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Umfrage Höngg: Ein Ergebnis ohne Folgen?

10. Dezember 2014 von

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Online seit
10. Dezember 2014

Printausgabe vom
11. Dezember 2014
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Die zweite Studie innert zwei Jahren zum Themenbereich «Zufriedenheit in und mit Höngg» zeigte: «Man ist zufrieden» − und trotzdem können Massnahmen zur Verbesserung genannt werden. Bloss setzt sie niemand gemeinsam um: Das «Netzwerk Höngg» konnte sich nicht konstituieren.

Ende 2012 wurde unter dem Patronat des Vereins Handel und Gewerbe Höngg (HGH) die grosse Umfrage zum Thema «Höngg – quo vadis?» lanciert und im Januar 2013 durchgeführt. Der «Höngger» informierte später über die Ergebnisse (siehe Infobox).
Die Arbeitsgruppe, welche jene Studie ausgearbeitet hatte, traf sich weiterhin unter dem nichtoffiziellen Namen «Netzwerk Höngg». Anfänglich von engagierten Personen aus dem Umfeld des HGH dominiert, stiessen Schritt für Schritt weitere aus anderen Höngger Vereinen, Institutionen und der Politik hinzu – alle nicht als offizielle Vertretung ihrer Organisation, sondern lediglich in Botschafterfunktion. Man wollte dabei und informiert sein, ohne sich gleich festzulegen.
Zusammen wollte man die Voraussetzung schaffen, um die Bedürfnisse der Höngger Bevölkerung zu erkennen, den Austausch zu fördern und Aktivitäten zu koordinieren. Alles mit dem Ziel, die Besonderheiten und das Image von Höngg auch längerfristig positiv zu prägen.
Vor diesem Hintergrund führten vier im Departement Wirtschaft der Kalaidos Fachhochschule Schweiz Studierende zwischen Juli und Ende August dieses Jahres im Auftrag des «Netzwerks Höngg» eine Online-Umfrage durch, um die Ergebnisse der ersten Umfrage zu präzisieren.

Nicht repräsentativ, trotzdem wertvoll

320 vollständig ausgefüllte Fragebögen konnten die Studierenden auswerten, was sie als «eine ordentliche Stichprobe» sehen, die aber «wissenschaftlich nicht als repräsentativ gewertet werden kann». Die Ergebnisse, ausgewertet in einer 29-seitigen Präsentation und einem 64-seitigen Marketingkonzept unter dem Titel «Stärkung des „Wir-Gefühls“ der Höngger Bevölkerung» sind trotzdem interessant.
Als Fazit heisst es da: «Das Produkt- und Dienstleistungsangebot bildet das grösste Defizit, welches aber mit kreativen Lösungen angesprochen werden könnte» und weiter: «Fakt ist auch, dass die Bevölkerung sich mit dem Quartier identifiziert. Die Einwohner sind grundlegend mit Höngg und der gebotenen Wohnqualität zufrieden.» Verbesserungen seien jedoch für die Altersgruppe 25 bis 50 nötig: «Hierzu müssen kreative Einkaufsmöglichkeiten geboten, die Verkehrssituation angegangen und die Strukturen und das Marketing gefördert werden.»
Die Datenauswertung ergab weiter, dass die Wohnqualität der wichtigste Einflussfaktor auf die Zufriedenheit ist – in Höngg wird die Wohnqualität sehr geschätzt. Die Studierenden folgern, dass dies vermarktet werden müsste. Die Quintessenz sei, die Bevölkerung auf die bestehenden, gebotenen Stärken zu sensibilisieren und mit der Redensart «Warum in die Ferne schweifen, das Gute liegt so nah» zu konfrontieren.

Die Studie verrät im Detail auch anderes

So zeigen zum Beispiel «Wortwolken» − Ansammlungen von Wörtern, in denen häufig genannte Begriffe grösser erscheinen als andere −, grafisch auf, wo Höngg der Schuh drückt. Auch wenn die Erkenntnis nicht neu ist, aber es stechen die Worte «Meierhofplatz», «Verkehr», «Verkehrssituation», «Zentrum» und «fehlt» hervor. Auf der Positivseite sind es dafür Begriffe wie «Lage», «Nähe», «Wald», «Aussicht», «Stadt», «Limmat», «Werdinsel», «Hönggerberg», «Dorfcharakter» und Ähnliches. Ebenfalls in Wortwolken wird aufgezeigt, wie aus Sicht der Antwortenden die Verbundenheit mit Höngg weiter gesteigert werden könnte. Hier stechen die Begriffe «Vereine», «Kinder», «Restaurants», «Cafés», «Einkaufsmöglichkeiten», «Meierhofplatz», «Junge» und «Treffpunkt» hervor. «Der Meierhofplatz», so werten die Studienverfasser aus, «wird von den meisten als Kernproblem genannt.» Als Massnahme wird angeregt, den Platz allgemein «politisch im Fokus zu behalten» oder, etwas konkreter, es seien «autofreie Sonntage, abends Tempo 30 und bauliche Massnahmen» zu prüfen. Doch zu diesen Problemzonen ist die Stadt Zürich im Rahmen des «Mitwirkungsprozesses Verkehr Kreis 10» seit längerem am Abklären, ohne bislang greifbare Ergebnisse liefern zu können (siehe «Höngger» vom 20. November 2014).

