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Dossier Am Wasser/Breitensteinstrasse

Tram 17 bleibt – und befriedigt dennoch nicht

4. Oktober 2012 von

Foto: Fredy Haffner

Ab und bis hier, an der Haltestelle Hardturm, wird der 17er ab Ende 2016 zu Stosszeiten zum Hauptbahnhof verkehren.

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4. Oktober 2012

Printausgabe vom
04. Oktober 2012
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«Kommt und wehrt euch!», hatten Flugblätter zum Widerstand gegen die auf 2016 geplante Änderung der Streckenführung der Linie 17, ehemals 4, aufgerufen. Folglich war die Stimmung an der Info-Veranstaltung der VBZ aufgeheizt und der «Primeur», den Stadtrat Andres Türler präsentieren konnte, vermochte kaum zu besänftigen.

Es gibt für einen Stadtrat Angenehmeres, als sich in einem Saal vor 170 vorwiegend aufgebrachte Personen zu stellen, die sich mit der ebenfalls unangenehmen Tatsache konfrontiert sehen, dass ihnen die direkte öV-Verbindung mit dem 17er zum Hauptbahnhof genommen wird. Davon sind auch jene Hönggerinnen und Höngger betroffen, die näher am 17er als am 13er wohnen. Soweit die Ausgangslage an diesem Dienstagabend, 25. September, im Vortragssaal der Wasserversorgung Hardhof, als die VBZ das neue Linienkonzept vorstellten. Im Vorfeld hatten sich verschiedene Quartiervereine und Interessengemeinschaften in einem offenen Brief an Stadtrat Türler gewandt. Stein des Anstosses: Die Linie 17, ehemals 4, soll Ende 2016 zur Verlängerung der Linie 8 werden und von der Grünau zum Escher-Wyss-Platz führen, dort rechts bis zur Pfingstweidstras se unter und von dort aus auf der Hardbrücke fahren, um den gleichnamigen Bahnhof zu bedienen. Via Hardplatz geht es dann auf der gewohnten Streckenführung des 8ers weiter. Der Hauptbahnhof wird nicht angefahren. Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) und die VBZ sehen in dieser Linienführung viel Positives: Der 8er habe ab Bahnhof Hardbrücke S-Bahn-Anschluss ins ganze Kantonsgebiet und werde dank der Verbindung zum See, zu Üetliberg-, Forch- sowie Dolderbahn zur «idealen Ausflugslinie». Dank Verbindung zu den Kreisen 4 und 5 sei er auch eine «ideale Verbindung für Nachtschwärmer» – was die Menschen im Saal, vorwiegend aus der Grünau und den Bernoulli-Häusern, wenig interessiere. Für sie zähle nur eines: Sie kommen künftig nicht mehr ohne Umsteigen zum Hauptbahnhof.

Der ZVV, ein Spinnennetz

Entsprechend zahlreich waren die Zwischenrufe und empörten Voten, und so musste Türler mehrfach an den allgemeinen Anstand gemahnen, damit er selbst und Jacques Baumann, Bereichsleiter Markt VBZ, die Hintergründe der neuen Streckenführung erläutern konnten. Neuer Bus? Am 27. Juni 2012 wurde ein Postulat der Gemeinderäte Guido Trevisan (GLP) und Florian Utz (SP) mit 97 zu 22 Stimmen an den Stadtrat überwiesen, das verlangt, die Einführung einer Buslinie auf der Route Hauptbahnhof – Am Wasser – Rütihof zu prüfen. Damit würde das Gebiet entlang der Achse Am Wasser/Breitensteinstrasse besser an den öV angeschlossen und die Buslinie 46 könnte entlastet werden. Der Stadtrat hat bis Ende Juni 2014 Zeit, das Anliegen zu prüfen und das Ergebnis dem Gemeinderat zu präsentieren. Sache ist: Der Kanton respektive der ZVV bestellt die Leistungen des öffentlichen Verkehrs und bezahlt sie auch. Die VBZ definieren ein gewünschtes Angebot und der ZVV kann es bewilligen oder nicht. «Wir setzen uns dauernd für Ihre und die städtischen Anliegen beim Kanton ein», betonte Türler, «beissen aber oft auf Granit. Und das Leintuch wird nicht grösser, die finanziellen Ressourcen sind beschränkt.» Ebenfalls ein Fakt ist, dass es mit dem öffentlichen Verkehr in Zürich ähnlich ist wie bei einem Spinnennetz: Rührt man an einen der Fäden, oder eben Linien, dann bewegt es sich im ganzen Netz. So betrachtet ist der Zürcher Hauptbahnhof der Ort, an dem die Spinne sitzt, an der niemand vorbeikommt, ob man will oder nicht. Genau dem wollen ZVV und VBZ entgegenwirken, denn der Bahnhof selbst, besonders aber auch die Tram- und Buslinien, die im Minutentakt den Bahnhofplatz queren, stossen an Kapazitätsgrenzen. Es braucht nicht immer eine steckengebliebene Tunnelbohrmaschine wie im April 2009, um dieses Zentrum und mit ihm das ganze ZVV-Netz lahmzulegen, eine einfache Weichenstörung reicht. Die Mittel zur Entlastung sind jedoch im Bau: Die neue Durchmesserlinie geht Ende 2015 in Betrieb, der Bahnhof Oerlikon wird dannzumal zwei Geleise mehr haben und der neue Bahnhof Löwenstrasse wird auch in Betrieb sein. Auch der Bahnhof Stadelhofen sollausgebaut werden und der Bahnhof Hardbrücke, der heute bereits täglich 40’000 Fahrgäste zählt, soll ebenfalls neu gestaltet werden. All dies – auch wenn so nicht direkt ausgesprochen – mit dem Ziel, nur noch jene Passagiere über den Hauptbahnhof zu führen, die auch wirklich dorthin müssen. Aufgabe der VBZ in diesem Plan ist es, den Raum Hauptbahnhof durch neue Tangentiallinien wie eben die geplante Linie 8 zu entlasten.

