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«Stau, schau, wem?» − der Verkehr im Kreis 10

17. November 2014 von

Foto: Fredy Haffner

Das alltägliche Chaos zu den Hauptverkehrszeiten in Höngg.

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Online seit
17. November 2014

Printausgabe vom
20. November 2014
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Am 17. September 2013 informierten die Dienstabteilung Verkehr (DAV) und das Tiefbauamt der Stadt Zürich über den Stand der ersten internen Abklärungen zum Thema «Mitwirkungsprozess Verkehr Kreis 10». Am 4. November 2014 folgte die Information zum «Stand der Empfehlungen».

17 Empfehlungen hatten die rund 30 Mitwirkenden – Vertreterinnen und Vertreter der politischen Parteien, Quartier- und Gewerbevereine, Interessengemeinschaften, Kirchgemeinden und Einzelpersonen aus Höngg und Wipkingen – damals während des Mitwirkungsprozesses zum Thema «Verkehr Kreis 10» entwickelt. Brennpunkte und Lösungsansätze waren diskutiert und an den damals noch zuständigen Stadtrat Daniel Leupi überreicht worden, wie der «Höngger» berichtete.

Klassierung als Verbindungsstrasse bleibt

Aus der Anregung, die Strasse abzuklassieren und damit den Weg frei zu machen, um Tempo 30 durchgehend einzuführen, wird nichts. Der Zwischenbericht dazu: «lm Rahmen der Gesamtrevision des regionalen Richtplans aus dem Jahr 2000 hat die Stadt Zürich die Klassierung der überkommunalen Strassenabschnitte beurteilt. Für die Achse Am Wasser/Breitensteinstrasse empfiehlt sie im Einvernehmen mit dem Kanton, die regionale Klassierung als Verbindungsstrasse zu belassen, da keine leistungsfähige Alternativrouten bestehen.

Tunnel ab Europabrücke?

Eine Entlastung durch einen Tunnel ab der Europabrücke solle geprüft werde, so eine weitere der 17 Anregungen. Verschiedene Tunnelvarianten zur Entlastung von Höngg seien schon geprüft worden, antwortet die Stadt. Dabei habe sich gezeigt, dass ein Tunnel zwischen Europabrücke und Bucheggplatz für die Bereiche Meierhofplatz und Am Wasser nur marginale Entlastung bringen würde. Hingegen zeigen Tunnelvarianten zwischen der Europabrücke und dem Hönggerberg, beziehungsweise bis nach Affoltern an die Wehntalerstrasse grössere Wirkung. «Diese werden», heisst es nun, «durch ein lngenieurbüro vertieft untersucht und ausgewertet.»
Die Interessengemeinschaft Am Wasser/Breitensteinbstrasse (IGAWB), zeigt sich auf ihrer Webpage zu beiden Antworten enttäuscht: «Dies entspricht überhaupt nicht den Forderungen der Teilnehmenden des Workshops», heisst es zur abgelehnten Abklassierung, und zum Tunnel: Dieser würde nur Rütihof und Meierhofplatz entlasten, doch der Verkehr würde noch stärker auf die Achse Am Wasser/Breitensteinstrasse geleitet. «Dabei waren doch viele laute Stimmen an den Workshops, die sagten, der Verkehr soll nicht von einer Wohnstrasse zur anderen Wohnstrasse verlagert werden», empört sich die IGAWB.
Anzumerken ist, dass auch empfohlen worden war, nachts Tempo 30 zu signalisieren. Die Stadt schrieb dazu diesen Sommer einen Pilotversuch aus. Die Ergebnisse würden mittlerweile vorliegen, wäre der Versuch nicht durch Einsprachen der Automobilverbände blockiert worden. Und eine angeregte neue Buslinie durch die Strasse Am Wasser zum Hauptbahnhof lehnen ZVV, VBZ und mit ihnen die Stadt weiterhin ab.

Wenigstens ein Lichtblick

Dafür wird allenfalls ein gefährlicher Engpass endlich behoben. Obwohl eine Variantenstudie ergeben habe, dass die gewünschte vorzeitige Sanierung der Trottoirlücke  im Bereich Am Wasser 108 kurzfristig nicht umsetzbar sei, weil eine vorzeitige Verschiebung der dortigen Stützmauer erst im Einklang mit dem geplanten Strassenausbau Sinn mache. Da das Grundstück jedoch der Stadt gehört, zeichnet sich eine Lösung ab: Direkt hinter der Mauer liesse sich, auf Strassenniveau abgesenkt, ein behindertengerechter Weg einrichten. «Die technische Machbarkeit wurde abgeklärt, als Nächstes wird nun ein Bauprojekt ausgearbeitet», schreibt die Stadt.

