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Wohin «steuert» der Höngger Detailhandel?

7. Juni 2012 von

Foto: Fredy Haffner

Am Meierhofplatz: Gestern eine Metzgerei, heute eine Bauruine und morgen tatsächlich eine weitere Bäckerei?

Von

Online seit
7. Juni 2012

Printausgabe vom
07. Juni 2012
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Die Generalversammlung des Vereins Handel und Gewerbe brachte nebst klaren Haltungen und Informationen zum Wümmetfäscht auch die brisante Lage des Detailhandels zur Sprache.

Der Verein Handel und Gewerbe Höngg (HGH) hatte seine 112 Mitglieder letzten Donnerstag, 31. Mai, zur 34. ordentlichen Generalversammlung geladen. Gekommen waren 38 Stimmberechtigte. Eines der jährlich wiederkehrenden Traktanden ist die Aufnahme neuer Mitglieder. Fünf Firmen hatten diesmal ihre Aufnahme in den HGH beantragt. Drei Vertreterinnen oder Vertreter waren, wie es angebracht ist, erschienen und stellten sich und ihre Firma kurz vor. Zwei weitere hatten dies nicht für nötig befunden und waren ohne Entschuldigung ferngeblieben. Dies goutierten die Anwesenden nicht und lehnten die Aufnahme der Firmen bei einer Stimmenthaltung klar ab. Die Meinung überwog, dass wer bereits zur aufnehmenden Generalversammlung nicht erscheint, kein wirkliches Interesse an einem aktiven Engagement zeigt. Die drei Anwesenden wurden dagegen einstimmig willkommen geheissen und mit Applaus begrüsst. Zwölf Firmen gaben gleichzeitig den Austritt bekannt, meist infolge Wegzugs oder Geschäftsaufgabe. Somit zählt der HGH nach diesen Rochaden neu 110 Mitglieder.

Letztes Amtsjahr beginnt

Unter den Austritten befindet sich auch die Firma des HGH-Präsidenten André Bolliger. Bolliger Plattenbeläge war viele Jahre im Untergeschoss der PAM-Filiale am Zwielplatz domiziliert. Als dort nach einem Besitzerwechsel der Mietzins verdoppelt wurde, fand man keinen passenden Ersatz und musste im März Höngg verlassen. Dies hat auch für den HGH Konsequenzen, wie nun zu erfahren war: André Bolliger wird sich, dannzumal nach 18 sehr aktiven Jahren, 2013 nicht mehr zur Wiederwahl als Präsident stellen. Ein Ersatz wird nicht leicht zu finden sein. «Ein Verein wie der HGH funktioniert nur, wenn Vernetzungen da sind und man bei den zuständigen Stellen Einfluss nimmt und seine Anliegen einbringt», hielt Bolliger fest. Interessentinnen oder Interessenten sind gebeten, sich bei André Bolliger zu melden, er ist gerne bereit, mehr über die Funktion und die Pflichten des Präsidiums zu informieren – und darüber, wie gut der Vorstand zusammenarbeitet, was auch an dieser Versammlung wieder offenbar wurde.

Der HGH und das WüFä

Im Jahresbericht ging Bolliger dann auf das vergangene Wümmetfäscht (WüFä) ein. Er erwähnte das erneute, grosse Defizit des Festes an sich, konnte aber mit Stolz darauf verweisen, dass die vom HGH organisierten Bereiche wie Wümmetznüni und Gewerbebeiz ausgeglichen wurden und die Gewerbeschau gar mit einem Überschuss abschliessen konnte. Da dieses Jahr kein WüFä stattfinden wird, hat der HGH bekanntlich in Zusammenarbeit mit dem Sportverein Höngg als Ersatz für den beliebten Wümmetznüni einen Kunden- Event organisiert. Dieser findet am Samstag, 30. Juni, im Festzelt des Martin-Cups statt. 239 der total 250 Tickets wurden bereits verkauft. Als erste Hönggerinnen und Höngger erfuhren die Anwesenden anschliessend von Vorstandsmitglied Peter Kümmin, was sich in Sachen «Zukunft des Wümmetfäschts» derzeit tut. Er war es auch, der beim Quartierverein, unter dessen Patronat das WüFä stattfindet, vergangenen Februar mit Nachdruck darauf drängte, dass man die Planung für das Jahr 2013 rechtzeitig in Angriff nimmt, und nicht erst, wenn das alte OK Wümmetfäscht im Mai seine letzte Sitzung und der Quartierverein im Juni seine Generalversammlung abgehalten haben werden. «Wertvolle Zeit wäre damit verloren gegangen », fasste Kümmin zusammen. Und so kam es, dass seit Mitte April eine vierköpfige Strategiegruppe ihre Arbeit aufgenommen hat. Mehr dazu im Artikel auf der letzten Seite dieser Ausgabe.