Tram Zürich-West, seiner Zeit voraus

Auch das Tram Zürich-West, die neue Linie 4 bis zum Bahnhof Altstetten-Nord, hilft, dieses Ziel zu erreichen, ist aber heute ab Escher-Wyss-Platz stadtauswärts noch schlecht ausgelastet. Doch dies wird sich bald ändern: Die Hochschule der Künste auf dem Toni-Areal wird nächstens bezogen und rund 2500 Studierende beherbergen. Weitere Büro- und Wohnbauten sind im Bau und werden für viele Fahrgäste sorgen, vom neuen Hardturmstadion, falls es denn je gebaut wird, ganz zu schweigen. An anderen Orten, man denke zum Beispielan die Neubaugebiete in Affoltern, wirft man VBZ und ZVV vor, nicht rechtzeitig genügend öV-Anschlüsse gebaut zu haben: Bis diese Gebiete vernünftig erschlossen sind, wird es noch dauern. Es ist befremdlich, nun den Verantwortlichen vorzuwerfen – wie einige Voten dies taten; man habe mit dem Tram Zürich-West eine Linie gebaut, die noch gar nicht benötigt werde.

Tram 17 bleibt und entlastet

Die Stimmung im Saal war so angespannt, dass selbst der «Primeur», den Andres Türler zu Beginn des Abends angekündigt hatte, keine Entlastung brachte. Als Jacques Baumann verkünden konnte, dass der 17er – auch um die Linien 4 und 13 auf der Limmatstrasse zu entlasten – trotz ursprünglich anderer Planung nun doch bleibt und zu den Stosszeiten von 6.30 bis 8.30 und 16.30 bis 18.30 Uhr zwischen Hauptbahnhof und Hardturm verkehrt, war dies den Anwesenden zu wenig. Für sie, denen der Limmatplatz zum Dorfzentrum wurde, wie es eine ältere Frau ausdrückte, muss dieser Ort den ganzen Tag ohne Umsteigen erreichbar sein. Der Betrieb während den Stosszeiten diene nur den Berufspendlern, nicht den Bewohnern. «Ich verstehe, dass dies für Sie nur ein kleiner Trost ist», betonte Türler, «und ich hoffe, dass der Kanton das Bedürfnis nach einer direkten Verbindung von der Grünau zum Hauptbahnhof eines Tages erkennt und reagiert, ich will und kann Ihnen aber hier keine Versprechungen machen.» Zusagen konnte er hingegen, dass die Buslinie 78 – Bändliweg, Bahnhof Altstetten, Lindenplatz, Farbhof – ab 2015 im 7,5-Minuten-Takt bedienen soll, also doppelt so häufi g wie heute. Nach zwei aufregenden Stunden war der Informationsteil zu Ende. Beim anschliessenden Apéro im Foyer ging das Argumentieren pro und Kontra hingegen weiter.

Neuer Bus?
Am 27. Juni 2012 wurde ein Postulat der Gemeinderäte Guido Trevisan (GLP) und Florian Utz (SP) mit 97 zu 22 Stimmen an den Stadtrat überwiesen, das verlangt, die Einführung einer Buslinie auf der Route Hauptbahnhof – Am Wasser – Rütihof zu prüfen. Damit würde das Gebiet entlang der Achse Am Wasser/Breitensteinstrasse besser an den öV angeschlossen und die Buslinie 46 könnte entlastet werden. Der Stadtrat hat bis Ende Juni 2014 Zeit, das Anliegen zu prüfen und das Ergebnis dem Gemeinderat zu präsentieren.

 

Die Haltestelle Zwielplatz stadteinwärts ist noch nicht fertiggestellt: Es fehlt die Wartehalle und Sitzbank wie Billettautomat stehen erst provisorisch. Auf Nachfrage des «Hönggers» teilte VBZ-Mediensprecherin Daniela Tobler als Grund mit, dass die Eigentümer der angrenzenden Liegenschaft Limmattalstrasse 223 im Zuge des Gebäude umbaus beabsichtigen, ein Vordach an ihrem Haus anzubringen, das in Zukunft gleichzeitig auch die VBZ-Wartehalle ersetzen soll: «Dazu haben die VBZ und die Eigentümer der Liegenschaft eine entsprechende Vereinbarung getroffen, über deren Inhalt wir allerdings keine weiteren Auskünfte geben können.» Die Realisierung sollte zirka innerhalb eines Jahres abgeschlossen werden können.

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