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Stadt

Unterhaltsame Führung auf dem Berg

11. Januar 2017 von

Foto: Patricia Senn

Das HCI Gebäude bei Nacht.

Foto: Michel Jaussi

Aussicht vom Gebäude HPP.

Von

Online seit
11. Januar 2017

Printausgabe vom
12. Januar 2017
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Die ETH Zürich öffnet während des Semesters jeden Dienstagabend ihre Pforten und lädt interessierte Besucher ein, die ETH zu entdecken. Der «Höngger» nahm die Einladung an.

Unerwartet viele Interessierte hatten sich an diesem kalten Winterabend beim Joseph-von-Deschwanden-Platz auf dem Hönggerberg eingefunden. Gleich zu Beginn musste der Masterstudent, der die Führung leiten würde, die schlechte Nachricht überbringen, dass es an diesem Abend keine Besichtigung des Spiegelteleskops am Institut für Astronomie geben würde. Die Enttäuschung stand einigen ins Gesicht geschrieben, doch bevor sich jemand dazu entscheiden konnte, die Gruppe wieder zu verlassen, führte der gebürtige Vorarlberger alle an die Wärme, nämlich ins Chemiegebäude, besser bekannt unter dem Kürzel HCI.

Das teuerste Gebäude in Schweizer Besitz

Das Gebäude mit seinen charakteristischen fünf Fingern, das so lange ist, wie der Prime Tower hoch, ist das grösste und teuerste Gebäude, das sich zurzeit in Schweizer Besitz befindet. Der Bau kostete 700 Millionen Franken ─ halb so viel wie ursprünglich budgetiert worden war. Alleine die elegante Wendeltreppe aus Stahl, die hinauf in die neue Mensa führt, ist eine Million wert. Prestige verpflichtet. Im wundervoll gezimmerten Hörsaal beantwortete der junge Mann, der selber einen Master in Mathematik absolviert, alle Fragen bezüglich Studium und Studentenleben. Das heisst, nicht alle, denn bei manchen zeigte der Student Mut zur Lücke – was die Führung umso sympathischer machte. Es waren auch weniger die Zahlen und Fakten, die interessierten, denn wer will, kann diese auch auf der offiziellen Website der Hochschule nachlesen. Viel spannender war der Gang durch die endlosen Flure des Chemiegebäudes, mit den unzähligen Türen, hinter denen sich weitere endlose Flure und unzählige Türen befinden ─ Stoff, aus dem die Horrorfilme der 90er Jahre sind. «Die Chemieabteilung ist die gefährlichste hier auf dem Campus», erzählt der Gruppenführer gerade. Die Sicherheitsmassnahmen sind hoch, alle paar Meter ist ein ganzes Brandschutzset in die Wand eingelassen, in den Laboren herrscht Unterdruck und es findet ein ständiger Luftaustausch statt. Ein- bis zweimal im Jahr gibt es einen scharfen Alarm. «Und irgendwo im Haus soll es einmal ein Original Irisches Pub gegeben haben, so die Legende», verrät der Mathestudent.

Die Stadt in der Stadt

Weiter geht es zum Sportzentrum Smaragd, welches 2010 gebaut, ein Jahr darauf aber zu grossen Teilen vom Hochwasser zerstört worden war und noch einmal gebaut werden musste. Wer viel Kopfarbeit leistet, braucht einen körperlichen Ausgleich. Der Akademische Sportverband Zürich (ASVZ), dem auch die Universität angehört, bietet eine unglaubliche Bandbreite von Sportarten: Von Yoga über Manege bis hin zu Windsurfing oder Segeln kann man alles ausprobieren. Nicht nur das sportliche Angebot ist riesig. Als die Gruppe vom Dach des HPP ─ die Abkürzung für «Höngg Physik Praktikum» ─ die eindrückliche Aussicht auf Zürichs Lichtermeer aufsaugt, wird sichtbar, wie weit die Stadt auf dem Hügel bereits gediehen ist. Kürzlich sind 900 Studierende aus aller Welt in die beiden neuen Wohnsiedlungen eingezogen. Es gibt eine Poststelle, Restaurants und Cafés und den kleinsten, aber auf die Fläche umgerechneten umsatzstärksten Coop der Schweiz ─ nicht zu verwechseln mit einem Coop Pronto. Donnerstags bieten diverse Food-Trucks ihre Waren feil, jeden zweiten Mittwoch wird ein Film aufgeführt. Kindergarten und Kinderhort gehören so selbstverständlich dazu wie die zahlreichen Bibliotheken. In der «Science City» soll nicht nur geforscht werden, sondern auch gelebt.

Von Enten und Eichen

Ein Pfad führte vorbei an einem der vier Alpengärten und einem fast zugefrorenen Teich, der in der Dunkelheit des Albert-Steiner-Gartens schimmerte. Nicht aus diesem Teich kamen die angefütterten Enten nicht mehr raus und verendeten tragisch ─ eine weitere Geschichte, die der Student zu erzählen wusste ─ doch es muss ein anderer Teich gewesen sein, mit steilem Bord. Schliesslich endete die unterhaltsame Führung vor einer alten Eiche und mit einer letzten Anekdote: Als die ETH vor über 100 Jahren das Stück Land erstand, bestand der damalige Besitzer, ein Bauer, darauf, dass der Baum erhalten bleiben sollte. Und so geschah es. Der Rest ist Geschichte.

Die kostenlosen Führungen der ETH Zürich finden während des Semesters jeweils am Dienstagabend von 18.15 bis 19.15 Uhr an verschiedenen Standorten statt. Weitere Informationen unter www.ethz.ch. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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