Dagmar schreibt
Dagmar schreibt: «Sharing is caring»
Unsere Redaktorin Dagmar Schräder schreibt über die grossen und kleinen Dinge des Lebens. Heute über ein vielversprechendes Arrangement.
1. April 2026 — Dagmar Schräder
Bald ist Ostern. Was liegt da näher, als einen Frühlingstext zu verfassen? Etwas, das Hoffnung macht und das Herz erwärmt – irgendwas mit Natur, Blümchen und vor allem: Eiern? Wie es der Zufall so will, habe ich da doch glatt ein kleines Anekdötchen auf Lager. Denn meine Hennen, neben dem Hasen die Hauptprotagonistinnen in punkto Frühlingsfest, sind im Moment ausserordentlich fleissig. Das schöne Wetter und die angenehmen Temperaturen scheinen die Ladies zu motivieren, ihre Produktion so richtig anzukurbeln.
Für mich ist deshalb jetzt schon ein wenig Ostern: Tagtäglich spaziere ich über meinen Hühnerhof und entdecke in immer wieder neuen Verstecken liebevoll drapierte Eier. Und weil ich meistens etwas im Stress bin, packe ich diese in der Regel in einen Karton und deponiere sie in meinem kleinen Häuschen, bis ich sie in aller Ruhe nach Hause transportieren kann. In jüngster Zeit aber geschehen merkwürdige Dinge auf dem Hof: Mehrmals bereits kam ich abends auf den Hof, um die Eier abzuholen, doch diese waren weit und breit nicht aufzufinden.
Zu Beginn hielt ich mich für bescheuert und sah es als ein weiteres Symptom meines Alterungsprozesses. Doch dann kam der Abend, an dem ich einen frischen Tatort vorfand: Der Eierkarton lag auf dem Boden, zwei, drei angeknackste Eier waren noch vorhanden, daneben ein Haufen Schalen und Eiermatsche. Ein Dieb war hier am Werk gewesen! Mein erster Verdacht fiel auf die beiden Katzen, die dort ihr Domizil haben. Doch deren Interesse an vegetarischer Ernährung tendiert gegen Null. Vielleicht war einer der mich begleitenden Hunde in einem unbeobachteten Moment mit seiner dicken Nase ja rein «zufällig» an den Eierkarton geraten?
Diese Variante erschien mir bedeutend wahrscheinlich, vor allem aufgrund der Tatsache, dass sich die Hunde mit Begeisterung auf die Eierpampe stürzten, sobald sie diese erblickten. Ich sah sie tadelnd an, sparte mir aber vorerst meine Moralpredigt. Im Zweifel für die Angeklagten. Das war eine gute Entscheidung. Denn am nächsten Abend wiederholte sich der Vorfall. Dieses Mal aber hatten die Hunde ein lupenreines Alibi, weil sie den Stall genauso nichtsahnend wie ich betraten. Da mussten also andere Mächte am Werk sein.
Und siehe da, ein paar Tage später konnte ich den Übeltäter auf frischer Tat ertappen: Es war der Fuchs. Voll dreist schlich der sich da, noch bei Tageslicht, in mein Häuschen und bediente sich. Als ich mit den Hunden ankam, schaute er zwar ertappt, hatte es aber nicht besonders eilig, den Tatort zu verlassen. Gemütlich trottete er davon, eine Eierschale hing ihm noch aus dem Mundwinkel. Ganz schön unverschämt. Ich war verärgert, schliesslich wurde hier mein Besitz geschröpft.
Dann aber revidierte ich meine Meinung: Eigentlich war es dem Fuchs hoch anzurechnen, dass er nicht mal den Versuch unternahm, sich an den Hennen zu vergreifen und sich stattdessen mit ihren Erzeugnissen begnügte. Wer weiss, vielleicht fühlt er sich bei mir ein wenig wie zuhause und akzeptiert die Hennen als Teil seines Reviers? Etwas menschlich gedacht, ich weiss. Aber das wäre doch eine wunderschön-versöhnliche Pointe: Osterfrieden über die Artgrenzen hinweg. Dafür bin ich gerne bereit, mit Reineke zu teilen.





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