«Verslumt» der Höngger Detailhandel?

Zum Schluss der Generalversammlung ergriff Daniel Fontolliet das Wort und machte eindringlich auf ein brisantes Thema aufmerksam: «Dass es wieder ein Wümmetfäscht geben wird, erfüllt mich mit grosser Freude. Andererseits bin ich konsterniert, dass man hier beim HGH nicht erwähnt, wie desolat es um den Höngger Detailhandel steht, speziell im Zentrum.» Fontolliet zählte verschiedene Firmen auf, die kürzlich schlossen, in deren leere Räumlichkeiten keine Nachfolger einzogen oder die gar als Bauruine zum Schandfleck verkommen. «Wir Detailhändler spüren es tagtäglich, viele Kunden bringen zum Ausdruck, wie schlecht es um die Angebotsbreite im Detailhandel hier steht.» Der Handel übe, so Fontolliet, eine wichtige gesellschaftliche Funktion aus. Es könne deshalb nicht sein, dass bei der Neuvermietung alleine wirtschaftliche Interessen der Hausbesitzer bestimmen, wer einziehen wird. «Ich wünsche mir vom HGH, dass er bei den Hausbesitzern interveniert oder sich zumindest erkundigt, was mit den leeren Ladenlokalen geschieht.» Reale Hoffnung, dass dadurch etwas geändert wird, macht sich Fontolliet jedoch nicht gross. Mit seiner Drogerie im Hönggermarkt selbst ein innovativer, engagierter Detailhändler, rief er dennoch auf: «Händler, seid aufmerksam und bleibt renitent bei euren Vermietern, sonst ‹verslumt› das Dorfzentrum!» Präsident Bolliger sprach sein Verständnis aus, sieht aber seitens des HGH kaum eine Möglichkeit zur Intervention: «Uns fehlen die Mittel und auch der politische Einfluss.» Er selbst wurde vom Verkauf der Liegenschaft, in der er eingemietet war, überrascht – dabei hätte er vielleicht selbst noch mitgeboten, um bleiben zu können. «So läuft das. Dass man diesen ‹Dörfligeist› innerhalb eines Stadtkreises aufrechterhalten kann, ist vermutlich über kurz oder lang nicht umzusetzen», wollte Bolliger bereits schliessen. Doch noch andere meldeten sich zu Wort und mit Verweis auf Oerlikon – wo es dem Vernehmen nach jedoch mit dem Slogan «z’Oerlike gits alles» auch nicht nur prächtig geht – wurden gar erste Massnahmen vorgeschlagen. «Schliesslich», so Roland Spitzbarth von der gleichnamigen Höngger Silberschmiede, «haben wir Höngger auch etwas zu bieten!» Der HGH-Vorstand nahm das Anliegen doch noch auf und will sich Massnahmen überlegen. Es gibt in Höngg – wo denn sonst? − Kräfte, die nicht tatenlos zuschauen wollen, wie der Detailhandel verschwindet. Doch sie müssen sich zuerst organisieren, und – was von zentraler Bedeutung ist – die Konsumenten müssen mit ihrem Kaufverhalten mitmachen. Auch die Quartierzeitung «Höngger» hat den Appell vernommen und wird die Thematik in Kürze aufnehmen. Wie lautet doch der Slogan des HGH? «Mitenand gaht’s besser.“

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