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«Putzinstitut» für die Höngger Fledermäuse

10. Juni 2015 von

Foto: Malini Gloor

Ernst Schuppisser, Susi Huber und Monika Hauser auf dem Fledermauskasten-Kontrollrundgang (v.l). Dieser Kasten ist leer und wird gereinigt.

Foto: zvg

Ruhende Fledermäuse: Ein erfreulicher Anblick für die Naturschützenden.

Von

Online seit
10. Juni 2015

Printausgabe vom
11. Juni 2015
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Seit März findet jeden Monat die Fledermauskasten-Putzete statt: Drei Tier- und Naturfreunde suchen 100 Kästen im Hönggerwald auf und machen dabei allerlei Entdeckungen. Neue «Putzfrauen- und männer» sind willkommen.

In der Nähe des Friedhofs Hönggerberg stapfen Susi Huber, Monika Hauser und Ernst Schuppisser mehr oder weniger zielstrebig durch den Wald. Ausgerüstet ist das Grüppchen mit Leiter, Ästen, Feldstechern, Notizblock, Taschenlampen und Spülbürsten. «Wir haben einen Plan, auf dem die 50 Flach- und 50 Rundkästen eingezeichnet sind, aber nicht immer befinden sich die Kästen am richtigen Ort – manchmal sind sie durch einen Sturm auf den Boden gefallen und so schwerer zu finden», erzählt Susi Huber, lokale Fledermausschützende.

Bei Kastenkontrolle schlafende Fledermäuse vorfinden

Die rund dreistündige Putzaktion heisst korrekt Kastenkontrolle, denn die Kästen werden nicht nur von Fledermauskot gereinigt, sondern vor allem gleich auf ihre Unversehrtheit kontrolliert. Kotproben werden gesammelt, um die Art bestimmen zu lassen. Wenn die Fledermausfreunde Glück haben, finden sie auch schlafende Fledermäuse der Arten Zwergfledermaus, Grosser Abendsegler und Braunes Langohr in den Kästen. «Dann reinigen wir den Kasten natürlich nicht, sondern machen ein Foto, ohne Blitzlicht, und schliessen dann sorgfältig das Türchen wieder, damit die Fledermäuse nicht gestört werden», so Ernst Schuppisser. Er ist mit den beiden Frauen seit rund neun Jahren im Dienste der Fledermäuse unterwegs. «Unsere Motivation ist die Freude an der Natur und der Versuch, den Fledermäusen mehr Raum zu geben», sagt Monika Hauser. Sie und Ernst Schuppisser sind auch im Natur- und Vogelschutzverein Höngg dabei und haben mit Susi Huber miterlebt, dass Durchhaltewillen nicht umsonst ist: Die ersten fünf Jahre trafen sie fast nie eine Fledermaus in den Kästen an, erst seit vier Jahren machen die drei immer wieder freudige Entdeckungen. Bei den Kontrollen sieht man, welche Arten die Kästen in wie grosser Zahl nutzen, und ob Junge aufgezogen werden. Dies alles sieht man nur, wenn man tagsüber die Kästen öffnet, wenn die Tiere anwesend sind, zudem wäre die Suche nach den Kästen im Dunkeln fast unmöglich.

Fledermauskinder sind meist Einzelkinder

Die Kästen werden als Schlafstätte von Weibchengruppen oder von Männchen, die jeweils alleine unterwegs sind, genutzt sowie auch zur Jungenaufzucht. «Die Balzzeit dauert von August bis September, im Oktober beginnt der bis März andauernde Winterschlaf. Er wird in Felsnischen, Spalten, Grotten oder Baumhöhlen gehalten. Unsere Fledermauskästen sind Sommerquartiere», erklärt Susi Huber.
Spannend ist, dass die Weibchen in der Balzzeit geschwängert werden, jedoch erst in den Monaten April und Mai trächtig sind – die Natur hat es so eingerichtet, dass die harten Wintermonate nicht zur Jungenaufzucht genutzt werden müssen. «Fledermäuse haben ein, höchstens zwei Junge, die sie nach vier bis sechs Wochen Trächtigkeit gebären», so Ernst Schuppisser, der gewandt die Leiter zum nächsten Kasten erklimmt und so mit seinen Begleiterinnen für traute Fledermausheime sorgt.

Fledermäusen Asyl bieten?
Wer in seiner Umgebung Fledermäusen ein Heim bieten möchte, der kann Fledermauskästen aufhängen. Wichtig ist eine passende Umgebung, so etwa ein naturfreundlicher Garten, der genügend Insekten als Nahrung aufweist. Weitere Informationen, auch für neue Helfende, gibt es unter www.stiftungfledermausschutz.ch.

 

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