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Firmen

Seit 35 Jahren im Dienste der Integration

28. Juni 2017 von

Foto: Dagmar Schräder

Die Beschäftigten der ESPAS bei der Arbeit.

Von

Online seit
28. Juni 2017

Printausgabe vom
29. Juni 2017
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Die soziale Stiftung ESPAS mit Sitz an der Naglerwiesenstrasse, feiert dieses Jahr ihren 35. Geburtstag. Anlässlich des Jubiläums lud der Betrieb am vergangenen Samstag, den 17. Juni, zum Tag der offenen Tür ein.

Wer vom Heizenholz der Regensdorferstrasse entlang Richtung Rütihof geht oder fährt, kann die grossen Schilder, die auf den Betrieb ESPAS hinweisen, fast nicht übersehen. Doch wofür der Name ESPAS steht und was genau hinter den Türen des Betriebs vor sich geht, das weiss wohl kaum einer der Vorbeigehenden. Der Tag der offenen Tür bot am vergangenen Samstag nun genau die richtige Gelegenheit, einmal hinter die Fassade zu blicken und zu erfahren, was ESPAS ist.

Integration als Programm

Leicht verborgen über der Tiefgarageneinfahrt an der Naglerwiesenstrasse liegt der Haupteingang des Betriebs, bei dem die Besucherinnen und Besucher freundlich begrüsst und mit einem kleinen Plan ausgerüstet wurden, der ihnen den Rundgang durch den Betrieb erleichtern sollte. Auf dem Fussboden aufgeklebte Pfeile wiesen zudem auch denjenigen den richtigen Weg, die sich mit dem Kartenlesen etwas schwerer tun. Wer sich nicht einem der stündlich stattfindenden Rundgänge anschliessen wollte, konnte mit diesen Hilfsmitteln bestens ausgerüstet die Besichtigung alleine absolvieren. Weitaus mehr Informationen erhielt aber, wer sich der fachkundigen Führung unter der Leitung der Geschäftsführerin des Unternehmens, Rita Durschei, anschloss. Zu Beginn ihrer Ausführungen erklärte sie den Gästen, worin die Kernaufgabe des Sozialunternehmens besteht: In der beruflichen Integration von Menschen mit psychischen oder körperlichen Erwerbsbeeinträchtigungen. «Der Name ESPAS ist dabei Programm: Der Betrieb will einen Raum für Menschen mit Handicap schaffen, in dem sie einer sinnvollen Betätigung nachgehen können, sich wertvoll und geschätzt fühlen und im Idealfall die Eingliederung in eine <normale> Erwerbstätigkeit bewerkstelligen können», so erläuterte Durschei den Stiftungszweck. Was vor 35 Jahren als Kleinunternehmen begann und ursprünglich hauptsächlich dafür gedacht war, Menschen mit einer körperlichen oder psychischen Beeinträchtigung einen Büroarbeitsplatz anzubieten, ist heute eine grosse Stiftung geworden, die an den drei Standorten Zürich, Winterthur und Richterswil 450 Beschäftigte zählt – allein am Höngger Standort sind 230 Personen angestellt. Weil die psychischen Erkrankungen im Vergleich zu den körperlichen in den 35 Jahren seit der Gründung des Unternehmens deutlich zugenommen haben, liegt der Schwerpunkt heute auf der Integration psychisch erkrankter Menschen. Diese werden nach ihren Möglichkeiten entweder beim Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt begleitet oder an einem geschützten Arbeitsplatz (neu auch angepasster Arbeitsplatz genannt) innerhalb der Stiftung beschäftigt. Zusätzlich bildet der Betrieb jährlich rund 50 Lernende in verschiedenen Branchen aus.

Lehrstellenbetrieb und Dienstleister

In der nun folgenden Tour durch die einzelnen Abteilungen konnten die Besucherinnen und Besucher erfahren, wie breit das Dienstleistungsangebot, das der Betrieb vorzuweisen hat, gefächert ist. Die erste Station der Tour war die Abteilung «Berufsmassnahmen», in der junge Lernende vor allem in den Bereichen KV und Informatik ausgebildet werden. «Das erste Lehrjahr verbringen die Jugendlichen, die von der IV an den Betrieb vermittelt werden, in der Regel hier bei uns», erklärte Peter Loth, der Leiter der Berufsmassnahmen, «danach sind wir darum bemüht, für die Jugendlichen einen Ausbildungsplatz im ersten Arbeitsmarkt zu finden.» Mit virtuellen Firmen und Aufträgen lernen die Auszubildenden hier zu Beginn ihrer Lehre, den beruflichen Anforderungen gerecht zu werden, bevor sie auf reale Kundenaufträge «losgelassen» werden. Mit echten Kunden und deren Bedürfnissen dagegen haben es die Arbeitnehmerinnen und -nehmer der angepassten Arbeitsplätze zu tun. Sie beziehen in der Regel eine IV-Rente und haben gleichzeitig mit ESPAS einen Arbeitsvertrag. In administrativen und industriellen Bereichen bietet die Stiftung professionelle Dienstleistungen an. So führen die Mitarbeitenden von ESPAS unter anderem etwa das gesamtschweizerische Sekretariat von «Gallo Suisse», dem Verband der Schweizer Eierproduzenten, übernehmen den Wäscheservice für verschiedene Institutionen wie das Schulamt Zürich, führen intern ein Callcenter, in dem 25 Mitarbeitende für verschiedene Kunden Anrufe entgegennehmen, digitalisieren auf Kundenwunsch analoge Medien und übernehmen Lagerhaltung, Verpackungs- und Versandarbeiten für zahlreiche Firmen – eine breite Palette an Angeboten. «Unsere Dienstleistungen», so liess Durschei ihre Gäste beim Besuch der einzelnen Abteilungen wissen, «werden von über 230 Kunden in der ganzen Schweiz in Anspruch genommen – von Grosskunden wie Credit Suisse, Sunrise oder Philips bis hin zu Privatpersonen. Wir legen grossen Wert auf hohe Qualität unserer Arbeit.»

Professionell und freundlich

Von hoher Qualität war auch der bestens vorbereitete Rundgang durch den Betrieb. Äusserst hilfsbereit und freundlich präsentierten sich die Abteilungen und gewährten grosszügige Einblicke in ihre Arbeit. Mit Filmen oder kleinen Präsentationen gestalteten sie die Führung kurzweilig, spannend und mit sichtlicher Freude. Mit einer Stempelkarte, die an jeder Station der Führung abgestempelt werden musste, konnten sich die Gäste zudem nach absolviertem Rundgang beim Abschied ein kleines Geschenk abholen – ein Umstand, der die Attraktivität der Betriebsbesichtigung für alle Gäste natürlich ungemein erhöhte. Auch der Zauberer, der die Besucherinnen und Besucher in der Cafeteria unterhielt, zog Kinder und Erwachsene magisch in seinen Bann und brachte sie mit seinen kleinen Tricks zum Staunen. So erfüllte ESPAS an diesem Tag seinen Auftrag nicht nur für seine Mitarbeitenden, sondern auch für die Besucherinnen und Besucher: Einen Raum zu schaffen, in dem sich alle wohlfühlen.

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