Dagmar schreibt: Schönes Wetter heute!

Unsere Redaktorin Dagmar Schräder schreibt über die grossen und kleinen Dinge des Lebens. Heute über ein ­Allerweltsthema.

Foto: dad

Ja, ich weiss, langweiliger als mit diesem Spruch kann man eine Konversation nicht beginnen. Es gibt nichts Öderes, als über das Wetter zu sprechen. Weil man es ja sowieso nicht ändern kann. Doch genau das ist der Grund, weswegen ich jetzt, man möge es mir verzeihen, trotzdem mal wieder darüber schreibe.

Dieses Mal aber geht’s mir gar nicht um Schneemangel und Klimawandel, sondern ganz unpolitisch einfach um das aktuelle Wetter. Um den Regen. Denn dieses bescheuerte, ewige Geniesel, Getropfe, Geprassel und Gestürme beförderte mich die vergangenen zwei Wochen regelmässig an den Rand eines Nervenzusammenbruchs.

Nicht nur, weil ich jedes Mal, wenn ich rausging, nachher völlig durchnässt nach Hause kam. Auch nicht nur, weil ich in den letzten Wochen so oft wie noch nie meinen Fussboden feucht aufnehmen musste, nachdem die Hundepfoten ihn nach jedem Spaziergang mit ihren erdigen Abdrücken verziert hatten.

Nicht einmal deswegen, weil es das Ferienprogramm mit meinem jüngsten Sohn deutlich erschwerte, wenn man ihn nur gegen Bestechung vor die Türe jagen konnte.

Sondern vor allem wegen diesem elenden Schlamm, der sich auf meinem Hühnerhof gebildet hatte. Nach 15 Tagen Regen und rund 60 (dreissig mal zwei) Hühnerfüssen, 10 Enten – und vier Gänsefüssen, die täglich das Gebiet durchstreiften, war der Boden hier kaum noch zu betreten. Woodstock muss dagegen die reinste Wüste gewesen sein.

Selbst mit den dicksten Schuhen blieb ich regelmässig im schmatzenden Schlamm stecken und musste auf einem Bein balancierend versuchen, den zweiten Schuh wieder aus der Pampe zu befreien. Auch meine sonst blütenweissen Hennen waren nicht mehr als solche zu identifizieren und die Salatblätter, die ich ihnen zum Schnabulieren zuwarf, versanken innerhalb von Minuten unwiederbringlich im braunen Sumpf.

Mein Mitleid mit den bedauernswerten Tieren wuchs täglich. Jeden Abend versprach ich ihnen für den nächsten Morgen besseres Wetter. Aber stets musste ich sie enttäuschen. Das sorgte dafür, dass ich von Mal zu Mal grantiger wurde. Sobald ich das Grundstück betrat, sackte meine Laune in den Keller. Gerne und oft klagte ich allen, die es hören wollten oder auch nicht, mein Leid – ziemlich lauthals sogar.

Bis ich mich eines Besseren besann. Denn erstens, wie gesagt, ändert sich ja eh nichts. Zweitens fiel mir auf, dass es bestimmt vielen Menschen auf dieser Welt so geht, dass sie das Wetter verfluchen. Aber nicht aus so Luxusgründen wie ich, die nach jedem Hühnerbesuch ein Vollbad in der gemütlich geheizten Wohnung nehmen kann. Sondern weil ihre Existenz davon abhängt, dass das Getreide genug Regen erhält, ihre Früchte nicht erfrieren oder die Parasiten nicht die ganze Ernte wegfressen.

In solchen Situationen fühlt man sich wahrscheinlich wirklich hilflos ausgeliefert. Was habe ich überhaupt für einen Grund zum Jammern? Ein bisschen mehr Demut vor dem Leben und der Natur, das stünde mir gut.

Also schluckte ich den Ärger die letzten paar Tage hinunter und versuchte, die Situation ebenso stoisch auszusitzen wie meine gefiederten Freunde. Und siehe da, es klappte erstaunlich gut. Allerdings, ich gebe es zu, unter anderem deswegen, weil nun doch so etwas wie Frühling über mich und meine Hühner hereingebrochen ist.

Da herrscht urplötzlich wieder eitel Sonnenschein auf meinem kleinen Hof – und in meinem Herzen.

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