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Ratgeber

Stärker ist nicht immer besser

11. April 2017 von

Foto: Max Hugelshofer
Von

Online seit
11. April 2017

Printausgabe vom
13. April 2017
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Nissans Sportabteilung Nismo hat den Juke flottgemacht. Doch der Bestseller mit den Kulleraugen ist nicht zum Sportler geboren.

Schnelle, sportliche Autos bauen, das können sie bei Nismo. Wer eine Legende wie den Nissan GT-R auf die Räder stellt, ist über alle Zweifel erhaben. Natürlich soll von diesem Glanz auch etwas auf die normalen, bezahlbaren Modelle abfärben. Darum haben die Ingenieure der Sportabteilung den Auftrag gefasst, den Juke aufzumöbeln. Schliesslich ist der kleine Crossover peppig, sieht jung aus und verkauft sich gut. Wahrscheinlich ging die Sache schon da schief. Denn der Juke ist erfolgreich, weil er anders, unkompliziert und ein bisschen frech ist. Wie schnell er von null auf 100 beschleunigt oder wie gut er in den Kurven liegt, interessiert hingegen niemanden. Trotzdem, wenn sie den Nismo-Jungs freie Hand gelassen hätten, wäre vielleicht ein extrem spannendes Auto herausgekommen. Aber ganz offensichtlich sind bei der Entwicklung einige schwer nachvollziehbare Entscheidungen getroffen worden.

Unpassendes Getriebe

Das wirkliche Problem ist nicht, dass die engen Sportsitze auf Dauer unbequem und deren Seitenwangen so breit sind, dass man den Handbremse-Griff nicht mehr richtig greifen kann. Auch nicht, dass einen das harte Fahrwerk auf der Autobahn ständig durchschüttelt. Das wirkliche Problem ist das stufenlose Getriebe, das den Motor beim geringsten Beschleunigen losheulen und dann auf einer fixen Drehzahl verharren lässt. Einem Kleinwagen oder einem Toyota Prius sieht man so etwas nach, aber bei einem Auto, das sportlich sein soll, nervt es gewaltig. Natürlich kann man auch mit den Paddeln am Lenkrad selbst eingreifen und zwischen acht virtuellen Fahrstufen hin und her schalten. Aber spätestens beim Kickdown oder wenn die Tourenzahl zu sehr absinkt, macht die Automatik doch wieder, was sie will. Also bleibt einem nur übrig, den Juke Nismo RS als Handschalter zu bestellen. Allerdings kriegt man dann den Allradantrieb weder für Geld noch gute Worte. Und: Ein sportlicher Crossover mit Vorderradantrieb ist wiederum nicht besonders attraktiv. Besonders in der allradverrückten Schweiz. Also bleibt es bei der stufenlosen Automatik. Sorgt die dann wenigstens für einen niedrigen Verbrauch? Nicht wirklich. Weder 7,3 Liter Norm- noch 8,4 Liter Testverbrauch sind ein Ruhmesblatt für ein Auto, das sich nicht wirklich sportlich anfühlt und den Nutzwert eines Kleinwagens bietet. Diesen Auftrag haben sie also verpatzt bei Nismo. Was aber eigentlich egal ist. Denn es gibt ja noch drei zivilere Versionen des Juke. Und die sind nicht nur um Längen besser, sondern alle auch deutlich günstiger.

Nissan Juke
Nismo RS 4×4
Treibstoff: Benzin
Hubraum: 1618 cm3
Leistung: 214 PS
Drehmoment: 250 Nm
Getriebe: automatisch achtgang
Gewicht: 1342 kg
Normverbrauch: 7,3 l/100 km
Testverbrauch: 8,4 l/100 km
Testdistanz: 1683 Kilometer
Reichweite: 685 Kilometer
Abgasnorm: Euro 6
NCAP-Sterne: 5
Laderaumvolumen: 354 bis 797 Liter
Grundpreis: 36’415 Franken
Testwagenpreis: 36’415 Franken
Garantieleistungen: 5 Jahre

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