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Von Beinprothesen und farbig leuchtenden Robotern

9. März 2016 von

Foto: Malini Gloor

Ausprobieren, wie es sich mit einer Beinprothese läuft: Ohne die Hilfe der beiden Männer würde gar nichts gehen.

Foto: Malini Gloor

Hier kam der Tastsinn zum Einsatz – was berührte man in der Schachtel?

Foto: Malini Gloor

Kinder begehen einen Parcours mit Brillen, die ihr Sehvermögen einschränken.

Foto: Malini Gloor

Jugendliche programmieren einen Roboter, der Bilder «fährt».

Von

Online seit
9. März 2016

Printausgabe vom
10. März 2016
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Treffpunkt ETH Science City, die öffentliche Bildungsreihe der ETH Zürich, findet zurzeit wieder statt. Auf dem Campus Hönggerberg und in der Innenstadt kann man zum Thema «Der UNperfekte Mensch» viel Wissenswertes erfahren.

Am letzten Sonntag stand der Auftakt der Bildungsreihe unter dem Titel «Geniale Helfer». Im Chemiegebäude HCI tummelten sich nicht nur Familien mit Kindern, sondern auch zahlreiche weitere Besucher aller Alterskategorien. Unter «Geniale Helfer» wurden den Interessierten etwa ein treppensteigender Rollstuhl oder ein sogenanntes Exoskelett gezeigt, eine Art Vorrichtung, in der querschnittgelähmte Menschen aufrecht stehen und gehen können.

Wie fühlt sich das Gehen mit einer Beinprothese an?

Diese technisch hochentwickelten Helfer sprachen das Publikum an – genauso wie das aktive Mitmachen: Wie fühlt es sich an, mit einer Unterschenkelprothese zu gehen? Ist es schwer, mit einem Rollstuhl um Hindernisse herumzukurven? Während man mit der angelegten Beinprothese von zwei Helfern gestützt wurde, war man im Rollstuhl – abgesehen vom Betreuer – auf sich selbst angewiesen. Auch zum Cybathlon, einem Wettkampf für Menschen mit Behinderung, die technische Assistenzsysteme nutzen, und der am 8. Oktober in Kloten stattfindet, wurde viel erzählt.

Mentales Training stärkt

Die Vorlesungen, teilweise mit Gebärdensprache-Übersetzung, sprachen auch dieses Mal wieder unterschiedlichste Zuhörerinnen und Zuhörer an und sind teilweise auch für Kinder geeignet: Ob es um künstliche Knochen aus dem 3-D-Drucker ging oder um Referent Urs Kolly, der trotz einer Beinprothese sieben Goldmedaillen bei den Paralympics gewann, man hörte gespannt zu.
Viele Fragen wurden auch im Anschluss an die Vorlesung «Reha-Training im Kopf» gestellt. Referentin Nicole Wenderoth, ETH-Professorin für Neuronale Bewegungskontrolle, hielt fest, dass mentales Training einen stärker mache. «Das Gehirn ist ein Spiegel der täglichen Aktivität.» Im Schlaf verarbeitet das Hirn das Gelernte – es ist also wichtig genügend zu schlafen, so erfuhren die Zuhörenden.

Mit Nördi erleben, wie sich Sehbehinderte fühlen

In der Werkstatt «Deine Sinne neu erleben» erfuhren Kinder im Alter von fünf bis sechs Jahren, wie man sich mit einer Behinderung fühlt. Als Erstes wurden sie vom «echten» Nördi, dem plüschigen Weltall-Bewohner und Treffpunkt-Science-City-Maskottchen, begrüsst. Als er erzählte, dass sein Lieblingsessen grillierte Bücher mit Tomatensauce seien, lachten die Kinder laut heraus.
Dann zeigte Raphael Portmann, Student der Umweltwissenschaften, anhand eines Handpuppen-Plüsch-Nördi, wie dieser mit verbundenen Augen auf die Nase fällt. Die kleinen Werkstatt-Teilnehmer waren teils sehr vif und fragten Portmann von selbst nach den fünf Sinnen Hören, Sehen, Tasten, Riechen und Schmecken. Mit verschiedenen Brillen, die eine Sehbehinderung vortäuschten, absolvierten sie einen Parcours aus Klebestreifen am Boden – gar nicht so einfach, wenn man die Linien gar nicht oder nur kaum sieht. Auch der Film ohne Ton, den sie ansahen, stellte sie vor ein Rätsel: Sie verstanden nicht, worum es ging. So wurde ihnen gezeigt, wie wichtig die Sprache ist. Um etwas «fürs Leben» zu lernen, brachte ihnen Raphael Portmann einige Wörter in der Gebärdensprache bei.

Kleinen Roboter programmiert

Nicht nur Kinder, sondern auch Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren kamen voll auf ihre Kosten: Beim Programmteil «Think 360!» konnten sie auf Voranmeldung einen zweieinhalbstündigen Kurs besuchen, in welchem sie den kleinen, autoähnlichen, fahrenden Roboter Thymio II programmierten. In kleinen Gruppen sassen sie vor dem Computer und erreichten, dass der Roboter ein codiertes Blatt korrekt abfuhr und in genauen Abständen farbig leuchtete. Im Dunkeln entstand so mittels Langzeit-Belichtung ein Foto, das ein Bild zeigte, zum Beispiel eine Comic-Figur.

Programm ETH Zürich, Campus Hönggerberg
Sonntag, 13. März, 11 bis 16 Uhr, «Neue Medizin» mit den Themen neue Krebstherapien und Mikroroboter im Körper. Mit diversen Vorlesungen, auch für Kinder und Jugendliche, Führungen, Demonstrationen, Werkstatt und Ateliers. ETH Zürich, Campus Hönggerberg, Chemiegebäude HCI, Wolfgang-Pauli-Strasse 14.

Sonntag, 20. März, 11 bis 16 Uhr «Leistung und Fitness» mit den Themen Vitaminpillen, Schlafmangel und der Kunst, bis ins Alter fit zu bleiben. Mit diversen Vorlesungen, auch für Kinder und Jugendliche, Führungen, Demonstrationen, Werkstatt, Ateliers und Workshops. ETH Zürich, Campus Hönggerberg, Chemiegebäude HCI, Wolfgang-Pauli-Strasse 14.

Weitere Informationen: www.treffpunkt.ethz.ch

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