Höngger.ch

-1°C-2°C am 22. Februar 2018
Vorschau

Sie rocken Höngg!

24. Januar 2018 von

Foto: Patricia Senn

Die Bohemians trauern längst verstorbenen Rock-Helden nach.

Von

Online seit
24. Januar 2018

Printausgabe vom
25. Januar 2018
Beitrag bewerten

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading...

Das neueste Stück des Musicalprojekt Zürich 10, das im März aufgeführt wird, ist eine Hommage an die Kultband Queen. Es ist aber auch das Abschiedsstück eines langjährigen und engagierten Mitglieds des Vereins.

Im Foyer des reformierten Kirchgemeindehauses sieht es ein wenig aus wie in einem Klassenlager: Über Stuhllehnen hängen Jacken und Schals, in einer Ecke sind bunte Schirme zum Trocknen aufgespannt, überall liegen Taschen und Koffer, aus denen Kleider quellen. Dieses Wochenende probt das Musicalprojekt Zürich 10 ihr aktuelles Stück «Rock!» und alle – sofern sie sie schon haben – haben ihre Kostüme mitgebracht. In der Luft liegt Vorfreude und Nervosität, aber die jungen Sängerinnen und Sänger sind sehr konzentriert bei der Sache. Seit letztem Sommer proben sie einmal in der Woche und während einiger Wochenenden für ihr neuestes Stück. Gerade hat das Ensemble zusammen mit der Leitung die gestrige Probe besprochen, nun wird der erste Akt durchgespielt. Bis zu den Aufführungen im März wird das Ensemble noch einige Tage hier verbringen, «die Texte sitzen schon gut, aber es gibt immer Dinge, an denen man noch arbeiten kann, die Musik von Queen ist sehr anspruchsvoll, Freddie Mercury deckt drei Oktave ab mit seiner Stimme», meint Nicole Meier vom Ensemble. Sie hat das Drehbuch für die Umsetzung in Höngg übersetzt und adaptiert, und ist diesmal neben der Pressearbeit auch für die Kostüme zuständig. Da sie das Stück in- und auswendig kennt, ist sie das Bindeglied zwischen Ensemble und Leitung. «Wenn sich die Choreografin und die Regie auf die Details konzentrieren, behalte ich das Gesamtbild im Blick». Die Masterstudentin investiert die Zeit, die ihr neben Arbeit und Studium noch bleibt, mit viel Energie in das Musicalprojekt Zürich 10. Als sie zwölf Jahre alt war, entdeckte sie den Verein für sich. Dies wird nun aber ihr Abschiedsstück sein: Nach 14 Projekten steht sie mit «Rock!» zum letzten Mal auf der Bühne. «Es wird mir sicher nicht leichtfallen, aufzuhören», meint Nicole nachdenklich, «aber ich will auch niemanden blockieren. Es gibt Dinge, die wir immer so gemacht haben, die man aber auch anders lösen könnte. Damit Veränderungen möglich sind, muss man manchmal anderen das Feld überlassen». Weise Worte einer doch noch jungen Frau. Wenigstens wird sie dem Vorstand noch erhalten bleiben.

«Wir sind offen für alle»

Seraina Bamert, die in «Rock!» zusammen mit Chris Meier die Co-Regie macht, hat diesen Schritt bereits hinter sich, «die letzte Aufführung war auch für mich sehr emotional», erinnert sie sich an ihren Wechsel in die Regie. Mit 17 kam sie zum Verein und fand hier eine zweite Familie. Anstatt der geplanten fünf, ist sie nun schon seit sieben Jahren dabei. «Ich fände es sehr schwierig, ganz aufzuhören», meint sie. Im Dezember hat sie die Schauspielschule abgeschlossen, die sie berufsbegleitend zu ihrem Job am Unispital besucht hatte. «Mir gibt es viel, mich neben dem Berufsleben kreativ verwirklichen zu können». Was sich verändert hat, sind die Nerven: «Seitdem ich nicht mehr selber auf der Bühne stehe, bin ich extrem nervös», erzählt Seraina. «Sobald der Vorhang aufgeht, kann ich keinen Einfluss mehr nehmen. Natürlich vertraue ich ihnen, sie können das, aber ich ertrage es dennoch fast nicht, mir die Vorstellung am Stück anzusehen», lacht sie.
Das Ensemble macht jeweils Vorschläge, welche Stücke es gerne spielen würde. Davon werden drei an der Generalversammlung vorgestellt. Sobald sich die Gruppe für eines entschieden hat, kommt der ganze Prozess ins Laufen: Die Planung, die Anpassung des Drehbuchs, die Koordination. Nach den Sommerferien schliesslich beginnen die Gesangsproben und etwa einen Monat später wird es ernst: Das Casting findet statt. «Wir geben Szenen vor, um zu sehen, wie die verschiedenen Leute auf der Bühne wirken und lassen Frauen und Männer je zwei Stücke vorsingen», erzählt Seraina. «Danach beginnt die grosse Rollenverteilung». Das Besondere an Musicals ist ja, dass man sowohl singen, als auch tanzen und schauspielern muss. «Es ist sozusagen unmöglich, in allen drei Disziplinen gleich stark zu sein, da ist es immer ein Abwägen, bei welcher Rolle welche Fähigkeit stärker gewichtet wird», erklärt sie. Beim Wort «Casting» denkt man rasch an die «Casting-Shows» aus dem Fernsehen. «Bei uns geht es aber nicht darum, jemanden klein zu machen. Das Musicalprojekt Zürich 10 ist ein soziales Projekt, das vor 21 Jahren aus der Jugendarbeit der Reformierten Kirche heraus entstand. Wir sind offen für alle. Bei den Castings versuchen wir nicht, jemanden auszuschliessen, sondern für jeden gemäss seinen Fähigkeiten eine passende Rolle zu finden», stellt Nicole klar. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt eindeutig beim Singen, das Stück ist sehr dynamisch, so dass auch die Mitglieder mit den kleineren Rollen oft auf der Bühne stehen können. Dennoch kann sich die Qualität der Aufführungen auch dank der professionellen Betreuung von Chorleiter Viktor Szlovák und Choreografin Joëlle Regli sehen lassen. Das bestätigen neben den vollen Sälen auch die Mitglieder, die von weit über der Stadtgrenze her nach Höngg kommen.

Lasst die Show beginnen

Im Zentrum des Musicals «Rock!» steht die Musik der Kultband Queen. Deren Songs und Texte passen hervorragend zur Geschichte, die in einer Zukunft spielt, wo es keine Livemusik mehr gibt, (fast) alle Menschen Klons sind und eine böse Killer Queen die GAGA-Welt regiert. Doch eine Gruppe von «Bohemians» rund um Galileo Figaro (Romeo Oliveras) und Scaramouche (Marion Hangartner) planen den Aufstand – oder die «Bohemian Rapsody». Mehr sei nicht verraten, nur so viel: Wer auf Queen steht, sollte sich dieses Musical nicht entgehen lassen. Bereits die Proben, ohne Band, Licht, Bühnenbild und Mikrofone lassen erahnen, dass es ein toller Abend werden wird.

«Rock!» Aufführungen
Freitag 2. März, 20 Uhr
Samstag 3. März, 20 Uhr
Sonntag 4. März, 15 Uhr
Freitag 9. März, 20 Uhr
Samstag 10. März, 20 Uhr
Eintritt frei – Kollekte. Reformiertes Kirchgemeindehaus Höngg, Ackersteinstrasse 190

Kommentare

Hinterlassen Sie einen Kommentar.


500