Quartierleben
Kantorei Höngg: «Die Verbindung zur Kirche bleibt»
Igor Marinković ist seit Januar der Kantor im Kirchenkreis zehn. Im Gespräch erzählt der Tenor und Dirigent unter anderem, weshalb aus dem reformierten Kirchenchor Höngg nun die Kantorei Höngg wurde.
9. September 2026 — Daniel Diriwächter
Igor Marinkovic, Sie sind seit Januar Kantor in Höngg. Haben Sie sich gut eingelebt?
Ja, sehr. Früher arbeitete ich in einer kleineren Gemeinde im Kanton Schaffhausen. In Zürich läuft vieles anders, und es braucht Zeit, die Menschen und meine Aufgabe im Kirchenkreis zehn kennenzulernen. Aber ich bin gut angekommen.
Der reformierte Kirchenchor Höngg heisst neu Kantorei Höngg. Wie kam es dazu?
Eine meiner ersten Aufgaben war, zu überlegen, wie wir den Chor weiterentwickeln und zeitgemäss präsentieren können. Gleichzeitig erhielt die reformierte Kirche Zürich und damit auch unser Kirchenkreis zehn einen neuen Internetauftritt. Der bisherige Name war für das neue Erscheinungsbild sehr lang, zudem hatte der Chor bisher kein eigenes Logo. Im Austausch mit dem Vorstand entstand so die Idee der Kantorei Höngg. Dieser Name wurde schon früher einmal diskutiert. Für mich war wichtig, dass die Verbindung zur Kirche bleibt: Eine Kantorei steht für Kirchenmusik. Der Name ist kurz, klar und zeigt sofort, zu welchem Chor man gehört.
Ändert sich mit dem Namen auch musikalisch etwas?
Das bestehende Jahresprogramm mit den Gottesdiensten und vielen Auftritten führe ich vorerst weiter. Der Chor freut sich auf diese Aufgaben. Natürlich bringe ich nach und nach eigene Ideen und vielleicht auch ein etwas anderes Repertoire ein: modernere Rhythmen, fremde Sprachen oder Harmonien, die eher in Richtung Jazz gehen. Eine Kantorei muss vielseitig sein. Sie gestaltet Gottesdienste, unterstützt die Gemeinde beim Singen und kann auch konzertante Werke aufführen. Diese Flexibilität unterscheidet sie von einem Chor, der sich nur auf eine bestimmte musikalische Richtung konzentriert.
Wie wählen Sie das Repertoire aus?
Ich höre sehr viel Musik und notiere mir Stücke, die mich begeistern. Dann überlege ich: Passt das zu diesem Chor? Ist die Besetzung möglich? Und natürlich muss Kirchenmusik auch zum Kirchenjahr und zu den jeweiligen Themen passen. Bei der Jahresplanung tausche ich mich mit dem Vorstand und dem Chor aus. Ich bin noch dabei, herauszufinden, welche Stücke in Höngg besonders geschätzt werden – vom Chor, von der Gemeinde und natürlich vom Publikum.
Sie sind selbst Tenor und waren lange als Gesangslehrer und Chorleiter tätig. Werden wir Sie auch selbst in der Kirche singen hören?
Früher unterrichtete ich viel am Konservatorium Zürich, arbeitete als Gesangslehrer und Chorleiter und dirigierte Ensembles. Das war zeitlich sehr anspruchsvoll. Nun habe ich wieder mehr Raum für die eigene Stimme und für solistische Auftritte. Am Wümmetfäscht gestalte ich mit unserer Organistin Tamar Midelashvili Good ein Konzert in der Kirche. Und ich plane einen besonderen Abend in der Kirche: Das Publikum darf bei mir A-cappella-Volksmusik aus verschiedenen Ländern und verschiedenen Sprachen hören.
Was motiviert Sie an der Arbeit mit Menschen und Musik besonders?
Die Motivation ist für mich vor allem die Arbeit mit anderen Menschen. Die Menschen kennenzulernen, sie für Musik zu begeistern und ihnen zu ermöglichen, Emotionen zu zeigen – das bewegt mich. Wir sprechen oft über Gefühle, zeigen sie aber nicht immer gern. Musik kann dafür einen Boden schaffen, ganz unabhängig von Stil oder Besetzung. Musik bedeutet auch Freiheit.
Was verstehen Sie unter dieser Freiheit?
Musik darf unperfekt sein. Sie ist ein Moment in der Zeit, der vorbeigeht und nie wiederkommt. Für mich ist sie aber ein perfekter Moment. Jeder Mensch spürt und gestaltet Musik anders. Deshalb gibt es keine perfekte Aufnahme, keinen perfekten Sänger, keine perfekte Pianistin und keinen perfekten Dirigenten. Aber es gibt diesen einen besonderen Moment.
Zu guter Letzt: Wie wird man Teil der Kantorei Höngg?
Ganz einfach: Wir proben jeden Donnerstag um 20 Uhr im reformierten Kirchgemeindehaus Höngg. Man darf einfach vorbeikommen. Eine Anmeldung ist nicht zwingend nötig, auch wenn man sich natürlich gerne vorher bei mir melden kann. Mir ist wichtig, dass neue Sängerinnen und Sänger zuerst einige Proben miterleben und herausfinden können, ob es ihnen entspricht. Nicht jede Person muss gleich vorsingen und somit unter Druck stehen. Am besten sitzt man direkt im Chor, singt mit und lernt die Leute kennen. Mit der Zeit zeigt sich dann, ob es passt.
Kantorei Höngg
Unter der Leitung von Kantor Igor Marinković verbindet der gemischte Chor die reiche Erfahrung aus fast einem Jahrhundert Chorgeschichte mit frischer Energie. Das Repertoire reicht von zeitlosen Klassikern bis zu zeitgenössischen Werken, die der Chor in Gottesdiensten und beim alljährlichen Herbstkonzert in der Kirche Höngg zum Leben erweckt.





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