Quartierleben
100 Jahre «Höngger», Teil 3: 1946 bis 1956
«Der Höngger» feierte sein erstes grosses Jubiläum und berichtete weiterhin munter vom lebendigen Quartierleben.
1. April 2026 — Daniel Diriwächter
In dieser Dekade wurde «Der Höngger» bereits 25 Jahre alt, und die Ausgabe vom 7. Dezember 1951 titelte: «25 Jahre Lokalzeitung!» Zur Feier des Anlasses wurde der Schriftzug erstmals in blauer Farbe gedruckt. «Ist denn eine Quartierzeitung notwendig?», öffnete provokativ einer der Texte.
Und weiter: «Es existieren doch so viele Zeitungen, welche die Leser über alles Mögliche orientieren. Die grossen Tageszeitungen über das Weltgeschehen, die Politik des Aus- und Inlandes, über Wahlen und Abstimmungen, Unfälle und Verbrechen.» Viel eher habe ein Quartierblatt eine Fülle anderer Aufgaben: So nehmen die Vereinsnachrichten und Ankündigungen einen breiten Raum ein. Denn gerade die Vereinsleben spiegeln das Geschehen lebhaft wider. Und weiter: «So spiegelt sich im Quartierblatt Vergangenheit und Gegenwart, lässt Altes und Neues im Auge der Bevölkerung vorbeiziehen zur Erinnerung und Erbauung.»
Lokaler Lesestoff
«Der Höngger», produziert von Anton Moos an der Ackersteinstrasse, war (und ist) eine solche klassische Quartierzeitung. Im Jahr 1946 erschien er dann mit dem Höngger Wappen auf der Titelseite als Zeitung für Höngg, Affoltern, Ober- und Unterengstringen, Weiningen, Regensdorf und Watt. Allerdings: Man konnte tatsächlich von «einem Blatt» sprechen: Oft waren es nur zwei Seiten im Zeitungsformat, diese aber vollgepackt mit Informationen. Der Abopreis betrug pro Jahr 4.50 Franken, halbjährlich 2.50 Franken bei wöchentlicher Erscheinungsweise. Noch immer kam die Zeitung jeden Freitagnachmittag heraus.
Lokales war Trumpf: Lesestoff lieferte das rege Vereins- und Quartierleben, so etwa der Vogelschutzverein Meise Höngg, der zum Nistkastenreinigen einlud. Man berichtete über den Maskenball in der Mühlehalde (Zitat: «Man habe keine Kosten gescheut»), die Liedertafeln des Männer- und Frauenchors und im August 1948 über 50 Jahre Mosterei Zweifel: «Möge die Firma, die für unser Quartier zuerst und weitherum im Schweizerlande ein Begriff geworden ist, für den Namen Höngg Ehre einlegen.» Am 29. Oktober 1948 berichtete «Der Höngger» auch über «unseren neuen Friedhof»: Mit einer «schlichten Feier» wurde damals der «neue Friedhof auf dem Berg» eingeweiht. Die Redaktion schien angetan und beschrieb die neue letzte Ruhestätte als «würdig» und «schön».
Auch über Bauvorhaben wurde berichtet, so am 16. Januar 1953: Es ging um den Ausbau der Limmattalstrasse zwischen Wartauweg und der Gemeinde Oberengstringen. Ebenfalls Thema war die Verlängerung der Strassenbahnlinie 13 bis Frankental. Am 2. Oktober 1953 schaffte es die Einweihung des Schulhauses Lachenzelg auf den Titel. Dr. Fritz Zellweger, der Präsident der Kreisschulpflege, schrieb: «Die Einweihung von Schulhäusern gelte zu den Marksteinen in der Geschichte von Gemeinden und Quartieren». So gab es ein grosses Fest «bei herrlichstem Herbstwetter» mit Musik und sogar eine «illustrierte Festschrift».
Auch mittlerweile in den Meldungen vertreten: der Martin Cup des Sportvereins Höngg, der 1951 gegründet wurde. Und «De schnällst Zürihegel», der 1955 das erste Mal in den Quartieren ausgetragen wurde. Der «originelle Laufwettbewerb» eroberte Höngg im Sturm. Aber auch die Jahresberichte einiger Vereine wurden gross gedruckt, etwa vom Quartierverein Höngg oder vom Verschönerungsverein Höngg.
