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Themen

Rendez-vous mit der Zukunft

15. März 2017 von

Foto: Dagmar Schräder

Kindervorlesung

Foto: Dagmar Schräder

Roboter malt.

Foto: Dagmar Schräder

Wettbewerb im Turmbau

Von

Online seit
15. März 2017

Printausgabe vom
16. März 2017
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Am Erlebnissonntag der ETH im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Treffpunkt Science City» drehte sich alles um die digitale Revolution und die sich daraus ergebenden Herausforderungen für die Arbeitswelt.

Wer sich auch am Wochenende gerne weiterbildet und auf der Suche nach spannenden, lehrreichen und unterhaltsamen Aktivitäten für die ganze Familie ist, der ist bei den Erlebnissonntagen von «Treffpunkt Science City» der ETH genau am richtigen Ort. Im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe, die jeweils im Frühling und im Herbst zu einem Schwerpunktthema stattfindet, öffnet die ETH Hönggerberg dann jeweils für Alt und Jung einen ganzen Tag lang ihre Türen und bietet gratis öffentliche Vorlesungen, Führungen, Demonstrationen aktueller Forschungsergebnisse und Podiumsdiskussionen an. Für Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 17 Jahren werden altersgerechte Vorlesungen sowie Werkstätten und Ateliers durchgeführt, in denen Wissen erworben, angewandt und vertieft werden kann.

Künstliche Intelligenz und die Zukunft der Arbeit

Am 12. März startete die ETH nun die aktuelle Reihe «Arbeiten in der Welt 4.0» mit dem Themensonntag unter dem Titel «Kollege Roboter». Fünf Vorlesungen von Dozierenden verschiedener Fachrichtungen beschäftigten sich mit der Frage, inwiefern die digitale Revolution und die damit verbundene Entwicklung von immer leistungsfähigeren Formen künstlicher Intelligenz die Arbeitswelt beeinflusst und wo intelligente Maschinen und Roboter heute schon zum Einsatz kommen. Vor vollbesetzten Hörsälen und einem sehr interessierten Publikum berichteten die Dozierenden in einer auch für Laien gut verständlichen Sprache aus ihrem Forschungsalltag. Benjamin Grewe etwa, Neuroinformatiker der ETH, bot einen Einblick in die aktuelle Forschung bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz und zeigte auf, wie Computer heutzutage weniger mit einfachen Algorithmen, als vielmehr mittels neuronaler Netzwerke so programmiert werden, dass sie lernfähig sind. Mit den neuronalen Netzwerken lassen sich nicht nur selbstfahrende Autos entwickeln und die Sprachsteuerung bei Mobiltelefonen verbessern, sondern auch Roboter produzieren, die die ärztliche Diagnostik unterstützen – etwa, indem sie auf Röntgenbildern Tumore orten. Teilweise sind die Computer sogar den menschlichen Ärzten bereits überlegen, zumindest was die Entdeckung von Krankheiten und Anomalien auf Bildmaterial betrifft. Grewe thematisierte in seinen Ausführungen auch die sich aus diesen Entwicklungen ergebenden Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt, die Risiken und Ängste, die damit verbunden sind. Bedeutet der Fortschritt, dass Menschen sogar in der Medizin in absehbarer Zukunft durch Maschinen ersetzt werden? Welche beruflichen Sparten laufen eher Gefahr, durch Roboter ersetzt zu werden als andere? Wer profitiert also von den Entwicklungen und wer sind die Verlierer? Und was bedeutet es, wenn Roboter lernfähig sind – haben sie dann auch ein Bewusstsein? Diese und ähnliche spannende Fragen zogen sich als roter Faden durch alle Vorlesungen und wurden auch mit dem Publikum intensiv diskutiert.

Lebhafte zukünftige Forscherinnen und Forscher

An der Kindervorlesung wurden die jüngsten Besucherinnen und Besucher vom Astrophysiker Sascha Quanz ins Weltall entführt. Wie immer bei den Kindervorlesungen der «Treffpunkt Science City»-Reihe war der Andrang des Publikums gross, so dass zahlreiche Eltern mit einem Stehplatz vorliebnehmen mussten, während darauf geachtet wurde, dass zumindest alle Kinder einen Sitzplatz im grossen Hörsaal fanden. Quanz berichtete aus seinem Alltag als Forscher und weckte nicht nur bei den Kindern Lust auf eine wissenschaftliche Karriere. Die kindgerechte und lebendige Vorlesung wurde vom Publikum mit regem Interesse verfolgt und die äusserst klugen Fragen der jungen Zuhörerinnen und Zuhörer versetzten den Dozenten in Erstaunen. Mit grosser Selbstverständlichkeit diskutierten hier etwa schon die Unterstufenschüler die Entstehung von «schwarzen Löchern» und «Supernovas» und philosophierten über die Frage, warum es das Universum überhaupt gibt. Nicht minder lebhaft ging es auch in den Führungen für Kinder zu, die von freundlichen Studierenden geleitet wurden. Gross war vor Beginn der Führung die Aufregung nicht nur bei den teilnehmenden Kindern, sondern vor allem auch bei den begleitenden Eltern, bis jeweils jedes Kind seinen Platz in der richtigen Gruppe erhalten hatte und sich mit den Studierenden auf den Weg in die Roboterlabore machen konnte. Hier durften sie unter anderem das «Arch¬_Tech_Lab» besichtigen, das weltweit grösste Robotik-Baulabor, das im Rahmen des Nationalen Forschungsschwerpunktes «Digitale Fabrikation» Roboter entwickelt, die im Baugewerbe zum Einsatz kommen können. Sie konnten die 3-D-Drucker bestaunen, die ganze Bauwerke in Miniaturformat ausdrucken können und den Robotern beim Schreiben und Stapeln von Kapla-Hölzchen über die Schulter schauen. Das unbestrittene Highlight der Führung waren aber die beiden grossen Bauroboter, die auf Knopfdruck einen grossen Stapel von Schaumgummi-Würfeln zu einem übermannshohen Turm stapelten. Der Wettbewerb im Turmbauen zwischen den Kindern und den Robotern ging eindeutig unentschieden aus: Konnten die Maschinen in Sachen Präzision punkten, hatten die Kinder dafür bei Geschwindigkeit und Originalität die Nase vorn. Nur ungern liessen sich die Kinder nach einer Dreiviertelstunde von all den interessanten Robotern losreissen, als die Studierenden das Ende der Führung ankündigten. Doch das Bedauern währte nicht lange, warteten doch auch ausserhalb des «Arch_Tech_Labs» noch weitere spannende Aktivitäten wie die Werkstätten, in denen selbst Roboter programmiert werden konnten, die Jugendvorlesung zum Thema Programmieren oder die Demonstrationen von aktuellen Forschungen auf die angehenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Und wessen Wissensdurst auch nach all diesen Inputs noch nicht gestillt war, der sei auf den kommenden Sonntag vertröstet: Dann findet nämlich bereits der nächste Erlebnissonntag statt.

Sonntag, 19. März: Digital, vernetzt, startklar? Vorlesungen, Experimente, Demos für Gross und Klein. ETH Hönggerberg, Chemiegebäude HCI, 11 bis 16 Uhr, Eintritt frei.

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