Quartierleben
Das Höngger Wappen: Eine Spurensuche durch Geschichte und Heraldik
Das Höngger Wappen ist uns wohl vertraut – und es wird mit Stolz verwendet. Dennoch gibt es einige Fragen: Wie, wann und wo wurde es zuerst verwendet? Ein Beitrag von Max Furrer.
4. Juni 2026 — Redaktion Höngger
Max Furrer
Das Höngger Wappen ist in ortsgeschichtlicher Hinsicht von erheblicher Bedeutung. Im Rahmen der kürzlich abgeschlossenen Renovation des Rebbauernhauses «zum Chranz» als Sitz des Ortsmuseums hat sich eine interessante, historisch-heraldische Frage ergeben, die bislang kaum nachverfolgt wurde: Seit 1977 zierte das grossflächig gemalte Höngger Wappen eine Innenwand mit der knappen Legende: «1674: älteste Darstellung des Höngger Wappens, Das Tatzenkreuz erinnert an die früheren Rechte des Grossmünsters, Rebmesser und Rebstock weisen hin auf die jahrhundertelange Hauptbeschäftigung der Höngger.»
Die Abbildung zeigte eine auffällige, bemerkenswerte Einzelheit. Im Gegensatz zum heutigen Höngger Wappen war der «grüne Grund» – heraldisch bezeichnet als «gewachsener Boden» – nicht horizontal, sondern leicht gewölbt dargestellt.
Erste Erwähnung im Jahr 1674
In der gedruckten Sammlung «Zürcher Wappen» aus dem Jahr 1674 von Conrad Meyer (1618–1689) wird das Höngger Wappen neben weiteren Dorfwappen nachgewiesen – vermutlich erstmals und der heutigen Gestaltung weitgehend ähnlich. Auf der Seite nach dem Titelblatt ist das klein gehaltene Wappen – betitelt mit «Höng» – neben anderen abgebildet.
Blasoniert, das heisst heraldisch erfasst: «In Rot auf gewachsenem Boden eine Rebe (keine nähere Bezeichnung von Trauben und Blättern), beseitet rechts oben mit einem silbernen Tatzenkreuz, links ein silbernes Rebmesser mit goldenem Griff.»
Jedoch: Der grün gefärbte Boden entsprach nicht dem ursprünglichen Original von 1674. Zwar auch gewölbt, ist diese Fläche nicht koloriert, nur oben schwarz kurz schraffiert. Mittendrin zwei kaum erkennbare Minuskeln «si» als Abbreviaturen für «Silber».
Diese Abbildung ist erst später manuell nachkoloriert worden: silberner Stickel, roter Hintergrund, blaue Trauben, grüne Blätter, oben beidseitig Kreuz und Rebmesser. Die dargestellte Version soll auf ein früheres Wappen der Obervogtei zurückgehen.
In der 1667/68 erschienenen Erstausgabe der Zürcher Karte von Hans Conrad Gyger (1599–1674) ist das Höngger Wappen ohne «Grund» dargestellt. Etwa 100 Jahre später publiziert Johannes Müller (1733–1816) eine abstrakt gestaltete und farblich abgeänderte Variante: einen Rebstock mit je drei Trauben und Blättern, ebenfalls ohne grünen Grund.
Fragen zum Höngger Wappen
Recherchen im Staatsarchiv Zürich haben einige Erkenntnisse zum Höngger Wappen ergeben. Diese werfen einige Fragen nach ihren Ursprüngen beziehungsweise generell zu ihrer Authentizität auf. Könnte auch ein Siegel, das zu bestimmten Zwecken (Rechtserlasse, Urkunden oder Briefverkehr) von ermächtigten Personen (Geistliche oder «Meier») verwendet wurde, als offizielles Wappen bezeichnet werden? So haben Höngger Kirchherren 1299 ein Siegel mit «Mauritius-Figur» benutzt.
Der Heilige Mauritius (Moritz), Schutzpatron der ersten Höngger Kirche, ist vermutlich als ältestes Bild überliefert. In der Chronik von Gerold Edlibach (Landvogt, Ratsherr; Stiefsohn von Hans Waldmann, 1454–1530) wird es in Form des Wappenschilds «Höngt» nachgewiesen.
Die Darstellung von 1489/93 soll auf einer jüngeren Kopie beruhen. Wahrscheinlich ist diese uralte Version im oder nach dem Höngger Bildersturm Ende September 1523 mit dem damaligen, obsolet gewordenen Ensemble «Heiligenfiguren» bei der Kirche, «entsorgt» worden.
Weiter kann 1608 ein Scheibenbild möglicherweise auch als heraldische Darstellung gedeutet werden. Ob es die Funktion als Wappen erfüllt, ist jedoch fraglich: «Auf blauem Grund zwei weisse Kreuze, ein Rebmesser und eine Pflugschar». Eine gewisse Ähnlichkeit mit den heutigen Wappen von Ober- und Unterengstringen sowie von Weiningen lässt sich in diesem Zusammenhang erkennen.
Gelten Wappen, die möglicherweise früher zu Höngg gezählt wurden, beziehungsweise einen Bezug hatten, jedoch nicht dem heutigen Bild entsprechen, deshalb als Gemeindewappen? Bis 1674 sind drei unterschiedliche Versionen nachgewiesen.
Seit wann gilt ein Wappen regulär für die Gemeinde beziehungsweise für die Kirch-, Pfarr- und Dorfgemeinde?
Am 12. März 1928 beschliesst der Höngger Gemeinderat erst viel später, das von der Zürcher Antiquarischen Gesellschaft vorgeschlagene, heraldisch geprüfte, einwandfreie Wappen, als offizielles Gemeindewappen zu übernehmen.
Zeugen der Vergangenheit
Weitere Höngger Wappen, die Zeugnis vergangener Zeiten ablegen, sind noch heute im Quartier zu bewundern. Zum einen an der Ecke Limmattal- und Bauherrenstrasse: Dort befindet sich der älteste Dorfbrunnen «Frohbühl» mit Wappen aus dem Jahr 1784. Ein etwas abgeändertes Wappen verziert den steinernen Brunnentrog in der heutigen Wieslergasse (1789).
Zum anderen ist das Wappen ein Teil des Wirtshausschildes von 1787 des ehemaligen Gasthauses Zum Rebstock beim Meierhofplatz: Das angepasste Wappen zeigt oben das Tatzenkreuz, das mit dem unten quer gehängten Rebmesser den traubenbehangenen Rebstock einrahmt.
Beim Abbruch 1959 des früheren Gemeindewirtshauses wurde das Schild unmittelbar vor dem Entsorgen gerettet. Später schmückte es die seitliche Hausfassade des Neubaus mit dem wiedereröffneten Restaurant Rebstock bis 2019.
Erfreulich ist, dass dieses wertvolle und kürzlich restaurierte Schild im soeben renovierten Ortsmuseum Höngg voraussichtlich seinen endgültigen Standort findet. Dort erinnert es symbolisch an eine vergangene Epoche der Höngger Gastronomiekultur.
Dem Höngger Wappen begegnen wir aber auch im heutigen Alltag: An bestimmten Fest- und Feiertagen schmücken Höngger Fahnen und Flaggen das Ortsbild. Dem Höngger Wappen wird zudem Referenz erwiesen, zum Beispiel von der Zunft sowie im Logo verschiedener Höngger Vereine.
Sogar während der Corona-Pandemie wurden graue Gesichtsmasken mit dem Höngger-Wappen angeboten, was den intendierten Schutz vermutlich wesentlich verstärkt haben dürfte …





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