Stimmen aus dem Quartier
Leserbeiträge wurden ebenso abgedruckt: Im Januar 1950 schrieb Ana Neidhart-Fischer unter «Diverses» über das Wohl der Tiere: «Tiere würden in Bezug auf Anhänglichkeit, Treue und Dankbarkeit vielfach den Menschen übertreffen.» Oder das «Andenken an Zürich-Höngg» einer «ausländischen Fürsorgerin» im August 1950, die festhielt: «Wenn du in die Schweiz gereist und von Zürich Höngg nichts weisst, merke dir, du lieber Gast, du hast mächtig viel verpasst!»
Wir erfahren weiter, dass es einmal eine Höngger Wirtevereinigung gab, gegründet im Jahr 1945: Tatsächlich wartete Höngg damals mit vielen Beizen auf. In einem Inserat wurden die Lokale zur Rose, zur Wartau, zum Weingarten, zum Limmathof, zum Rebstock, zur Limmatbrücke, zur unteren Mühlehalde, zur Mühlehalde, zur alten Post, zur Linde, zum Weinberg, zum Grünwald, zum Gsteig, zum Limmatberg, zur alten Trotte, zum Kempfhof und zum Rank aufgeführt. Die Vereinigung widmete sich etwa dem Bierausschank oder der Preisfrage für einen Aperitif.
Auch die Bundesfeier auf dem Hönggerberg wurde redaktionell viel beachtet. Im August 1946 wurde auf der Titelseite die gesamte Rede von Kantonsrat Robert Zumbühl abgedruckt. Er lobte das «Sportplateau», wo der Sport- und der Turnverein ansässig sind. Fünf Jahre später sprach auf dem Hönggerberg Arthur Welti von Radio Zürich, der sich damals in Höngg niederliess und als Pionier seiner Zunft gilt.
Vom Abo zur Verteilung
Obwohl «Der Höngger» bis anhin per Abonnement erhältlich war, gab es im November 1949 einen Hinweis auf der Frontseite: Im Dezember werde die Zeitung nämlich an alle Haushalte in Höngg zugestellt – vier Ausgaben. Der erste Schritt in Richtung Zukunft. Lohnend waren die Dezember-Ausgaben, da sie viele Inserate enthielten.
Wahlen waren ebenfalls ein grosses Thema: Ende 1947 beispielsweise waren die Seiten voller Botschaften der damaligen Parteien; es ging um den National- und den Ständerat. So schrieb eine der Parteien: «Der Zürcher will keine Gemeinschaftsküchen, keine Massendemokratie und keinen Kollektivismus, sondern ein anständiges Familienleben und eine handfeste Existenz.»
Im Jahr 1956, kurz vor dem 30-Jahr-Jubiläum des «Hönggers», druckte Anton Moos sogar die Radioansprache des damaligen Bundespräsidenten Markus Feldmann. In dieser Rede kam die Veränderung der Welt zur Sprache: «Sozusagen alles und jedes scheint in Wandlung begriffen», so der Bundesrat damals. Auch «Der Höngger» wird sich bald wandeln – doch noch schreiben wir das Jahr 1956. Der Abonnementspreis lag inzwischen bei 5 Franken pro Jahr.
Verwandter Artikel
Das digitale Archiv: Dank an die Schmid-Wörner-Stiftung
Stöbern, Recherchieren, Entdecken, Wiederfinden oder Suchen: 100 Jahre «Höngger Zeitung» bedeuten eine Menge Lesestoff – und gleichzeitig sind diese Informationen auch zeitgeschichtliche Dokumente. Die Zentralbibliothek Zürich hat im Auftrag der «Höngger Zeitung» sämtliche Ausgaben ab dem 1. Oktober 1926 eingescannt und stellt das digitale Archiv nun laufend kostenfrei auf ihrer Website zur Verfügung.
Ein Vorhaben, das dank der Schmid-Wörner-Stiftung in Höngg realisierbar war, welche die Kosten übernommen hat. Die Stiftung unterstützt Kultur und Soziales, gemeinnützige Projekte und Institutionen sowie Bedürftige im Quartier Zürich-Höngg. Herzlichen Dank an den Stiftungsrat der Schmid-Wörner-Stiftung, der damit das digitale Archiv ermöglicht hat.





0 Kommentare