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Schulen in Höngg: Teil 2, «Der Schulkreispräsident und die Schulpflege»

29. Januar 2015 von

Foto: Archiv Ortsmuseum Höngg

Im Schulhaus Bläsi 1933, klassischer Frontalunterricht.

Foto: Fredy Haffner

Unterricht im Schulhaus Vogtsrain 2015, Gruppenarbeit im Halbklassenunterricht.

Foto: zvg

Schulkreispräsident Urs Berger.

Von

Online seit
29. Januar 2015

Printausgabe vom
29. Januar 2015
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Der erste Teil der Artikelserie eröffnete mit allgemeinen Gedanken zur sozialen Bedeutung von Schule und berichtete danach aus der Geschichte der Höngger Schulhäuser. Der zweite Teil stellt den Präsidenten und die Schulpflege des Schulkreises Waidberg vor.

Der 59-jährige Urs Berger, Vater von drei erwachsenen Kindern, ist SP-Mitglied und seit dem Jahr 2000 Präsident des Schulkreises Waidberg, zu dem die Quartiere Höngg, Wipkingen, Unter- und Oberstrass zusammengefasst sind. Einige statistische Daten, der offiziellen Webseite entnommen: Im Schulkreis Waidberg werden täglich über 4500 Kinder und Jugendliche von mehr als 600 Lehrpersonen in rund 250 Klassen unterrichtet, betreut und gefördert. Der Schulkreis ist in 15 Schulen unterteilt. Eine Schule umfasst ein oder mehrere Schulhäuser, die zugeordneten Kindergärten und Horte. Eine Aufsichtskommission betreut und beaufsichtigt jeweils zwei bis vier Schulen. Sie besteht aus einem Präsidium und einer der Grösse der Schulen angepassten Anzahl von Mitgliedern der Kreisschulpflege. In Höngg gibt es zwei Aufsichtskommissionen. Höngg I betreut die Schulhäuser Lachenzelg, Riedhof-Pünten und Rütihof, Höngg II die Schulhäuser Am Wasser, Bläsi und Vogtsrain.

Die Schulpflege entspricht dem Parteienproporz

Der Schulpräsident wird alle vier Jahre durch direkte Volkswahl für sein Amt bestimmt oder darin bestätigt. Der «Volkswille» wird nicht durch ihn allein transportiert; ihm zur Seite steht die gemäss parteipolitischem Proporz zusammengesetzte Kreisschulpflege, die 25 Personen umfasst. In der Zusammenarbeit mit den Behördemitgliedern steht für Urs Berger das Verbindende im Vordergrund. Wie seine bisher 14 Jahre Amtszeit beweisen, funktioniert das im Schulkreis Waidberg gut, auch wenn ein Blick in die Bildungspapiere der Parteien, die sowohl in der Grundhaltung als auch bei einzelnen Positionen erhebliche Unterschiede ausweisen, eher das Gegenteil vermuten liesse. Wer sich für Details interessiert, findet diese in den jeweiligen Partei-Webseiten. Urs Berger betont, dass parteipolitische Differenzen im Arbeitsalltag eine untergeordnete Rolle spielen. Es bestehe bei den Schulpflegern ein grosses Interesse an den Belangen der Schule und an deren Gelingen. Eine wesentliche Bedeutung des Milizgremiums Kreisschulpflege sieht er im Engagement von Personen mit unterschiedlichen politischen, beruflichen, sozialen und familiären Hintergründen. Sie alle bringen aufgrund ihrer Sichtweise bestimmte Anliegen ein und konfrontieren die Schule damit.

