksmomente

Das Engagement ist ein zweiter Anlauf: «Ende 2019 haben wir ein ähnliches Angebot aufgegleist, basierend auf den «Glücksorten in Zürich», allerdings kam die Pandemie und das Projekt konnte nicht realisiert werden», sagt Petit. Dass es nun mit dem «Züri-Tram» klappe, freue sie sehr.

Die Autorin schwärmt vom neuen Tram: «Der Ausbau ist sensationell, vieles ist in Züri-Blau gehalten, die Gläser sind magnetisch und man kann mich mit dem kabellosen Mikrofon überall hören», so Petit. Sie erinnert sich an einige Auftritte im «Elefanten», dem Oldtimer-Tram. «Das Tram quietschte laut in jeder Kurve, und es war sehr anspruchsvoll, eine Geschichte zu erzählen.»

Interaktive Gestaltung

Im «Züri-Tram» können sich die Gäste nun ganz auf die Worte von Petit und auf die Aussicht konzentrieren. Wenn auf dem Teller das Zürcher Geschnetzelte mit Rösti landet, legt die Moderatorin eine Pause ein. Dennoch will Petit ihren Auftritt – siebzehn Fahrten sind geplant – auch interaktiv gestalten. «Ich habe mir knackige Fragen überlegt», sagt sie geheimnisvoll. Verraten will sie dem «Höngger» nichts, das bleibe eine Überraschung. Wichtig ist, dass das Angebot für die Zürcher Bevölkerung gedacht sei, weniger für Touristen, ausser bei drei Fahrten, die in Englisch stattfinden. Daten und Preise sind direkt unter eventlinie.vbz.ch zu erfahren.

Zur Person: Coco Petit

Die Zürcherin Coco Petit, hat, wie es der Name verrät, französische Wurzeln. Ihr Vater lebt heute noch in der Loire. Er war es auch, der mit seinen Geschichten über die Nachkriegszeit in Petit das Interesse an der Geschichte sowie deren Vermittlung weckte. Petit absolvierte schliesslich eine Ausbildung als Stadtführerin bei Zürich Tourismus. Als Autorin veröffentlichte sie zwei Stadtführer: «Glücksorte in Zürich» und «Zu Fuss durch Zürich». Petit lebt mit ihrer Familie in Höngg.

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