Quartierleben
«Offener Kleiderschrank» im Rütihof: Bringt her eure Kleider!
Madame Frigo beim GZ Höngg im Rütihof hat Gesellschaft erhalten: Der neue Nachbar ist ein Kleiderschrank, der dem Kleidertausch dient. Dahinter steht der Verein ReFashion.
2. Oktober 2026 — Dagmar Schräder
Ja, ist denn schon Advent? Wenn man im Rütihof beim GZ vorbeiläuft, könnte man fast diesen Eindruck gewinnen. Denn es gibt hier immer mehr Türchen zu öffnen. Zum leuchtend gelben Madame Frigo hat sich in den letzten Wochen noch ein grüner Schrank dazugesellt. «Offener Kleiderschrank» steht darauf und wer ihn öffnet, findet darin eine Vielzahl an Kleidungsstücken, ordentlich gefaltet und sortiert. Hier dürfen sich, wie beim Madame Frigo, alle bedienen: Wer gut erhaltene Kleidungsstücke abzugeben hat, kann sie in diesen Schrank geben, wer auf der Suche nach etwas Neuem ist, kann sich mitnehmen, was er/sie braucht.
Aufgestellt wurde er von Solène Schaub und Pascal Linder und ihrem Verein ReFashion. Bereits vor drei Jahren haben die beiden während ihres Studiums damit begonnen, in Zürich öffentliche Kleiderschränke aufzustellen. Die Idee dazu war Schaub während eines Austauschs in Wien gekommen, wo dieses Angebot an der Universität bereits gut ausgebaut ist. Auch in Zürich sollte, so wünschten sich die beiden, ein solches Projekt Schule machen. Sie gründeten ReFashion, eine zunächst lose Gruppe Studierender, die den Tausch von Kleidern zu organisieren begann.
Gestartet wurde mit einem ersten Kleiderschrank bei der Polyterrasse der ETH. Gleichzeitig begannen sie damit, Events zu organisieren, an denen man Kleider tauschen konnte. Bald kam ein zweiter Schrank beim Campus Irchel hinzu. Und als sie schliesslich in diesem Jahr ihr Studium abschlossen – Schaub im Bereich von Umwelt- und Naturwissenschaften, Linder als Informatiker – stellte sich die Frage, wie das Projekt weitergehen könnte.
Aufhören war keine Option: «Unser Anliegen war es, aus der Uni rauszugehen und das Projekt weiterzutragen», erklärt Solène. So eröffneten sie einen dritten Schrank beim «Parki» an der Limmat – und schliesslich den vierten im Rütihof. Den Standort Höngg wählten sie aus gutem Grund: Beide kennen Höngg gut – Linder lebt hier im Quartier, Schaub war früher ebenfalls hier wohnhaft. Da lag es nahe, sozusagen «vor der Haustüre» fortzufahren. Mit dem Projekt gelangten sie ans GZ Höngg, das ihnen den Standort im Rütihof zur Verfügung stellte.
Alles in Eigeninitiative
Und nun steht er dort. Die Schränke, so erklären die beiden, würden sie jeweils selbst besorgen. «Wichtig ist uns, dass es sich um Secondhand-Möbel handelt.» Bemalt und ausstaffiert werden sie dann in Handarbeit, mit einem QR-Code und dem Hinweis auf den Verein versehen. Ganz allein müssen die beiden das Unterfangen allerdings nicht mehr stemmen: ReFashion ist mittlerweile ein Verein mit vier Vorstandsmitgliedern und rund zehn Freiwilligen. Finanziert wird er aus privaten Geldern und einem Teil von Mitgliedsbeiträgen. Über ein Förderprogramm der Stadt hat er zudem im letzten Jahr eine einmalige Unterstützungszahlung erhalten.
Was aber unterschiedet ihr Angebot von den Kleidercontainern, die der Sammlung von Textilien dienen? «Uns ist es wichtig, eine Alternative zu den grossen Kleidersammelstellen anzubieten. Denn dort werden sehr grosse Mengen an Kleidern abgegeben, deren Sortierung und Verteilung in der Schweiz allein gar nicht zu bewältigen ist.» Tatsächlich verbleibt nur ein sehr geringer Prozentsatz der Kleidungsstücke in der Schweiz – wo genau die Kleider aber schliesslich landen, ist oft intransparent.
ReFashion sei es dagegen ein Anliegen, dafür zu sorgen, dass die Bekleidung möglichst im Quartier bleiben kann. Dadurch würden lokale Kreisläufe geschaffen, Ressourcen geschont und CO2-Emissionen eingespart. Und gleichzeitig, so Schaub und Linder, wollen sie mit dem Projekt auch für einen bewussteren Umgang in punkto Kleiderkauf und -verbrauch sensibilisieren.
Es geht weiter
Bis jetzt läuft das Projekt sehr gut. Im Rütihof hat sich der Schrank bereits kurz nach dem Aufstellen gefüllt. Zweimal wöchentlich wird er von Freiwilligen kontrolliert. Dabei werden Kleidungsstücke, die untragbar sind, entsorgt. Damit der Schrank nicht überquillt, werden auch Textilien, die über längere Zeit keine Abnehmer finden, von den Verantwortlichen ebenfalls entnommen – und anderweitig verteilt.
Mit den vier Schränken sei die Arbeit aber noch nicht getan, sagen Schaub und Linder. Bald wird in Opfikon ein weiteres Exemplar aufgestellt werden. Und auch darüber hinaus möchten die beiden das Angebot gerne weiter ausbauen. «Unsere Vision ist, dass in Zürich alle Zugang zu unserem Angebot haben», erklären sie.





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