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Dossier Am Wasser/Breitensteinstrasse

VBZ-Passagiere gingen baden

29. August 2013 von

Foto: zvg

Sie scheuten das Wasser nicht: Teilnehmende der Aktion «VBZ-Passagiere gehen baden» beim kürzesten Weg zur nächsten Tramhaltestelle.

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29. August 2013

Printausgabe vom
29. August 2013
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Seit Ende 2008 die Quartierbuslinie 78 an der Achse Am Wasser/Breitensteinstrasse eingestellt wurde, monieren die dort Wohnenden die schlechte Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel. Nun gingen sie baden, um auf die Situation aufmerksam zu machen.

Die ZVV-Verordnung über das Angebot im öffentlichen Personenverkehr sieht vor, dass jeder Haushalt innerhalb eines Radius von 400 Metern − unter Vorbehalt der topografischen Verhältnisse – mit einer Haltestelle erschlossen sein soll. Die VBZ verzichtet auf den Begriff der «besonderen topografischen Verhältnisse», ist dafür bestrebt, allen Einwohnern der Stadt Zürich innerhalb von 300 Metern Luftlinie eine Haltestelle anbieten zu können. So stimmen die 300 Meter zwar, welche die Anwohner der Strasse Am Wasser und Umgebung höchstens zurücklegen müssen, um zur Tramlinie 13 hinauf oder zur Linie 17 – der ehemaligen 4 – hinüberzugelangen. Bloss ist da eben entweder eine «nahrhafte» Steigung oder die Limmat zu überwinden und die 300 Meter mutieren zur Theorie. Was das konkret bedeutet, zeigte vergangenen Samstag die mit viel Fantasie und Enthusiasmus durchgeführte Aktion «VBZ-Passagiere gehen baden» der Interessengemeinschaft Am Wasser/ Breitensteinstrasse (IGAWB). Als Startort wurde der Kloster-Fahr-Weg auf Höhe des Hauses Tobeleggweg 9 ausgewählt. «Von da gehen wir zur nächstliegenden Haltestelle, dies ist mit 300 Metern Luftlinie die Haltestelle Hardhof der Linie 17», erklärte IGAWB-Präsident Martin Zahnd den fast 100 Erschienenen, «und dazu werden wir den Fluss schwimmend überqueren müssen.» Dem Aufruf folgend gingen über 50 Personen baden.

Mit Business-Anzug ins Wasser

Die Akteurinnen und Akteure hatten sich einiges an kreativen und humoristischen Einlagen ausgedacht. So verbalisierten etwa grosse Sprechblasen aus Karton mit Texten wie «Das Schwierigste ist, das Brot trocken nach Hause zu bringen» die Situation und ein Kinderwagen wurde auf einem Floss aus Petflaschen und Dachlatten transportiert, um die 300 Meter einhalten zu können. Auch der IGAWB-Präsident liess es sich nicht nehmen und stieg mit Schwimmreif und Businessanzug ins Wasser. «Anstrengend und ein schwieriger Ausstieg», befand er auf der anderen Flussseite, von wo es dann im Trockenen zur Haltestelle Hardhof ging. Dort wurde gefordert, das betroffene Gebiet wieder durch eine Buslinie zu erschliessen. Verwiesen wird dabei auf das Ende Juni 2012 von den Gemeinderäten Florian Utz (SP) und Guido Trevisan (GLP) eingereichte Postulat, welches eine Buslinie auf der Route Hauptbahnhof – Am Wasser – Rütihof anregt. Beide Gemeinderäte nahmen denn auch an der samstäglichen Aktion teil, zusammen mit dem GLP-Stadtratskandidaten Samuel Dubno. Auf ihrer Sprechblase stand: «Wir möchten das Budget 2013 trocken über die Limmat bringen.» Ob ihnen das gelungen ist, wird aber erst die Budgetdebatte im Parlament zeigen – die Politiker waren jedenfalls nass wie alle andern der Limmat entstiegen.

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