Quartierleben
Abstimmungsvorlage: Verdichtung oder Verdrängung?
Die Hochhausrichtlinien sind seit geraumer Zeit ein Streitpunkt der Lokalpolitik. Am 27. September kommt es nun erneut zur Abstimmung über die Hochhäuser.
10. September 2026 — Dagmar Schräder
Hochhäuser in der Zürcher Skyline, das ist für viele ein No-Go. Doch mehr – bezahlbare – Wohnungen, möglichst in der Innenstadt zu schaffen, das ist auf der anderen Seite ein dringendes Anliegen all jener, die auf Wohnungssuche sind. Gleichzeitig ist der Bedarf an Grünflächen zwischen Betonwüsten gross, insbesondere auch nach den Erfahrungen dieses Sommers.
Doch wie lassen sich all diese Anliegen vereinen? Dienen hohe Bauten überhaupt der Verdichtung? Oder sind sie eher Elemente der Verdrängung, weil sie kostengünstigen Wohnraum durch teureren ersetzen, ohne wirklich mehr Wohnungen zu kreieren? Darüber streitet die Politik seit geraumer Zeit und auch der «Höngger» berichtete bereits mehrfach über die Diskussion.
Im Jahr 2024 legte der Stadtrat in diesem Zusammenhang dem Gemeinderat eine Revision der bisher geltenden Hochhausrichtlinien aus dem Jahr 2001 vor, die den Bau von Hochhäusern in der Stadt Zürich regulieren (wir berichteten).
Im Vergleich zu den alten Richtlinien wurden bei der Revision nicht nur die Anforderungen an Hochbauten angepasst, sondern insbesondere auch die Zonen, auf denen hohe Bauten möglich sind. Diese Gebiete wurden neu definiert und in Zonen von 40, 60 und 80 Meter-Bauten aufgeteilt.
Gemeinderat lehnt neue Richtlinien ab
Der Gemeinderat störte sich bei seiner Überprüfung jedoch an den neuen Richtlinien. Dabei stiessen vor allem die vom Stadtrat geplanten Zonen für die 40 Meter-Hochhäuser, die Teile von Altstetten, Albisrieden und Wiedikon sowie Affoltern, Oerlikon und Schwamendingen umfassen sollten, auf Widerstand.
In der Folge wurde von der SP, der AL, den Grünen und der SVP eine «Teilrevision» vorangetrieben, in der diese Gebiete weitestgehend wieder aus den Richtlinien gestrichen wurden. Gegen die Teilrevision wiederum ergriffen FDP, GLP und Mitte ihrerseits das Parlamentsreferendum, weswegen die Entscheidung nun schlussendlich beim Volk liegt.
Abgestimmt wird am 27. September nun über den Vorschlag des Gemeinderats sowie den Gegenvorschlag des Stadtrats. Werden beide Vorschläge an der Urne verworfen, bleibt alles beim Alten.
AL, Grüne, SP und SVP ziehen an einem Strang
Interessant ist dabei, dass sich im Gemeinderat eine ungewöhnliche Allianz zwischen AL, SP, Grünen und der SVP gebildet hat, die gegen die Richtlinien des Stadtrats vorgeht. Denn, wie die Grünen Kreis 6 und 10 in ihren Abstimmungsparolen erklären, entstehe durch Hochhäuser «keine einzige zusätzliche Wohnung», da der Wohnraum aufgrund der Ausnützungsziffer zwar in die Höhe gestapelt, aber nicht vermehrt werden dürfe. Der Gemeinderatsvorschlag reduziere die Hochhausgebiete daher «auf ein vernünftiges Mass».
«Hochhäuser sind teuer und umweltbelastend», ist auch die Meinung der AL Kreis 6 und 10, weswegen sie ebenfalls den Vorschlag des Gemeinderats befürwortet. Die lokale SP äussert Bedenken, dass die Vorlage des Stadtrats «keine Rücksicht auf die Quartierstruktur» nehme und zu einer «weiteren Verdrängungswelle» führe, wohingegen der Gemeinderatskompromiss dafür sorge, dass Hochhäuser dort entstehen, «wo sie städtebaulich sinnvoll und sozialverträglich sind».
Und die SVP ist der Meinung, dass Hochhäuser weniger Wohnfläche böten, «weil ein Hochhaus mehr Nebenflächen hat, die bei der Ausnützungsziffer auf Kosten der Wohnfläche gehen». Wichtig für Höngg und Wipkingen, so die SVP, sei in diesem Zusammenhang, dass die Gemeinderatsvorlage die Hochhauszone am Südufer der Limmat, angrenzend an die Überbauung beim Tramdepot Hard, gestrichen habe.
Gemeinderat verkompliziert das Bauen
Befürworter des Vorschlags des Stadtrats sind dagegen die GLP, Die Mitte und die FDP. Denn die Vorlage des Stadtrats schaffe, so die GLP Kreis 6 und 10, «mit gezielten Hochhaus-Clustern dringend benötigten Wohnraum und erhält zugleich wertvolle Freiräume», was der Vorschlag des Gemeinderats nicht ermögliche.
Die FDP Kreis 10 befürwortet, dass der Stadtrat die Hochhauszonen in Quartieren wie Altstetten und Oerlikon erhalten wolle und zusätzlich neue Gebiete mit Hochhäusern bis zu 40 Metern schaffe wolle. Dadurch lasse sich «Wohnraum und Grünraum» kombinieren. Die Mehrheit des Gemeinderats hingegen wolle «kaum in die Höhe bauen», was zur Folge habe, dass «man sich zwischen Wohnraum und Grünraum entscheiden» müsse.
Und für die Mitte stimmt die Regelung des Stadtrats, der strengen Anforderungen genüge, «Hanglagen und Quartiererhaltungszonen» ausschliesse und sich auf Bauten bis zu 40 Metern konzentriere. Der Vorschlag des Gemeinderats hingegen «streicht geeignete Standorte, führt zusätzliche Auflagen ein und verkompliziert das Bauen.»
Am 27. September nun liegt die Entscheidung in dieser Frage beim Zürcher Stimmvolk. Ausdiskutiert wird das Thema aber auch danach noch lange nicht sein.





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