Kultur
Eine Begegnung unter Freundinnen
Auch in diesem Jahr organisiert die Höngger Künstlerin Rita Maya Kaufmann in ihrem Atelier eine Ausstellung mit einer anderen Künstlerin. Mit Brigitta Gabban verbindet sie nicht nur Freundschaft, sondern auch ein Stück Lebenserfahrung.
27. März 2025 — Dagmar Schräder
In der Mitte der grossen Wand im Atelier von Rita Maya Kaufmann, da treffen sie aufeinander, die beiden Kunstwelten. Links im Raum sind die Werke von Brigitta Gabban ausgestellt, rechts diejenigen von Rita Maya Kaufmann. Und an der mittleren Wand begegnen sie sich. So unterschiedlich die Kunstwerke sind, hier sind sie sich ganz nah – und ganz ähnlich. Denn bei beiden prägen Linien und Rechtecke das Bild.
Während Gabbans Bilder, mit Tusche auf Papier, jedoch grossflächig, mit farbigen Linien und durchaus auch krummen Strichen und verwischten Farben daherkommen, sind Kaufmanns Werke, direkt mit Aquarellfarben auf Holz-Bildräger gemalt, einzelne Linien mit einem Spatel ausgeritzt, akkurat und in exakten geometrischen Formen gezeichnet.
«Mich interessiert an meinen Bildern vor allem das Fehlerhafte, das Unvollkommene – die Striche, die nicht ganz gerade sind, die Kleckse. Das, was von der Farbe abblättert, ist für mich das eigentlich Interessante», erklärt Gabban.
Die Bilder von Kaufmann, so sagt sie selber, seien hingegen von Hafenkränen, insbesondere deren Konstruktion, inspiriert. Und knüpfen damit an ihre früheren Werke an, die sich mit dem Thema Wasser auseinandersetzten.
Quelle der Inspiration
Die Hafenkräne sind Kaufmann in Lissabon begegnet. Dort konnte sie im Jahr 2020 im Rahmen des Angebots «Artists in Residence» einige Wochen im Haus der bekannten portugiesischen Künstlerin Maria Helena Vieira da Silva verbringen. Und sich von der Umgebung inspirieren lassen.
Noch etwas, das sie mit ihrer Freundin Gabban gemeinsam hat: Denn diese konnte dasselbe Angebot am gleichen Ort nutzen – in den Jahren 2017 und 2019. «Diese Stadt voller Kacheln und Fliesen an den Gebäuden und im öffentlichen Raum hat die Arbeit von uns beiden beeinflusst», erklären sie.
Kaufmann etwa liess sich von der Form der Kacheln leiten. Auf quadratischen Holzbildträgern in verschiedenen Grössen begann sie mit den strukturierten Motiven, in Blau-, Grau- und Weisstönen, rechteckige Formen, innerhalb derer kleinteilige, filigrane Muster zu erkennen sind. Sie wecken nicht nur die Assoziation zu Hafenkränen, sondern auch zu Häuserfassaden oder Balkonen. Manche der Bilder sind aus mehreren Holzbildträgern zusammengesetzt und vereinen sich so zu einem grossen Gesamtkunstwerk.
Gabban dagegen besann sich dank des Aufenthalts in Lissabon auf ihre früheren Arbeiten mit Ton zurück. Sie begann mit der Produktion eigener Kacheln, mit der Zeit wurden halbrunde Objekte daraus, wie Hüte wirken diese. Hüte in den verschiedensten Grössen und Farben – und auch hier: das Imperfekte ist das Massgebliche. Hüte mit Beulen, schiefen Rändern. Nichts Regelmässiges, nichts Gerades findet sich in ihren Werken.
In der Ausstellung der Künstlerinnen lassen sich die Arbeiten nun entdecken. Bereits zum vierten Mal organisiert Kaufmann diese gemeinsame Ausstellung – mit wechselnden Kunstschaffenden.
Mit Gabban hat sie erstmals eine Künstlerin eingeladen, mit der sie auch privat viel verbindet. «Wir kennen uns bereits seit 1992 und haben schon viel Zeit zusammen erlebt. Einmal jährlich verbringen wir eine Woche gemeinsam im Tessin, wo wir kreativ tätig werden.» Doch gemeinsam ausgestellt, das haben die beiden bis jetzt noch nicht.
Und dass sich in ihren unterschiedlichen Herangehensweisen doch so viel Gemeinsamkeiten entdecken lassen, auch diese Erkenntnis ist ihnen im Prozess der Ausstellungsgestaltung gekommen. Eine wahre Begegnung.
Die Ausstellung
Rita Maya Kaufmann, Malerei, und Brigitta Gabban, Zeichnung und Keramik.
Donnerstag, 27. März, bis Sonntag, 30. März.
Donnerstag bis Samstag 16–19 Uhr
Artist Talk mit der Kunsthistorikerin Yvonne Türler am Sonntag,
30. März um 15 Uhr, anschliessend Apéro.
Limmattalstrasse 386
0 Kommentare