Verschiedenste zentrale Aufgaben

Seine Tätigkeitsfelder gliedert Urs Berger in vier Kernbereiche. Mit der Zuteilungsfrage sehen sich Eltern, deren Kind ins Kindergartenalter kommt, und neu Zugezogene konfrontiert. Unterstützt durch das Sekretariat an der Rotbuchstrasse in Wipkingen ist der Schulpräsident dafür besorgt, dass jedes im Schulkreis wohnhafte Kind einen Platz in einer Schule und in einer Klasse erhält. Er ist gleichzeitig verantwortlich für die Anstellung von genügend Lehrkräften und Betreuungspersonal. 2014 wurden 190 Kinder mehr angemeldet als im Vorjahr. Bemerkenswert: Der Ausländeranteil im Schulkreis Waidberg ist am Sinken. Urs Berger führt dies zum einen auf Einbürgerungen zurück, zum anderen besteht ein Verdrängungseffekt durch steigende Mieten. Höngg und Wipkingen werden trendy!
Die Mitglieder der Schulpflege begleiten, beurteilen und kontrollieren Schulleitungen, Lehrkräfte und Betreuungspersonen. Schulbelange werden unter der Leitung des Schulpräsidenten, im Beisein von Schulvertretungen, regelmässig in verschiedenen Gremien diskutiert. Schulische Qualitätsentwicklung und deren Sicherung ist dabei ein herausragendes Thema. Einige Zeit beanspruchen Einzelgespräche aufgrund besonderer Situationen in Schulen, Klassen oder mit Eltern.
Schüler, Lehr- und Betreuungspersonen benötigen für ihr auftragsgemässes Zusammenwirken ausreichend Raum. Dieser Aufgabe nimmt sich der Schulpräsident in Kooperation mit der Fachstelle für Schulraumplanung und Immobilien Stadt Zürich an. Er berichtet von einem oft zähen Ringen, denn beim Thema Neubau, Renovation oder Umnutzung bestehender Räume treffen verschiedenste Interessen aufeinander. Erwähnt seien hier die Anliegen der Denkmalpflege, die Auflagen von Feuerpolizei und Gesundheitsschutz sowie die vom Zürcher Souverän beschlossene 2000-Watt-Gesellschaft, die speziell bei der Wärmedämmung der Schulhäuser als Kostentreiber wirken.
Und nicht zuletzt amtet Urs Berger als Vize-Präsident der Schulpräsidentenkonferenz der Stadt Zürich, deren Vorsitzender Stadtrat Geri Lauber ist. Als oberste städtische Schulbehörde diskutiert und entscheidet sie über gesamtstädtische Rahmenbedingungen wie beim Projekt Tagesschulen, den Blockzeiten, der Gliederung der Oberstufe oder der Begabtenförderung. Dabei hat sie sowohl kantonale als auch städtische Vorgaben zu befolgen.

Elternmitarbeit, ein zentrales Element

Krisenmanagement gehört zu den zentralen Aufgaben eines Chefs und kann jeden seiner Tätigkeitsbereiche betreffen. Der Schulpräsident kommt dann zum Zug, wenn sich Konflikte vor Ort nicht mehr lösen lassen. Erfahrungsgemäss geschieht das am häufigsten an der Schnittstelle der Schule zu den Eltern. In der vor fünf Jahren institutionalisierten Elternmitarbeit sieht Urs Berger ein wichtiges und für beide Seiten hilfreiches Element. Mit guter, transparenter Kommunikation könne vielen Konflikten oder Missverständnissen zuvorgekommen werden.
Ein grosses Anliegen ist Urs Berger, dass die Schule allen Kindern ermöglicht, ihr individuelles Potenzial auszuschöpfen. Gleichzeitig soll jede Schule auch «Spezialitäten» anbieten und darf sich damit von den anderen unterscheiden. Das drückt sich in besonderen Formen der Eltern-Mitarbeit und bei Angeboten wie Sport- oder Projektnachmittagen aus – ein Abbild sowohl eines heterogenen und sozial durchmischten Quartiers als auch von spezifischen Kompetenzen der Lehrkräfte. Darüber hinaus stellt die Volksschule für Urs Berger eine wichtige gesellschaftliche Klammer dar. Hier, wo alle sozialen Schichten zusammenkommen, könne ein toleranter Umgang mit Unterschiedlichkeit «trainiert» werden, mit dem jedes Schulkind den Platz findet, der ihm gerecht wird.

Langeweile kommt nie auf

Urs Berger erlebt seine Arbeit als Traumjob, als extrem spannende Aufgabe. Er treffe jeden Tag interessante Menschen, sehe in einzelne Klassen hinein und könne sich parallel dazu mit übergeordneten Fragestellungen befassen. Langweilig sei es ihm noch keine Sekunde geworden. Er werde von guten Leuten unterstützt und seine Familie gebe ihm den Halt und die emotionale Geborgenheit, die ihn bisher alle Belastungen, die sein Job mit sich bringt, habe bewältigen lassen.

Markus Eisenring leitete von 1988 bis 2003 die Jugendsiedlung Heizenholz, heute Wohn- und Tageszentrum Heizenholz. Er wohnt an der Bläsistrasse in Höngg. Seit 2012 in Pension geht er diversen Freiwilligen-Engagements nach, u.a. als Tixifahrer und als Schülerbegleiter im Rahmen der Organisation Arche.

 

Bisher erschienen:
15. Januar: «Eine Reise durch vier Jahrhunderte»

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