Ideen und Massnahmen, aber kein «Netzwerk Höngg»

Die Kalaidos-Studie nennt in einigen Bereichen interessante Lösungsansätze. Das daraus abgeleitete Marketing-Konzept der Studierenden hält zu Recht fest, dass Höngg ein hervorragendes Fundament für den zukünftigen Erfolg als Vorzeigebezirk in Zürich hat und sicherlich nicht in einer schlechten Verfassung ist. Sie empfehlen, «einen Dachverband zu schaffen, welcher sich nicht an konkreten „Mikro-Zielwerten“ orientiert wie eine Partei oder ein Handel- und Gewerbeverein, sondern sicherstellt, dass übergreifende Marketingmassnahmen weiter vorangetrieben werden und konkrete Massnahmen nach aussen getragen werden».
Doch Höngg steht nun wie bereits nach der HGH-Umfrage vor der Frage, wer sich an die Umsetzung dieser Ziele macht. Und mit welcher Legitimation. Dies zu klären, war das Ziel des «Netzwerks Höngg». Doch die Geschichte kam anders. An zahlreichen Sitzungen wurde über Sinn, Zweck und Zusammensetzung des als Verein geplanten Netzwerks gerungen. Dabei war die Skepsis, um nicht zu sagen Angst, der beiden grossen Höngger Vereine − des Quartiervereins und des HGH – vor einer Konkurrenzorganisation unüberhörbar. Schliesslich einigte man sich darauf, das Netzwerk als «Think-Tank» zu verstehen, der lediglich Bedürfnisse aufgreift, thematisiert und jene vernetzt, welche bereit sind, etwas umzusetzen Doch auch dagegen entstanden Bedenken. Als sich dann auch noch die beiden letzten Botschafter des HGH aus dem kurz vor der offiziellen Vereinsgründung stehenden «Netzwerk Höngg» zurückzogen, war die Luft draussen. Ein auf den 20. November angesetzter Podiumsabend wurde kurzfristig abgesagt. An der letzten Sitzung am 4. November wurde von einzelnen Privatpersonen und Vertreterinnen und Vertretern aus der Politik geäussert, man wolle einzelne Massnahmen auf anderer Ebene thematisieren und konkretisieren. So zum Beispiel einen Weihnachtsmarkt oder einen eigentlichen Dorfplatz. Auch hat der Botschafter des Quartiervereins (QVH) angekündigt, dass gewisse Ideen auch vom QVH weiter verfolgt werden können.

Die Studienergebnisse und das daraus abgeleitete Marketingkonzept sind hier abrufbar.
Die Artikel zur HGH-Umfrage und andere zum Themenbereich sind im Dossier «Höngg – Quo vadis?» unter www.hoengger.ch, Archiv, Dossiers abrufbar.

Kommentare

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15. Dezember 2014 um 17:17 Uhr von Tiziana Werlen Oberti

Ja, das Netzwerk ist auf der Intensivstation! Hat es auch genügend motiviertes „Pflegepersonal“ um die bestehende Situation zu verbessern?

15. Dezember 2014 um 12:23 Uhr von Isabelle Nuenninghoff

…. sondern sagt in Ihrem Fall auch viel über den Verfasser.

Ich für meinen Teil möchte mich bedanken für das ausführliche Update, vor allem aber für Hrn. Haffners persönliche Reflexion zur Höngger Situation. Ich schätze seinen gewohnt offenen und direkten, gleichzeitig feinfühligen Stil. Was ich aber beim aktuellen Kommentar besonders schätze, ist die ehrliche Selbstreflexion, die ja in heutigen Zeiten wirklich Seltenheitswert hat. Das hat mich wirklich berührt. Chapeau & frohe Festtage.

15. Dezember 2014 um 12:19 Uhr von Isabelle Nuenninghoff

Hr. Zbinden, sind Sie sicher, dass sich Ihr Kommentar auf die Kaleidos Studie und den Statusbericht vom „Netzwerk Höngg“ bezieht? Denn weder lese ich dort grosses Jammern noch Höngg als Nabel der Welt (die von Ihnen gewählte Redewendung verbittet sich für mich nicht nur aus geschichtlicher Sicht). Und vielleicht hätte ein Blick in den Kommentar von Hrn. Haffner und seine selbstkritische und offene Stellungnahme Sie zu einer anderen Wortwahl inspirieren können. Der Ton macht nicht nur die Musik..

10. Dezember 2014 um 17:29 Uhr von Claudio Zbinden

Wann merken Sie endlich, dass dieses ständige Jammern auf hohem Niveau Ihr eigenes Luxusproblem ist? „Höngg über alles“ ist in Anbetracht der heutigen Weltprobleme mit Globalisierungsthematiken einfach nur noch peinlich.
Der Kopf dieses Gejammers, Verantwortlicher des Quartierblatts, müsste vielleicht einfach mal einen Schritt aus dem Quartier machen.

mfg
C. Zbinden