24 ist besser als 23

Unsere Redaktorin Dagmar Schräder schreibt über die grossen und kleinen Dinge des Lebens. Heute rechnet sie mit einem bestenfalls durchwachsenen 2023 ab.

Dagmar Schräder bringt ihre Gedanken aufs Papier. (Foto: dad)

Die letzte Kolumne des Jahres – das schreit geradezu nach einem persönlichen Jahresrückblick. Doch was soll man zu diesem Jahr schon Schlaues sagen? Nur schon die Jahreszahl ist hässlich: 2023. Komische Primzahl. Bei Verschwörungstheoretikern allerdings, so habe ich gelernt, ist die 23 sehr beliebt und steht für die Illuminati. Man findet sie überall, wenn man will: Caesar wurde mit 23 Messerstichen ermordet. Und der Mensch besteht aus 23 Chromosomenpaaren. Wenn das kein Beweis für eine Verschwörung ist.

Es gab also von Anfang an nix Gutes zu erwarten. Und tatsächlich: Schon der Beginn war harzig. Ein Winter ohne Schnee und mit braunen Hängen machte deutlich, dass der Klimawandel nicht mehr zu ignorieren ist. Darauf folgte der heisseste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen und ein Herbst, der eigentlich selber noch Sommer war.

Auch weltpolitisch war das Jahr eine ziemliche Katastrophe. Frieden in der Ukraine ist nach wie vor eine Illusion, dazu kam der israelisch-palästinensische Konflikt, ganz abgesehen von all den anderen kriegerischen Auseinandersetzungen auf der Welt.
Mit Naturkatastrophen wurde ebenfalls nicht gespart: Erdbeben in Syrien, der Türkei, in Marokko und Afghanistan, Überschwemmungen in Italien, Waldbrände in Kanada.

Erschreckend sind dabei nicht nur die Ereignisse selber, sondern die Tatsache, wie vergänglich das Interesse daran ist. Erst beim Googeln ist mir wieder eingefallen, was so alles passiert ist, ganz vieles war schon wieder halb vergessen. Ist mal wieder zu viel Alltag dazwischen gekommen …

Aber ja, privat ist auch vieles passiert in diesem Jahr. Da war einiges dabei, unerwartete Todesfälle im näheren Umfeld, physische und psychische Beschwerden rundherum. Das Leben kann sehr fragil sein, das hat dieses Jahr deutlich bewiesen.
Genug gejammert: Jetzt strenge ich mich an und finde ein paar positive Aspekte. Schwarzmalen gilt nicht, das hab ich doch jetzt gelernt. Also: Es gibt durchaus gute Menschen. Menschen, die handeln, helfen, sich einsetzen – selbstlos und unerschrocken.

Und solche, die unglaublich mutig mit schwierigen Situationen, mit Krankheiten und Verlusten umgehen. In den letzten zwölf Monaten durfte ich ein paar davon kennenlernen, beeindruckende Persönlichkeiten, die das Leben bereichern.
Auf der Weltbühne gibt es diese Lichtgestalten sicherlich auch. Allerdings fällt mir da auf die Schnelle gar niemand ein. Aber vielleicht brauchen wir die in Zukunft ja auch gar nicht mehr. Wir haben ja jetzt die Künstliche Intelligenz. Okay, das war vielleicht ein bisschen zynisch.

Aber doch, auch global gibt es Nachrichten, die Hoffnung machen. Man muss ein bisschen länger nach ihnen suchen als nach den negativen, aber das heisst nicht, dass sie weniger wichtig wären.

Ah, und noch was Erfreuliches: Ich habe tatsächlich ein paar der Dinge geschafft, die ich mir vor einem Jahr hier vorgenommen hatte. So was wie: Sachen wagen, von denen ich immer behauptet habe, ich könne sie nicht. Das hab ich hingekriegt. Ich kann mittlerweile sogar einparken.

Positiv ist auch, dass das Jahr in ein paar Tagen vorbei ist. Das nächste Jahr kann eigentlich nur besser werden, hat mir ChatGPT gerade mitgeteilt. Denn die Zahl 24 gilt in manchen Kulturen als günstig und wird mit Harmonie in Beziehung gesetzt. Auf ein frohes neues Jahr!

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