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Dorfleben

Von Hot Dogs und heissen Mädchen

13. Oktober 2015 von

Foto: Malini Gloor

Flüchtlinge im Video, berührende Lieder live.

Foto: Malini Gloor

Die Reiseleiterin drängte sich immer in den Vordergrund – sogar im Liebeslied-Duett.

Foto: Malini Gloor

Flüchtlinge im Video, berührende Lieder live.

Foto: Malini Gloor

Voller Inbrunst wurde gesungen – mit einem grossen Augenzwinkern und in Highheels beziehungsweise Crocs.

Foto: Malini Gloor

Auch der Pianist zeigte vollen Körpereinsatz.

Foto: Malini Gloor

Man sieht richtig, wie das Herz schmerzt.

Foto: Malini Gloor

Lieber auf dem Handy herumtippen, als sich miteinander zu unterhalten.

Foto: Malini Gloor

Der Hot-Dog-Buden-Mann schaut Porno-Heftli an, während die Kundin liest – die beiden haben sich leider nichts zu sagen.

Von

Online seit
13. Oktober 2015

Printausgabe vom
15. Oktober 2015
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Das Cafézeit-Ensemble Zürich-Höngg hat seinen neuesten Coup «Hot Dog» gespielt – und vor allem gesungen. Es wurde ein szenischer, turbulenter Liederabend geboten.

Im gut gefüllten reformierten Kirchgemeindehaus wartete das Publikum am Freitag, 2. Oktober, auf «Hot Dog – die swingende Imbissbude» und schaute gebannt auf die Bühne, auf der ein schöner, beleuchteter Hot-Dog-Stand samt Hot-Dog-Maschine, Brötchen und Würstchen stand. Der Auftakt kam jedoch von hinten: Mitten durch die Zuschauer hindurch führte eine aufgedrehte, frustrierte Reiseleiterin im Dirndl, roten Lackpumps und mit Reitgerte ihr Touristen-Grüppchen zackig zur Bühne. Auf dem Weg dahin stellte sie das Kirchgemeindehaus und seine Geschichte vor und zog diese etwas ins Lächerliche: «1958 baut worde – ja, das gseht mer…»
Das Publikum nahm ihr dies nicht übel und lachte, genauso wie über den Betreiber des Hot-Dog-Standes, der sich die Zeit mit dem Anschauen eines Erotik-Heftlis vertrieb, während eine alte Dame vor dem Stand in einem Buch las und ihren Schnaps trank. Dazu passte das traurige Stück «Vreneli ab em Guggisberg», begleitet von Klavier und Handorgel, welches die «Reiseleiterin» und die Gründerin des Ensembles, Madelaine Lutz, eindrücklich sangen.

Auf Handys tippen anstatt miteinander zu reden

Die Touristengruppe durchwanderte die Schweiz, tippte oft auf den Handys herum und sinnierte – so etwa «Wer hat die Menschen so entstellt?» – was in Anbetracht der Weltsituation gar angesagt ist. Stücke wie das «Wolgalied», «Schon so lang» oder «In mir klingt ein Lied» unterstrichen die Stimmung.
Optisch begeisterte das Ensemble durch die gewitzten Kostüme: So die alternde Rocklady in hautengem Kleid, Stöckelschuhen und Lederjacke (Madelaine Lutz), die zusammen mit dem «Hot-Dog-Mann» (Harry Hes), der Trägershirt, Shorts und Crocs trug, einen schönen Gegensatz bildete. Dass im Ensemble auch jüngere Berufsschauspieler mitspielen, wie Carmen Althaus aus Berlin und Rico Lutz aus Hamburg, der seit zehn Jahren Regie führt und gleichzeitig immer auf der Bühne steht, tut der Inszenierung gut – genauso wie die musikalische Leitung des renommierten Pianisten Jürg Brunner. So spielen Laien und Profis zusammen und erreichen mehr als alleine – eine bereichernde Zusammenarbeit.

Oh läck du mir am Tschöpli…

Nicht nur Nachdenkliches, sondern auch lustige Stücke wie etwa «Zucker im Kaffee», «Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei» oder «Oh läck du mir» kamen zum Zug und heiterten die Stimmung auf, teilweise wurde gar heftig mitgeklatscht und mitgesungen. Genau wie Rosmarie Bamert, welche, mit dem Wallholz in der Hand, ihren Mann Adrian Moosmann suchte: «Händ ihr de Adi gseh? De chan öppis erläbe!» Ganz zum Schluss des Liederabends tauchte dieser dann, in Satinbademantel und Badeschlarpen gekleidet, auf und suchte nach seiner Rosmarie, die ihn – ohne Wallholz – liebevoll in die Arme schloss.

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