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Preisgekröntes Erdspeichersystem der ETH

4. Februar 2020 von

Ein Blick in den Energiekanal auf dem Hönggerberg.
Foto: ETH Zürich

Ein Blick in den Energiekanal auf dem Hönggerberg.

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Online seit
4. Februar 2020

Printausgabe vom
01. Februar 2020
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Das Bundesamt für Energie hat der ETH für ihr Anergiesystem, ein Erdspeichersystem zur Wärmeversorgung, den «Watt d’Or» in der Kategorie «Gebäude und Raum» verliehen. Damit wird die ETH für ihre Energieexzellenz ausgezeichnet.

Der Hochschulcampus auf dem Hönggerberg mit seinen über 30 Gebäuden wird täglich von über 12000 Studierenden, Mitarbeitenden und Besucher*innen frequentiert und verbraucht dabei eine grosse Menge an Energie – rund 77 Gigawattstunden jährlich. Das entspricht fast dem Energieverbrauch einer Kleinstadt. Doch die ETH wäre nicht die technische Hochschule, wenn sie nicht darum bemüht wäre, in die Entwicklung von Energieversorgungskonzepten zu investieren, die es ermöglichen, diesen hohen Verbrauch zu senken und Emissionen zu verringern. Bereits 2006, so ist der Homepage der ETH zu entnehmen, hat sie es sich zum erklärten Ziel gemacht, die CO2-Emissionen des Campus bis 2020 um 50 Prozent zu senken, bis 2040 soll der CO2-Ausstoss gar um 80 Prozent verringert werden – trotz des geplanten weiteren Wachstums des Hochschulgeländes.

Röhrensystem unter dem Boden

Ein wichtiger Pfeiler bei der Verfolgung dieser Strategie ist das Anergiesystem zur Wärmeversorgung, das die ETH im Jahr 2012 in Betrieb genommen hat. Mit diesem Erdspeichersystem können in der warmen Jahreszeit die Räume gekühlt und in der kalten Jahreszeit geheizt werden. Dabei wird überschüssige Wärme – wie sie in manchen Bereichen entsteht, etwa bei Laborgeräten, Servern oder den Öfen für organisches Material – mittels eines Rohrsystems in wassergefüllte Erdsonden in 200 Meter Tiefe transportiert. Die Sonden geben die Wärme an das Erdreich ab, worin sie gespeichert wird. Bei Bedarf können die Sonden die Wärme wieder aufnehmen und zum Heizen in das Anergiesystem einspeisen. Der Erdboden fungiert dabei also quasi als eine Art Wärmebatterie. Doch auch zum Kühlen von Räumen lässt sich das System verwenden: Durch das Heizen in der kalten Jahreszeit wird dem Wasser Wärme entzogen, so dass das System im Sommer Kälte abgeben kann. Zu diesem Zweck wurde im Boden unterhalb der ETH ein grossflächiges System an Erdsonden und Röhren erbaut: Das Anergienetz verfügt momentan über drei Erdsondenfelder sowie fünf Energiezentralen, die über das ringförmige Leitungssystem mit einer Gesamtlänge von über 1700 Metern Rohr bereits 14 Gebäude mit Heiz- und Kühlenergie versorgen.

Vorbild für Siedlungen?

Das Prinzip des Anergiesystem der ETH ist zwar nicht neu und wird bereits an anderen Standorten angewendet, ist jedoch aufgrund seiner Grösse einzigartig. Der Preis des Bundesamtes für Energie, der «Watt d’Or» wird der ETH daher aufgrund ihres Vorbildcharakters verliehen, wie das Bundesamt in einem Kurzfilm zum Projekt erläutert. Gewürdigt wird die Komplexität des Systems und die jahrelange intensive Forschungsarbeit, die die Hochschule in den Aufbau ihres Anergienetzes gesteckt hat. Der Ausbau des Netzes erfolgt kontinuierlich – das Ziel ist, in Zukunft dank des Erdspeichers annähernd autark und klimaneutral Heiz- und Kühlenergie produzieren zu können. Gut vorstellbar, dass das Beispiel Schule macht und in absehbarer Zeit auch ganze Wohnsiedlungen über ein derartiges Erdwärmesystem miteinander verbunden werden.

Ausstellung
19. Februar bis 26. März in der Campus Info (HIL Gebäude) auf dem Campus Hönggerberg. Öffnungszeiten von Montag bis Freitag, 7.30 bis 17 Uhr.

 

Öffentliche Führung «Energiespeicher Erde»
Intelligenz, im Boden vergraben: Als Anergienetz unter dem Campus Hönggerberg. Die ETH hat im Boden unterhalb des Campus Hönggerberg ein dynamisches Erdspeichersystem, das sogenannte Anergienetz gebaut: Damit lassen sich die Kälte- und Wärmeversorgung des Campus steuern und CO2-Emissionen reduzieren.
Dienstag, 25. Februar, von 18.15 bis 19.15 Uhr, Teilnahme kostenlos. Anmeldung erforderlich unter www.fuehrungen.ethz.ch

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4. Februar 2020

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01. Februar 2020
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