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Stadt

Unzufrieden mit der Städtischen Alterspolitik

2. Mai 2018 von

Foto: Fredy Haffner

Roger Seiler, Vorstandsmitglied der iga, stellt die Podiumsteilnehmenden vor: (v.l.n.r) Susanne Tschopp, Marcel Savarioud, Markus Hungerbühler, Moderator Matthias Wipf, Elisabeth Schoch und Martin Lang.

Von

Online seit
2. Mai 2018

Printausgabe vom
03. Mai 2018
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Die Zusammenarbeit zwischen dem Gesundheits- und Umweltdepartement der Stadt Zürich und den privat-gemeinnützigen Altersheimen ist gestört und die städtische Altersheimpolitik fragwürdig, wie eine Podiumsdiskussion in Höngg zeigte.

Die Interessengemeinschaft gemeinnütziger Altersinstitutionen Stadt Zürich (iga Zürich) ist ein privat-gemeinnütziger Verein mit fast 30 angeschlossenen Institutionen aus der Stadt Zürich, die zusammen gegen 2‘000 Betten anbieten – annähernd gleich viele, wie die Stadt selbst in ihren Alterszentren betreibt.
Auch die beiden einzigen gemeinnützigen Höngger Altersheime, das Altersheim Hauserstiftung und das Riedhof, Leben und Wohnen im Alter, sind Mitglieder der iga. Diese moniert schon länger, sie werde von der Stadt Zürich nicht als gleichwertiger Gesprächspartner wahrgenommen und bei der Planung des Angebots an Altersheimplätzen zu wenig, respektive gar nicht miteinbezogen. An einem Podiumsgespräch am Dienstag, 10. April, anlässlich der vierten iga-Trägerschaftskonferenz im Riedhof wurden die Problemstellungen diskutiert.

Auf dem Podium unter der Leitung von Moderator Matthias Wipf nahmen Platz: Susanne Tschopp (iga-Präsidentin), Elisabeth Schoch (Gemeinderätin FDP, Vizepräsidentin der Spezialkommission des Gemeinderates für das Gesundheits- und Umweltdepartement, SK GDU), Marcel Savarioud (Gemeinderat SP, Mitglied der SK GUD), Markus Hungerbühler (Gemeinderat CVP, Präsident des Vereins Krankenstation Friesenberg) und Martin Lang (Präsident des Vereins für Alters- und Pflegeheim Grünhalde, Seebach).

Die Stadt baut trotz sich abzeichnenden Überkapazitäten weiter

Die Unzufriedenheit der iga mit der städtischen Altersheimpolitik schwärt schon länger. Markus Hungerbühler sagte es so: «Die Stadt war auf die privaten Altersheime angewiesen, behandelte sie aber schlecht. Hauptsache, wir deckten die Bedarfsspitzen ab, mehr war nicht gefragt». Tatsächlich wurden viele der in der iga vereinten Institutionen zu einer Zeit gegründet, als die Stadt Zürich selbst noch weit davon entfernt war, genügend Altersheimplätze zur Verfügung zu stellen. So wurden von privaten Trägerschaften gemeinnützige Vereine und andere Institutionsformen gegründet, um in den Quartieren genügend Plätze anbieten zu können. Der Bedarf war gross und die Wartelisten lang. Heute sind diese kurz geworden und das habe sich, so Susanne Tschopp, in den letzten zwei Jahren sogar schneller verändert als erwartet. Studien weisen sogar auf drohende Überkapazitäten hin. So zeigt die vom Kanton Zürich in Auftrag gegebene Obsan-Studie auf, dass alleine in der Stadt Zürich bis in 20 Jahren 880 Alterszentrums-Plätze zu viel vorhanden sein werden. Warum das? Die Menschen werden zwar stetig älter, doch wollen und können sie, Dank gut ausgebauten Spitexdiensten und altersgerecht gebauten Wohnungen, immer länger zu Hause im gewohnten Umfeld bleiben. Folglich müssten also Betten abgebaut oder Altersheime zu anderen Wohnformen für das Alter umgebaut werden. Doch bis 2028, so der Masterplan der städtischen Alterspolitik, sollen 18 städtische Altersheime saniert und drei Ersatzneubauten entstehen. Gesamtkosten: rund 600 Millionen Franken. Das Volk, das dazu regelmässig an der Urne seinen Segen geben muss, stimmt diesen Krediten ausnahmslos mit grosser Mehrheit zu. Logisch, denn wem käme es schon in den Sinn, bei alten Menschen sparen zu wollen?

Die Mitglieder der iga befürchten indes, dass sie in diesem Spiel die Verlierer sein werden, das wurde auch in der Podiumsdiskussion deutlich. Während die Stadt allfällige Defizite infolge Überkapazitäten einfach auf die Steuerzahlenden abwälzen könne, müssten sie, die privaten Trägerschaften, um ihr Überleben bangen. Auch ärgert man sich bei der iga um ein letzten Dezember eingereichtes Postulat der SP, das verlangt, die Gebühren in der den städtischen Altersheimen nicht zu erhöhen und Defizite aus den Haushaltsüberschüssen zu finanzieren. Es werde nicht mit gleich langen Spiessen gearbeitet, war der Grundsatz-Tenor auf dem Podium: Die Stadt könne aus vollen Töpfen schöpfen, während die privat-gemeinnützigen Altersheime eng rechnen müssen und Vorstandsmitglieder und andere in der Regel ehrenamtlich arbeiten. Gleich lange Spiesse würde heissen, dass die städtischen Altersheime ebenfalls ohne Defizitgarantien auskommen müssten, wurde festgehalten.

Gestörte Kommunikation

Als Beispiel einer schlechten Planung, und vor allem einer schlechten Kommunikation, erzählte Martin Lang, wie es ihnen in Seebach bei der Sanierung des Altersheims Grünhalde ergangen ist: Man habe vorgängig bei der Stadt angefragt, ob sie in Seebach etwas plane. Dies sei verneint worden. Kurze Zeit später habe er zufällig erfahren, dass die Stadt in Seebach ein Heim bauen wolle. «Die Stadt baut und renoviert mit Steuergeldern, wir müssen auch sanieren, wissen aber nicht, ob wir die Betten danach auch noch besetzen können», brachte Lang die Problematik auf den Punkt.
Und die Kommunikation zwischen der Stadt und der iga sei während der Amtszeit der zurückgetretenen Stadträtin Claudia Nielsen völlig abgebrochen. Während man sich damals unter Stadtrat Robert Neukomm noch jährlich zum Austausch getroffen habe, sei dies die letzten Jahre nicht mehr möglich gewesen, fügte Susanne Tschopp an. Nun, so schloss das Podium, wolle man mit dem oder der neuen Amtsträgerin sobald wie möglich wieder das Gespräch suchen – und abwarten, was zwei von der FDP und der CVP eingereichte Vorstösse mit Fragen zur städtischen Altersheimpolitik bringen.

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