Politik
Soll das VBZ-Abo 365 oder 602 Franken kosten?
Der Stadtrat hat eine konkrete Vorlage zur Umsetzung der Volksinitiative für ein 365-Franken-ÖV-Abo ausgearbeitet. Die SP als Initiantin der Initiative ist damit jedoch nicht einverstanden.
30. September 2026 — MM (Medienmitteilung)
Am 28. September 2025 nahm die Stadtzürcher Stimmbevölkerung die von der SP lancierte Volksinitiative «VBZ-Abo für 365 Franken» an, die eine Vergünstigung für das Jahresabonnement der Zone 110 verlangt. Erwachsene sollen neu noch 365 Franken, Kinder und Jugendliche 185 Franken für das Abo bezahlen.
Die Initiative ist, wie die Stadt in einer Medienmitteilung betont, als allgemeine Anregung formuliert und beinhaltet keinen konkreten Umsetzungsvorschlag oder Angaben zur Kostenfolge für die Stadt Zürich. Nun hat der Stadtrat eine Umsetzungsvorlage zur Volksinitiative ausgearbeitet.
Die Tarifhoheit innerhalb des Verbundgebiets des öffentlichen Verkehrs im Kanton Zürich liegt beim Zürcher Verkehrsverbund (ZVV). Das vergünstigte Abonnement wird daher nicht in Form eines neuen Produkts eingeführt, sondern als Rabatt auf verschiedene bestehende persönliche Jahresabonnemente.
Rahmenbedingungen für die Vergünstigung
Folgende Eckpunkte und Rahmenbedingungen sind für die Vergünstigung des öV-Jahresabonnements vorgesehen:
Anspruchsberechtigt für vergünstigte öV-Abonnemente sind Personen mit melderechtlichem Hauptwohnsitz in der Stadt Zürich.
Vergünstigt werden Jahresprodukte der Zone 110, die der täglichen Grundmobilität dienen sowie das Generalabonnement.
Für die Vergünstigung kommt ein Gutscheincode zur Anwendung. Dieser kann auf diversen digitalen und analogen Verkaufskanälen für den Kauf eines persönlichen Abonnements mit Jahrescharakter eingelöst werden.
Die öV-Vergünstigung für Beziehende von Zusatzleistungen (ZL) besteht weiterhin. ZL-Bezüger*innen steht es somit frei, ob sie von der bisherigen oder von der Vergünstigung der vorliegenden Vorlage profitieren wollen. Eine Kumulation der beiden Rabattierungen ist nicht möglich.
Der Stadtrat definiert die Einzelheiten in Ausführungsbestimmungen.
Die Kosten
Der Stadtrat geht nicht von einer Nutzungsquote in vollem Umfang aus. Wie in der Abstimmung zur Volksinitiative ausgeführt, rechnet er daher mit Kosten von rund 140 Millionen Franken pro Jahr.
Weil jedoch sichergestellt werden muss, dass jede anspruchsberechtigte Person die Vergünstigung auch erhalten könnte und ausserdem das erwartete Bevölkerungswachstum berücksichtig werden muss, beantragt er die jährlichen Kosten von 195 Millionen Franken.
Bei schlechter städtischer Finanzlage soll der Stadtrat die Kompetenz erhalten, die Vergünstigung an das öV-Jahresabonnement zu reduzieren: Wenn die Rechnung der Stadt im vorangehenden Jahr ein Defizit von mehr als 100 Millionen Franken aufweist, können die Beiträge jeweils für ein Kalenderjahr um bis zu 50 Prozent reduziert werden. Über Kürzungen von mehr als 50 Prozent entscheidet der Gemeinderat.
Wissenschaftliche Begleitung und neue Volksabstimmung
Die Einführung der vergünstigten öV-Jahresabonnemente soll wissenschaftlich begleitet werden. Insbesondere die Wirkung auf die Nutzung des öV und der Einfluss auf die Qualität des öV-Angebots sollen untersucht werden.
Der Gemeinderat hat nun ein Jahr Zeit, über den Antrag zu beschliessen. Der vorliegende Antrag in Form eines Ausgabenbeschlusses mit neuen, wiederkehrenden Ausgaben von jährlich 195 Millionen Franken verlangt eine erneute Volksabstimmung.
Bei einer Annahme der Umsetzungsvorlage durch die Stimmbevölkerung könnte die Vergünstigung der öV-Jahresabonnemente frühestens auf Frühling 2028 eingeführt werden.
Die Reaktion der SP
Die SP, welche die Volksinitiative lanciert hat, übt Kritik an der Umsetzunsgvorlage. Die Partei berechnete denn auch den «neuen» Preis für ein VBZ-Jahresabo: «Der zuständige Stadtrat Michael Baumer missachtet diesen klaren Entscheid mit seinem vorgeschlagenen 602-Franken-Abo», wie es in der entsprechenden Medienmitteilung heisst.
Und weiter: Der ZVV plant, die öV-Ticketpreise per Dezember 2026 erneut stark zu erhöhen. «Das geht in die völlig falsche Richtung», sagt Oliver Heimgartner, Präsident der SP Stadt Zürich. «Andere Länder und Städte in Europa zeigen, wie erfolgreich günstige öV-Angebote für die ganze Bevölkerung sind. Zürich muss jetzt nachziehen – und sicher nicht dort sparen, wo endlich mal etwas dem Mittelstand zugute kommt.»
Quelle: Medienmitteilung Stadt Zürich / Medienmitteilung SP Stadt Zürich





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