Gegen Littering? Nein: Für das Aufheben

Während viele über Littering sprechen, interessiert sich Felix Treibmann für das Gegenteil: Für Menschen, die unterwegs freiwillig fremden Abfall aufheben. Mit Befragungen an verschiedenen Orten, so auch in Höngg, will er zeigen, dass dieses Verhalten weit verbreitet ist.

Ein aktuelles Leserbild vom Käferberg: So viel Abfall, dass selbst engagierte Personen an ihre Grenzen geraten. (Foto: zvg)

Wer über Abfall im öffentlichen Raum spricht, erwähnt meist jene Personen, die ihn liegen lassen. Felix Treibmann richtet den Blick aber auf jene, die ihn aufheben. Seit mehreren Jahren befragt er Menschen in der Schweiz und in Deutschland zu ihrem Umgang mit herumliegendem Abfall. Die Initiative trägt den Namen «Abfall als Chance».

Der Anstoss dazu kam 2019: Treibmann, der sich beruflich mit Fragen der Governance und der Organisationsentwicklung beschäftigte, las einen Zeitungsartikel über die Vermüllung öffentlicher Räume. Darin wurden verschiedene Massnahmen gegen Littering erwähnt: etwa Bussen, Reinigungsdienste und organisierte Aufräumaktionen.

Eine Gruppe fehlte ihm jedoch: «Ich dachte: Die gibt es doch auch», sagt Treibmann. Gemeint sind Menschen, die unterwegs spontan ein Stück Abfall aufheben und entsorgen, ohne dass dies jemand bemerkt oder organisiert. Nach eigenen Angaben hat er seither mehr als 2000 Passantinnen und Passanten befragt sowie rund 50 vertiefte Interviews geführt. In Gemeinden, Institutionen und Betrieben. Die Gespräche fanden an unterschiedlichen Orten statt und die Resultate ähneln sich überraschend stark.

Auch in Höngg: Als Treibmann am vergangenen Donnerstag auf dem Meierhofplatz 30 Personen befragte, sagten 27 von 28, sie würden mindestens einmal im Jahr fremden Abfall aufheben. Auch beim Aussichtspunkt Waid fiel das Ergebnis deutlich aus: 91 Prozent der Befragten erklärten, spontan Abfall aufzunehmen.

Unterschiedliche Beweggründe

Die Beweggründe fallen unterschiedlich aus: Manche fühlen sich durch herumliegenden Abfall gestört und möchten die Situation verbessern. Andere sprechen von der Verantwortung gegenüber der Umwelt oder von der Rücksicht auf Tiere. Wieder andere möchten der Stadtreinigung, helfen.

Ein weiterer Aspekt taucht in den Gesprächen immer wieder auf: das persönliche Empfinden. Viele Befragte berichten, dass sie sich nach dem Aufheben eines Abfallstücks besser fühlen als zuvor. «Wo Menschen Abfall aufheben, entsteht auch eine Verbindung zum Ort», sagt Treibmann.

Besonders interessiert Treibmann die Diskrepanz zwischen Verhalten und Wahrnehmung. Viele Personen würden selbst gelegentlich Abfall aufheben, gleichzeitig aber glauben, dass dies nur wenige andere tun. «Die Menschen sind oft überzeugt, dass die anderen das nicht machen», sagt er. «Dabei zeigen die Befragungen etwas anderes.»

Immer wieder werde er auch gefragt, ob die Befragten die Wahrheit sagen. Treibmann bestreitet nicht, dass dies vorkommen könnte. Deshalb arbeitet er mit unterschiedlichen Fragestellungen und vergleicht die Antworten miteinander.

Kein Randphänomen

Für ihn bleibt die zentrale Erkenntnis bestehen: Das Aufheben von Abfall ist kein Randphänomen. Viele Menschen tun es, sprechen aber kaum darüber. Dabei versteht er seine Arbeit ausdrücklich nicht als Beitrag zur Bekämpfung von Littering. «Ich beschäftige mich nicht mit den Leuten, die Abfall fallen lassen», sagt er. «Mich interessiert, warum Menschen ihn aufheben.»

Darin liege auch die «Chance» seiner Initiative. Nicht in zusätzlichen Vorschriften oder Appellen, sondern in zusätzlicher Wahrnehmung von alltäglichen Wegen. Sein Anliegen ist es, sichtbar zu machen, wie viele Menschen sich im Kleinen engagieren. Er ist überzeugt, dass diese mit ihren Gedanken und Gefühlen mehr Aufmerksamkeit verdienen.

Ein einfacher Trick

Hygienebedenken halten viele Menschen davon ab, Zigarettenstummel aufzuheben. Felix Treibmann empfiehlt deshalb Scheiben von leeren Toiletten- oder Küchenpapierrollen als Klemmhilfe zu nutzen. Damit lassen sich die Stummel berührungsfrei aufnehmen und entsorgen. Danach wandert auch das Stück Karton in den Abfalleimer.

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