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Dorfleben

Wer weiss denn noch, was eine «Helsete» ist?

14. März 2018 von

Von

Online seit
14. März 2018

Printausgabe vom
15. März 2018
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Die kindliche Aufregung ist der Erzählerin immer noch anzumerken, als sie das aufwändige Vorbereitungsritual für die jährlichen Familienferien im Tösstal schildert: Da musste fast der ganze Hausrat mit.

Der Vater führte eine Packliste und hakte einzeln ab, was in den zahlreichen Wäschekörben und Lederkoffern verstaut wurde. Eine «Camionnage», anfänglich noch mit Ross und Wagen, transportierte die ganze Bagage ins Feriendomizil. Bezahlt wurde nach Gewicht, also musste eine grosse Waage herbeigeschafft werden. Die ideale Gelegenheit für den jährlichen Gesundheitscheck der Familie: Sämtliche Mitglieder von der Grossmutter bis zu den Kleinsten wurden gewogen, das Gewicht säuberlich notiert und mit dem Vorjahr verglichen. Je nach Ergebnis wurden die Betroffenen ermahnt, künftig mehr oder eben weniger zu essen. Mit dieser Erinnerung eröffnete eine Teilnehmerin das siebte Erzählcafé der Reformierten Kirche im Sonnegg, diesmal zum Thema «So war das bei uns zu Hause!». Weitere Geschichten folgten, alle Gäste erzählten von den Familientraditionen ihrer Kindheit. Eine alteingesessene Hönggerin schwärmte von der «Helsete» am «Bächtelistag», dem 2. Januar. Von den Anwesenden kannte niemand diesen heute fast ausgestorbenen Brauch, bei dem sogenannte «Hels-Weggen», ein zopfähnliches Gebäck, in der Familie verschenkt und verzehrt wurden.

Traditionen rund ums Essen

Auch andere Geschichten drehten sich um Speise- und Tischrituale. In der Kindheit eines Gastes zum Beispiel war jedem Wochentag eine bestimmte Speise zugeordnet. Freitag etwa war der Wähentag, Samstag der Siedfleischtag. Die Wähen wurden selber gebacken, doch für die 15-köpfige Familie musste das grosse Blech vom Dorfbeck geholt und die Wähe zum Backen wieder in die Bäckerei gebracht werden. Es gab auch eine Geschichte, die fast alle erlebt hatten: Wenn beim Mittagessen jeweils um halb eins die Nachrichten von Radio Beromünster gesendet wurden, durfte nicht mehr gesprochen werden. «Beim dritten Ton ist es genau 12 Uhr und 30 Minuten. Piep. Piep. Piep!»

Interessierte willkommen

Im Erzählcafé schildern Gäste ihre persönlichen Erlebnisse und Erinnerungen zu einem vorgegebenen Thema. Die Reformierte Kirche Höngg lädt jeden zweiten Freitagnachmittag im Monat zum Erzählen und Zuhören ins Sonnegg ein. Die Themen sind vielfältig, bisher ging es zum Beispiel um Schulerlebnisse, um Weihnachten oder um die erste Liebe. (e)
Beim nächsten Erzählcafé vom 13. April geht es um Tiergeschichten. Interessierte aus Höngg und Umgebung sind herzlich eingeladen. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung nicht nötig. Von 14 bis 16.30 Uhr im Sonnegg, Bauherrenstrasse 53. Auskunft: Gabriela Bregenzer, 043 311 40 59.

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