Quartierleben
Abschied von Rolf Kuhn-Wyrsch: ein Nachruf
Ende März ist der ehemalige Höngger Gemeinderat Rolf Kuhn-Wyrsch kurz vor Vollendung seines 73. Lebensjahres nach schwerer Krankheit verstorben. Der Sozialdemokrat gehörte von 1990 bis 2009 als Vertreter des Kreises 10 dem Zürcher Gemeinderat an und engagierte sich immer wieder für Quartieranliegen.
9. April 2026 — Redaktion Höngger
Von Benedikt Gschwind
Rolf Kuhn-Wyrsch wurde 1953 im Quartier Wiedikon geboren und wuchs in einer Metzgerfamilie auf. Während seiner Mittelschulzeit und später an der Universität Zürich, wo er Englisch und Französisch studierte, prägten ihn die Studentenproteste Ende der 1960er-Jahre stark. Nach längeren Aufenthalten in den USA und Frankreich nahm er wieder Wohnsitz in Zürich, zunächst im Kreis 7, wo er der örtlichen SP-Sektion beitrat.
Er engagierte sich in dieser Zeit auch in der Anti-AKW-Bewegung. Anfang der 1980er-Jahre zog er nach Höngg, wo er für den Rest seines Lebens mit seiner Familie wohnte und sich aktiv in der SP Zürich 10 engagierte. Beruflich war er als Mittelschullehrer hauptsächlich für Englisch tätig.
1990 wurde er in den Zürcher Gemeinderat gewählt. Er konnte für den zum Stadtpräsidenten gewählten Josef Estermann nachrücken. Es war eine Zeit, in der die städtischen Finanzen knapp waren und nebst der akuten Drogenszene Sparpakete die Lokalpolitik dominierten.
Ihm war es ein Anliegen, dass die Stadt trotz diesem Druck sozial bleibt, konkret etwa bei den Taxen in den Altersheimen oder den Anstellungsbedingungen des städtischen Personals. Viele Vorstösse widmete er grünen Themen, so für die Förderung des öffentlichen Verkehrs. Er engagierte sich für die Schliessung von Lücken im Busnetz. So gab es in seiner Amtszeit verschiedene Verbesserungen für das Rütihofquartier.
Weiter war ihm hauptsächlich aus Gründen der Sicherheit für die Fussgänger*innen und für den Lärmschutz Tempo 30 wichtig. Beim im Jahre 2000 eingeweihten Schulhaus Am Wasser setzte er sich erfolgreich für eine Wechselsignalisation für Tempo 30 ein. Damals galt dies noch nicht an dieser Strasse.
Überhaupt war ihm die Bereitstellung von genügend Schulraum in Höngg mit seinem Bevölkerungswachstum ein Anliegen. So nahm das Schulhaus Rütihof im Jahre 1994 seinen Betrieb auf.
Seinem Engagement für die Natur konnte Rolf Kuhn-Wyrsch auch nach seinem Rücktritt aus dem Gemeinderat nachgehen. Als Vizepräsident des Vereins Pro Uetliberg setzte er sich für ein ruhiges und naturnahes Erholungsgebiet ein und eine Limitierung der kommerziellen Nutzungen auf dem Zürcher Hausberg.
Der Quartierzeitung «Höngger» war er immer verbunden. Der aufmerksame Flaneur publizierte nicht nur viele quartierpolitische Stellungnahmen, sondern setzte sich 2002 nach dem unternehmerischen Rückzug der Gebrüder Egli für die neu gegründete Stiftung als Herausgeberin ein und beteiligte sich am Stiftungskapital.
Wir werden ihn persönlich und sein Wirken liebevoll in Erinnerung behalten.





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