Quartierleben
Paula Uhlmann setzt auf Gastlichkeit
Seit August wirkt Paula Uhlmann im Kirchenkreis zehn als Pfarrerin. Sie feierte bereits den ersten Gottesdienst und war an den Gemeindeferien in Montmirail dabei. Künftig möchte Uhlmann Familien und Generationen zusammenbringen.
4. September 2026 — Jasmine Osterwalder
Die neue Pfarrerin Paula Uhlmann wohnt seit Anfang August in einer Pfarrwohnung in Höngg und arbeitet seither für den Kirchenkreis zehn, der neben Höngg auch Obereng-stringen und Wipkingen West umfasst. Noch befindet sie sich in der Einarbeitungsphase. Ihren ersten Gottesdienst in der reformierten Kirche Höngg hat Paula Uhlmann bereits gehalten. Das Thema: «Gastlichkeit».
Die 29-Jährige erlebte den Empfang als herzlich und kam beim anschliessenden Apéro riche mit verschiedenen Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch, wie sie dem «Höngger» sagt. Auch an den Gemeindeferien in Montmirail nahm sie teil und kam in Kontakt mit den 48 Teilnehmenden. Von Höngg ist Uhlmann aber schon jetzt begeistert. «Das Quartier ist ein wunderschöner Ort zum Leben und Arbeiten», sagt sie. Auch die Höngger Kirche gefällt ihr: «Man fühlt sich heimisch durch das Holz und die warme Atmosphäre.»
Vom Thurgau nach Zürich
Geboren wurde Uhlmann 1996 in Münsterlingen. Aufgewachsen ist sie im Thurgau, wo sie auch die Matura absolvierte. Danach studierte sie Theologie in Freiburg im Breisgau, Tübingen und Heidelberg. Die Entscheidung für das Theologiestudium hatte auch mit ihrer vielseitigen Neugier zu tun. Schon in der Schule interessierte sie sich für Psychologie, Geschichte, Sprachen und Philosophie. «Beim Fach Theologie stellte ich fest, dass sich alle meine Interessen und Leidenschaften aus der Perspektive des Christentums miteinander verbinden lassen», so Uhlmann.
Nach dem Studium absolvierte sie ihr Lernvikariat in der Region nördlich des Bodensees. Ab März 2025 arbeitete sie dort als Pfarrerin. Nun beginnt für sie ein neuer Abschnitt in Zürich. An ihrem Beruf schätzt sie besonders die Nähe zu den Menschen. Pfarrerinnen und Pfarrer seien bei wichtigen Momenten im Leben dabei, in schönen, aber auch in herausfordernden. Gleichzeitig werde unterschätzt, wie viel Arbeit hinter den Kulissen anfällt. Sitzungen, E-Mails und andere adminis-trative Aufgaben gehören ebenfalls zum Alltag. Und wenn sie nicht arbeitet, spielt Uhlmann Geige in einem Orchester. Ausgleich findet sie beim Wandern und Lesen. Halt geben ihr ihre Familie und Freunde sowie ihre Beziehung zu Gott.
Eine gastfreundliche Kirche
Mit ihrem Schwerpunkt auf Familien und Generationen knüpft Uhlmann an vieles an, was im Kirchenkreis zehn bereits besteht. Der Kirchenkreis versteht sich als Familien- und Generationenkirche und bietet verschiedene Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien an. Ein wichtiger Ort dafür ist das Haus Sonnegg, wo sich Menschen unterschiedlicher Generationen und Lebenswelten treffen.
Für Uhlmann ist genau diese Offenheit wichtig. Sie hat sich bewusst für das Konzept der «gastlichen Kirche» entschieden. Kirche soll laut Uhlmann nicht nur denjenigen offenstehen, die regelmässig Gottesdienste besuchen. Auch Menschen, die ihr distanzierter gegenüberstehen, sollen willkommen sein. Mit diese Haltung möchte sie sich ins Quartier einbringen. Die Kirche soll gut mit Vereinen und anderen Organisationen vernetzt sein und gemeinsame Angebote entwickeln, wie beispielsweise beim bevorstehenden Wümmetfäscht.
Eine Kirche im Wandel
Dass dies nicht selbstverständlich ist, weiss die neue Pfarrerin. Sie beginnt ihre Arbeit in einer Zeit, in der sich die reformierte Kirche Zürich verändert. Die Zahl der Mitgliedschaften sinkt und damit verändert sich auch der Spielraum der Kirche. Wie weitreichend dieser Wandel ist, zeigt die aktuelle Standortplanung der reformierten Kirchgemeinde Zürich. Sie verfügt über rund 40 Kirchen und 40 Kirchgemeindehäuser. Diese Infrastruktur ist auf eine Mitgliederschaft ausgerichtet, die laut Kirchgemeinde etwa viermal grösser war als heute.
Bis 2035 soll die genutzte Fläche deshalb um rund 30 Prozent reduziert werden. Die Säkularisierung beschäftigt Uhlmann deshalb: «Wie können wir den Glauben an Gott zeitgemäss leben und miteinander teilen?» Eine einfache Antwort darauf hat sie nicht. «Gegen den gesellschaftlichen Trend der Säkularisation kommt man nicht an. Wichtig dabei ist, trotzdem weiterzumachen und da zu sein für die Menschen, denen der christliche Glaube am Herzen liegt.» Auch personell steht die Kirche vor Herausforderungen. Es stehe eine grosse Pensionierungswelle bevor, erklärt Uhlmann. Der theologische Nachwuchs könne die Bedürfnisse nicht vollständig abdecken.
Trotzdem hält sie die Kirche weiterhin für wichtig. Sie verweist auf die Seelsorge, den Einsatz für das gesellschaftliche Wohlergehen und den Bildungsauftrag. Menschen sollten die Möglichkeit haben, sich mit unterschiedlichen Weltanschauungen auseinanderzusetzen und darin mündig zu werden. Gerade in Zürich, der Stadt der Reformation, gehöre die Kirche zum kulturellen Erbe.
Neues wagen, Bewährtes bewahren
Die Veränderungen verlangen für Uhlmann deshalb beides: Offenheit für Neues und den Mut, sich von Überholtem zu verabschieden. Sie spricht von «Exnovation», also der Bereitschaft, Dinge loszulassen, die nicht mehr so zentral sind. Von den Menschen in Höngg wünscht sie sich genau das: die Bereitschaft, Neues auszuprobieren und sich gleichzeitig von Altem zu verabschieden. Zudem appelliert sie an gegenseitige Offenheit und Freundlichkeit.
Uhlmann selbst will in ihrer neuen Aufgabe zunächst vor allem zuhören und die Menschen kennenlernen. Nach den ersten Wochen in Höngg hat sie dafür bereits einige Gelegenheiten genutzt. Jetzt folgen viele weitere Begegnungen. Denn genau darauf freut sie sich am meisten: «Ich freue mich, den Menschen zu begegnen, gemeinsam das Leben mit und vor Gott zu teilen und den Glauben zu gestalten.»





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