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Zen-Meditation auf dem Hönggerberg

20. September 2016 von

Foto: Patricia Senn

Die Junioren des Feldschützenvereins Oberengstringen schossen routiniert.

Zielen, atmen, abdrücken ─ Len meisterte die Konzentrationsübung erstklassig: 47 Punkte.

Auch Frauen übten sich in der leisen Disziplin…

...mit beachtlichem Erfolg, wie man sieht.

Auch die Erwachsenen wurden gut betreut.

Von

Online seit
20. September 2016

Printausgabe vom
22. September 2016
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Die Armbrustschützen Höngg lud auch dieses Jahr zum traditionellen, eidgenössischen Volksschiessen ein. Der «Höngger» nahm die Herausforderung an.

Vor dem kleinen Schützenhaus brutzelt das Fleisch auf dem Grill, dazu gibt es Salat oder Brot. Auch Armbrustschützen wollen gestärkt sein. Beim Kassier Heinz Vetsch holen sich die potentiellen Schützenkönige ihr Standblatt und eine Schiessscheibe ab, ein «Stich» kostet zwölf Franken, das sind fünf Schuss. Eine Gruppe der Elektrizitätswerke des Kanton Zürichs trudelt ein, andere holen sich bereits ihre Medaille ─ die gibt es erst ab 41 Punkten. Wahlweise kann man auch ein silbernes Löffelchen oder eine Kranzkarte haben. Letztere kann in verschiedenen Geschäften eingelöst werden, zum Beispiel für Zubehör oder Reparaturen, wie ein sympathischer Stammgast erklärt.

Konzentrationstraining

Auch drei Jungs vom Feldschützenverein Oberengstringen sind hier mit ihrem Betreuer. Normalerweise schiessen sie mit Gewehr oder Pistole, aber die Armbrust scheint ihnen keinerlei Probleme zu machen. Obwohl es mittlerweile ziemlich frisch geworden ist, zielen sie konzentriert und betätigen mit ruhiger Hand den hochsensiblen Abzug. Timon war letztes Jahr schon hier, «da habe ich aber mehr Punkte geholt», meint er etwas verlegen. Auch Len hat die Armbrust schon einmal ausprobiert. Dem Jungschützen falle es im Alltag manchmal schwer, sich zu konzentrieren, erzählt sein Vater, der auch mitgekommen ist. Das Schiessen sei eine hervorragende Übung, sich nur mit einer Sache aufs Mal zu beschäftigen. Man setzt sich hin, nimmt die Zielscheibe ins Visier, kontrolliert die winzige Wasserwaage vorne am Lauf, achtet darauf, dass alles zentriert ist, atmet aus, hält den Atem an und krümmt vorsichtig den Finger. «In diesem Moment vergisst man alles rundherum, es gibt nur eine Aufgabe, ein Ziel. Reine Meditation», meint der Vater. Das sei aber auch bei anderen Schiesssportarten der Fall, nach einer Stunde Training sei man völlig entspannt. Scheinbar hat es auch bei Len mit der Konzentration gut geklappt: Er erzielt ein grossartiges Ergebnis von 47 Punkten.

Unaufgeregt in den Abend hinein

Es fällt tatsächlich auf, dass es im Schiessstand sehr ruhig ist. Allein der leise Knall der zurückschnellenden Sehne und das entfernte «Plop», wenn der Pfeil auf die Schiessscheibe trifft, sind zu hören. Obwohl sich mittlerweile eine schöne Gruppe von Besucherinnen und Besuchern im Schützenhaus eingefunden hat, seien es weniger Gäste als in anderen Jahren. Marco Vetsch instruiert Neulinge. Selber schiesst er seit er elf Jahre alt ist und trifft mittlerweile sogar besser als sein Vater Heinz, wie dieser ungeniert zugibt. Er habe in letzter Zeit auch etwas weniger oft mit der Armbrust trainiert, aber halte dennoch weiterhin den Titel des internen Schützenmeisters. Das schwindende Interesse an diesem Sport führt er darauf zurück, dass es in der Stadt ein riesiges Angebot an Alternativen gäbe, er sei schliesslich auch noch im Turnverein und trainiere seit einiger Zeit mit dem Luftgewehr.

Und der «Höngger»?

Ohne den Goodwill und die professionelle Instruktion von Marco Vetsch wäre der Pfeil wohl in der Schiessscheibe des Nachbarn gelandet ─ oder Schlimmeres. Doch zum grossen Erstaunen der anwesenden, und für gewöhnlich leicht kurzsichtigen, «Höngger»-Redaktorin findet jeder Schuss sein Ziel und eine leise Ahnung, was die Faszination dieses Sports ausmacht, keimt auf. Leicht euphorisiert schreitet man zum Kassier und nimmt dankbar die herzlichen Gratulationen von Ehepaar Vetsch sowie eine Medaille entgegen. Gerne wäre man noch etwas länger verweilt und hätte mehr über die Geschichte erfahren, als der Grasshoppers Club Zürich fast einmal die Schützen vom Hönggerberg verdrängt hat. Doch auch die Organisatoren müssen einmal etwas essen, so verabschiedet man sich bis zum nächsten Mal.

Feldschützenverein triumphiert

120 Besucher waren es am Ende des Volksschiessens, 13 weniger als noch im letzten Jahr. In der Kategorie «Höngger Firmen und Vereine» setzten sich erneut die Teilnehmer des Ski-Club-Schneehas 1 und 2 durch, mit 177 respektive 174 Punkten, dicht gefolgt vom Männerchor mit 173. In der Kategorie «Gäste» sorgte der Feldschützenverein Oberengstringen für eine Überraschung: Die Schützen erzielten stolze 178 Punkte und schlugen damit die Gruppe der EKZ Dietikon, die für gewöhnlich die Hauptmacht an diesem Anlass darstellt. Auf eine Revanche im nächsten Jahr!

Die Vereinsmitglieder trainieren jeden Dienstag und Donnerstag. Interessierte dürfen an diesen Tagen gerne auch spontan vorbeikommen. Armbrustschützenstand Höngg, Kappenbühlstrasse 76. Der Verein der Armbrustschützen Höngg freut sich über Junioren. Ab dem zehnten Altersjahr kann man am Nachwuchskurs teilnehmen. Dieser findet jeweils am Mittwoch von 17.30 bis 19 Uhr statt. Im Moment zählt der Verein zwölf Junioren, davon schiessen vier aktiv.

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