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Dossier Am Wasser/Breitensteinstrasse

«Tempo 30 nachts» als Pilotversuch

16. Januar 2014 von

Foto: Fredy Haffner

Tempo 30 an der Strasse Am Wasser: Drei Monate lang soll zwischen Europabrücke und Wipkingerplatz nachts getestet werden, wie sich die Lärmimmisionen reduzieren lassen.

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16. Januar 2014

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16. Januar 2014
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Die am 8. Januar von der Stadt Zürich publizierten Pilotversuche mit «Tempo 30 nachts» zeitigten kontroverse Reaktionen. Ob die Versuche, einer davon auf der Achse Am Wasser/Breitensteinstrasse, planmässig am 1. Juli starten, ist jedoch alles andere als gewiss.

«Der Stadtrat hat im Juni 2013 im Rahmen der Strassenlärmsanierung entschieden, auf vier überkommunalen Strassenabschnitten die Wirkung von ‹Tempo 30 nachts› (22 bis 6 Uhr) in einem Pilotversuch zu prüfen», hiess es am 8. Januar in der Medienmitteilung der Dienstabteilung Verkehr (DAV). Man wolle Erkenntnisse gewinnen, inwiefern so eine Reduktion der übermässigen Lärmimmissionen zu erzielen sei. Und: «Mit ‹Tempo 30 nachts› wird angestrebt, in Wohngebieten entlang von Hauptstrassen und anderen wichtigen Achsen einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Wohnqualität entlang dieser Strassen zu leisten, ohne dass unverhältnismässige Reisezeitverlängerungen entstehen», schreibt die DAV weiter.

Nachts mit 30 der Limmat entlang

Getestet werden soll gemäss amtlicher Ausschreibung von Juli bis September auf Teilstücken der Albis-, der Mutschellen-, der Hardstrasse sowie auf der Dübendorfer-/Winterthurerstrasse und im Kreis 10 auf der Achse Am Wasser/Breitensteinstrasse durchgehend von der Europabrücke bis zum Wipkingerplatz. Um die Auswirkungen und den Nutzen von «Tempo 30 nachts» auswerten zu können, erfolgen vor und während des Versuchs Messungen des Verkehrs und der Lärmimmissionen.

Freude hier. . .

Grosse Erleichterung löste die Mitteilung bei der Interessengemeinschaft Am Wasser/Breitensteinstrasse (IGAWB) aus, die sich seit Jahren vehement für eine Verkehrsberuhigung einsetzt: «Mit dieser Ausschreibung kommt die DAV unserer Forderung nach Tempo 30 ein wesentliches Stück näher», freut sich Präsident Martin Zahnd und gibt der Hoffnung Ausdruck, dass nun alle diesen Sommer bis 6 Uhr ruhig schlafen können. Und er dankt den Gemeinderäten Florian Utz (SP) und Guido Trevisan (GLP), die mit ihrem Postulat «Einführung von Tempo 30 auf der Strasse Am Wasser/Breitensteinstrasse» einen Grundstein gelegt hätten, denn: «Tempo 30 nachts wird von uns als Teillösung gesehen. Auf das extrem hohe Verkehrsvolumen, den Gestank und den Lärm in den übrigen 16 Stunden wird es keine Auswirkungen haben. Deshalb fordern wir weiterhin die Umsetzung des Postulats und die generelle Einführung von Tempo 30 auf der Achse Am Wasser/ Breitensteinstrasse.»

. . . und Unmut da

Weniger Freude herrscht namentlich beim Automobil Club der Schweiz (ACS) und dem Touring Club Schweiz (TCS). Sie hatten umgehend Einsprachen angekündigt: «Der ACS wird definitiv Einsprache gegen die geplanten Pilotversuche mit ‹Tempo 30 nachts› in der Stadt Zürich machen, zusammen mit dem TCS», bekräftigte ACS-Geschäftsleiter Lorenz Knecht am 10. Januar dem «Höngger» gegenüber. Dies bedeutet, dass es sehr wahrscheinlich nichts wird mit dem ruhigen Schlaf diesen Sommer auf der Achse Am Wasser/ Breitensteinstrasse. Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe sind die angekündigten Einsprachen zwar noch nicht eingegangen, doch die Frist läuft noch. «Ob diese Verbände dann auch wirklich Einsprachen platzieren, wird sich in den nächsten Tagen zeigen», liess der DAV-Kommunikationsverantwortliche Heiko Ciceri wissen. Die DAV würde solche Einsprachen sehr bedauern, denn sie ist überzeugt, die Versuche würden sowohl für Befürworter wie Gegner wichtige Erkenntnisse liefern. «Mit Einsprachen aber», so Heiko Ciceri, «ist der Versuchsstart am 1. Juli de finitiv stark gefährdet. Und bei Rechtsmittelverfahren lässt es sich leider nicht abschätzen, wie lange diese jeweils dauern.» Entscheidend ist dann, durch wie viele Instanzen ein Verfahren weitergezogen wird und wie speditiv die jeweiligen Gerichtsurteile gesprochen werden. 

