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Baugeschichte Höngg

«Wohnen mit Stadtblick»

15. März 2017 von

Foto: Fredy Haffner

Die zweite Bauetappe soll im Herbst abgeschlossen sein. Hier kommt die Coop Filiale rein.

Foto: Fredy Haffner

Während die vorderen Häuser gegen die Strasse einen Riegel bilden, gibt es innen viel durchlässigen Raum.

Von

Online seit
15. März 2017

Printausgabe vom
16. März 2017
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Im letzten Jahr feierte die Bau- und Siedlungsgenossenschaft Höngg ihr 70-Jahre-Jubliäum. Der neue Vorstand fördert eine gute Durchmischung und möchte die Bewohner aller Siedlungen näher zusammenbringen.

1951 wurde die von der Frankentalstrasse gegen den Bombach führende Sackgasse nach einem alten Hönggergeschlecht «Schwarzenbachweg» benannt. Im selben Jahr erstellte die 1946 gegründete Bau- und Siedlungsgenossenschaft Höngg (BSH) an dieser Strasse die Siedlung Bombach mit 20 Häusern und 94 Wohnungen. Seit den 50er Jahren haben sich die Wohnansprüche der Mieter stark verändert: Wo sich früher mehrköpfige Familien wenige und kleine Zimmer teilten, wollten bald keine Ehepaare mit Nachwuchs mehr einziehen. Irgendwann gab es in der Höngger Siedlung der BSH kaum noch Kinder, die Genossenschaft überalterte. Obwohl die Bausubstanz der Häuser aus den 40er Jahren noch intakt war, waren die Grundrisse nicht für ein verdichtetes Bauen geeignet. Eine Sanierung erwies sich nach einer Analyse aus wirtschaftlichen Gründen als nicht sinnvoll, weshalb man beschloss, die alten Häuser in zwei Etappen abzureissen und durch Neubauten zu ersetzen. Der Grundstein für die Wohnüberbauung «Wohnen mit Stadtblick», ein Wurf der Architekten Steib & Gschwentner, wurde 2014 gelegt (der «Höngger» berichtete am 28. April 2014). Drei Häuser, ein Kindergarten und ein Hort wurden im vorletzten Jahr fertiggestellt und von den Genossenschaftern bezogen. Zwei weitere Häuser, eine Coop Filiale mit 1000 Quadratmetern sowie eine Kinderkrippe sollen im kommenden Herbst zum Einzug bereit sein. Neu umfasst die Siedlung dann 161 Wohneinheiten zu 1,5 bis 5,5 Zimmern. Ein Neubau bedeutet immer auch ein Ansteigen der Mietpreise, das war im Fall der Bau- und Siedlungsgenossenschaft Höngg nicht anders: Während man in den alten Bauten für eine 4-Zimmer-Wohnung mit 75 Quadratmetern 900 Franken zahlte, liegt die Miete für eine 3,5-Zimmer-Wohnung im Neubau je nach Lage bei 1550 Franken – die Wohnung ist allerdings 85 Quadratmeter gross. «Es zeichnet sich aber ab, dass die Baukosten tiefer ausfallen werden, als budgetiert, deshalb konnten die Mietpreise im Januar bereits zum ersten Mal gesenkt werden», sagt Claudio Bolliger, Vorstandsmitglied der BSH.

Durchmischung erwünscht

Bereits nach der ersten Etappe hat sich die Mieterstruktur in der Siedlung stark verändert: Es sind junge Familien eingezogen, aber auch Alleinerziehende, Senioren und Doppelverdiener ohne Kinder. Vorstandsmitglied Claudio Bolliger beobachtet, dass die Familien der Arbeiterklasse weggezogen sind und heute vermehrt Menschen aus dem Mittelstand in der Genossenschaft wohnen. Die Genossenschaft weist ausserdem 35 von der Stadt subventionierte Wohnungen sowie 13 geplante Alterswohnungen aus. «Die Attika 4,5 Zimmer-Wohnungen sind mit 3000 bis 3400 im Vergleich zwar etwas teurer, ermöglichen es uns aber, die restlichen Wohnungen günstiger anzubieten», erklärt der Schreiner, der mit seiner Familie schon seit 26 Jahren in der BSH Siedlung lebt. Das Gefälle zwischen gutverdienenden Paaren in den Attikas und alleinerziehenden Mietern einer subventionierten Wohnung ist gross, könnten sich daraus Spannungen innerhalb der Genossenschaft ergeben? «Die Auswahl der <richtigen> Mieter ist immer eine Herausforderung», wägt Bolliger ab, «in den alten Häusern gab es manchmal deswegen Probleme. Wir verlassen uns auf unser Bauchgefühl und versuchen den Leuten auch zu erklären, was es bedeutet, in einer Genossenschaft zu wohnen. Dass man einerseits ein Mitspracherecht hat, aber andererseits auch Rücksicht aufeinander nimmt. Bei 161 Wohnungen wird es aber immer Mieter geben, die einfach nur günstig wohnen möchten und keine Zeit für ein aktives Engagement in der Genossenschaft haben».

Ein Dorf für sich

Früher gab es in der Bau- und Siedlungsgenossenschaft Höngg eine Siedlungskommission, die Ausflüge und Anlässe mit und für die Bewohnenden organisierte, doch in den vergangenen Jahren waren diese immer seltener geworden. Der im letzten Jahr neu gewählte Vorstand ändert dies nun: Im September hatte ein einberufenes Organisationskomitee anlässlich der 70 Jahre BSH ein Jubiläumsfest organisiert, unter dem Motto «Früher und Heute». Das Ziel war das Zusammenbringen der Bewohner aller Siedlungen – das sei hervorragend gelungen. «Nach langer Zeit fand zudem im Dezember wieder ein Samichlaustag statt, die Organisatoren haben das super hingekriegt», schwärmt Bolliger. Auch die BSH-News wurden wieder ins Leben gerufen und es wird geprüft, an den Eingängen einen Bildschirm für aktuelle Informationen anzubringen, die vom Verwaltungsbüro aus eingespiesen werden können. «Im November wollen wir pro Haus einen Apéro organisieren, damit sich die Nachbarn kennenlernen. Im Frühling 2018 soll es dann ein Einweihungsfest für alle Bewohnerinnen und Bewohner geben». Man konzentriert sich schon in erster Linie auf die eigene Siedlung und kommuniziert nicht oft mit umliegenden Hauseigentümern oder Genossenschaften. «So eine Siedlung ist meist ein Dorf für sich», meint Bolliger «aber wenn jemand in Not ist, kann man sich immer an andere Genossenschaften wenden, da hilft man sich gegenseitig aus».

Ein trauriges Ereignis überschattete die Bautätigkeiten der Genossenschaft: Ein 41-jähriger portugiesischer Bauarbeiter verunglückte auf der Baustelle im Frankental tödlich. Die BSH wird in seinem Andenken einen Gedenkstein in der Siedlung errichten.

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