Der tägliche Stau kann höchstens wenig verlegt werden

Angeregt hatten die Workshopteilnehmer, die Rückstauerscheinungen auf der Limmattalstrasse, die infolge des Lichtsignals am Meierhofplatz entstehen, seien auf Strecken vorzuverlagern, auf denen vom Tramtrassee unabhängige Spuren für den motorisierten Individualverkehr zur Verfügung stehen. Ein lngenieurbüro beurteilte verschiedene Varianten – mit wenig Erfolg: Bei den Knoten Regensdorfer-/Frankentalstrasse und Emil-Klöti-/Gsteigstrasse wurde kein weiteres Optimierungspotential gefunden und auf der Limmattalstrasse wird eine Dosierung zwischen Schwert und Meierhofplatz nicht empfohlen. Allein eine Dosierung am Zwielplatz in Richtung Meierhofplatz wird für prüfenswert gehalten. Dies will die DAV testen. Um eine maximale Wirkung zu erreichen, müssen jedoch die im Strassenbelag eingelassenen Detektoren verschoben werden, was idealerweise anlässlich der geplanten Bauarbeiten im Rahmen des Bauprojekts Limmattalstrasse ausgeführt wird. Voraussichtlich also im Jahr 2015.

Wird der Meierhofplatz zur Tempo-30-Zone?

Auch zum Thema der unbefriedigenden Situation im öV-Haltestellenbereich am Meierhofplatz waren Empfehlungen abgegeben worden. Hier ist die Stadt noch immer mit einer Machbarkeitsstudie beschäftigt, die den Fuss- und Veloverkehr miteinschliesst. Auch die Empfehlung «Quartierzentrum (Meierhofplatz) aufwerten» hat hier Einfluss. Nun vermeldet die Stadt: «ln einem ersten Schritt wurde im Juni 2014 im Rahmen der Strassenlärmsanierung im Kreis 10 Tempo 30 auf der Regensdorferstrasse zwischen Wieslergasse und Gsteigstrasse publiziert, es ist zurzeit jedoch durch Einsprachen blockiert. Eine Ausdehnung des Tempo-30-Regimes auf den ganzen Bereich des Quartierzentrums Meierhofplatz ist in Vorbereitung.» Der Nachsatz dazu lässt aufhorchen: «Eine verkehrstechnische Abklärung eines Ingenieurbüros hat ergeben, dass Tempo 30 auf dem Meierhofplatz grundsätzlich machbar ist und den Verkehrsablauf aller Verkehrsmittel nur geringfügig beeinflusst.» Noch nicht definiert ist der genaue Perimeter des Tempo-30-Bereichs sowie dessen Ausgestaltung.
Gemeinderat Guido Trevisan reagiert in einer ersten Stellungnahme ganz allgemein zum Zwischenbericht: «Leider verhält sich die Stadt sehr zurückhaltend. Grössere Würfe bleibt sie uns schuldig und beweist damit kaum Mut, obwohl die Massnahmen auf politischer Ebene durchaus mehrheitsfähig sein könnten.» Speziell am Herzen liegt ihm die Verkehrsführung in der Regensdorferstrasse: «Tempo 30 ist für ein Quartierzentrum weder Fisch noch Vogel. Um die Aufenthaltsqualität langfristig zu steigern, muss an der unteren Regensdorferstrasse eine Begegnungszone geschaffen werden, welche die Geschäfte links und rechts der Strasse besser verbindet und den Verkehr schon weit vor dem Meierhofplatz über die Frankentalerstrasse lenkt.»

Bäulistrasse: es bleibt wie es ist

Ein weiteres Thema lieferte sieben konkrete Anregungen, um den «Schleichverkehr» durch die Bäulistrasse zu verringern. Bereits im September 2013 konstatierte die Stadt, dass es schwierig sein würde, die verschiedenen Anliegen unter einen Hut zu bringen: Die Variante, die Bäulistrasse in der Mitte für den Durchgangsverkehr zu sperren, sei mangels Wendeplätzen nicht machbar, ein signalisierter «Zubringerdienst» bevorzuge zwar die Anwohnenden, führe aber für alle anderen zu Umwegen und ein allgemeines Fahrverbot sei kaum durchsetzbar. Nun haben Messungen sowie Einzelgespräche mit Anwohnenden und Reklamierenden aufgezeigt, dass tatsächlich keine der untersuchten Varianten Aussicht auf Akzeptanz hat, da die einzelnen Bedürfnisse zu verschieden und die Räumlichkeiten zu begrenzt sind. Fazit: es wird wohl alles so bleiben, wie es ist.

Der «Höngger» konzentriert sich auf die Auswertung der für Höngg direkt relevanten Themen – auch wenn dies nicht im Sinne des Mitwirkungsprozesses Verkehr Kreis 10 ist, der berechtigterweise davon ausgeht, dass die Thematik quartierübergreifend betrachtet werden muss, da Veränderungen am einen Ort immer auch Auswirkungen auf andere Orte haben.
Wie sich alles entwickelte? Nachlesen im Dossier „Verkehr Höngg/Kreis 10“ unter http://hoengger.ch/dossiers/

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