 

Kommentar:

Zukunft mit Inhalt

Man mag über Tempo 30 auf Durchgangsachsen wie jener Am Wasser/ Breitensteinstrasse getrost geteilter Meinung sein. Nebst Befürwortern findet man in Höngg wohl selbst entlang der Limmat Gegner. Tatsache ist, dass bereits vor 25 Jahren der damalige Quartiervereinsvorstand zur Strasse Am Wasser festhielt: «Auch hier (wie an der Winzerstrasse, Anm. der Red.) hat das Verkehrsaufkommen die oberste Grenze erreicht. Wir werden die Entwicklung im Auge behalten.» Und? Gibt es heute weniger Verkehr als damals? Wohl kaum. Nun hat die Dienstabteilung Verkehr (DAV) einen dreimonatigen Testversuch mit «Tempo 30 nachts» ausgeschrieben. Die begleitenden Verkehrszählungen und Lärmmessungen sollen Fakten liefern, um das weitere Vorgehen zu bestimmen. Fakten, die sowohl Befürwortern wie Gegnern Argumente liefern dürften. Doch bereits gegen den Testversuch haben ACS und TCS Einsprachen angekündigt und werden sie wohlauch einreichen. Da ist natürlich ihr gutes Recht. Doch ist es sinnvoll? Nein. Wer versucht, bereits Testbetriebe zu verhindern, ist nicht wirklich an einer Lösung interessiert. Wäre man dies, dann müsste man die Testergebnisse und ihre Folgen abwarten. Folgen wie zum Beispiel eine de finitive Einführung von Tempo 30 nachts oder wie die Gegner befürchten sogar generell müssten erneut ausgeschrieben werden − und dann wären Einsprachen noch immer legitim. Und vielleicht mit Fakten untermauert. Die DAV ist in Höngg schon mal mit einem Testversuch bereits vor der Umsetzungsphase gescheitert: Mit dem Verkehrskonzept Meierhofplatz, das dort ein Rechtsabbiegegebot von der Regensdorfer- in die Limmattalstrasse vorsah. Ausgeschrieben wurde am 25. August 2010 ein einjähriger Testbetrieb – der dann nach diversen Einsprachen abgeblasen wurde. Wäre er durchgeführt worden, so hätte man heute längst Fakten und es ist sehr gut möglich, dass diese gegen die Pläne der DAV gesprochen hätten. Was aber haben wir heute? Man ist gleich weit wie eh und je am Meierhofplatz. Erst langsam kommt die Diskussion wieder in Bewegung. Bis sie im Verkehr ankommt, wird es noch dauern. Die genau gegenteilige Ausgangslage ergab sich im Zusammenhang mit der noch umzusetzenden Sanierung der Limmattalstrasse zwischen Wartau und Winzerstrasse. Dort hatten Anwohner von der DAV verlangt, sie möge die geplante Zusammenlegung von öffentlichem und privatem Verkehr stadtauswärts auf die selbe Spur doch mit einem Versuchsbetrieb testen. Die DAV lehnte ab und es kam prompt zu Einsprachen gegen die Bauausschreibung. Was zeigt, dass ablehnende Haltungen gegen- über Testbetrieben nicht nur eine Sache von Verbänden wie ACS, TCS oder anderen Interessenvertretern sind, sondern auch von Ämtern. Vielleicht stünde etwas mehr Vertrauen in die jeweilige «Gegenseite» und Mut zum Experiment allen Beteiligten gut an. Das Argument, dass was einst als Provisorium begann, später zum Dauerzustand wird, sollte trotz anderenorts gemachten Erfahrungen ebenso wenig zählen wie das Bonmot, man solle nur Statistiken trauen, die man selbst gefälscht hat. Das wird zwar meistens Churchill zugeschrieben, doch selbst das ist umstritten. Einsprachen erlaubt.

Fredy Haffner Redaktionsleiter «Höngger»

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