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Parkett kommt Denzlers nur beim Salsa unter die Füsse

12. Juli 2017 von

Foto: Fredy Haffner

Adi und Yvonne Denzler vor ihrem Haus, das erahnen lässt, was der Hausherr von Beruf ist.

Von

Online seit
12. Juli 2017

Printausgabe vom
13. Juli 2017
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Adi Denzler ist Ofenbauer und Plattenleger in fünfter Höngger Berufsgeneration. Wie er seinen Weg ging und die Entwicklung des Berufs erlebte, erzählte er dem «Höngger» – und was ihn und seine Frau Yvonne sonst noch in Bewegung hält.

Wer das häusliche Reich von Adi Denzler betritt, weiss schnell, welchem Handwerk er nachgeht: Teppiche? Fehlanzeige. Auch kein Riemen-Parkett im ganzen Haus, sondern einzig verschiedene, sauber und akkurat verlegte Plattenbeläge – und das Bild an der Wand im goldenen Rahmen, das ist kein Kubismus, sondern diagonal arrangierte Natursteinplatten. Selbstverständlich ist auch das Cheminée nicht aus pseudo-trendigem Roststahl, sondern aus Kacheln und Schamottstein gebaut. Klar: Adi Denzler ist Ofenbauer und Plattenleger, bereits in fünfter Höngger Berufsgeneration.
Ofenbauer? Einst hiess dies «Hafner», doch diese Berufsbezeichnung gibt es nicht mehr und geht langsam vergessen wie der Beruf selbst, wie Denzler kritisch bemerkt. Er hingegen lernte nach der Sekundarschule im Lachenzelg noch den Doppelberuf «Hafner-Plattenleger». «Manche fanden zwar, ich sei ein Gymischüler», erinnert er sich an die Zeit der Berufswahl, «doch als ich erfuhr, dass ich in der Lehre auch die Berufsmatura machen kann, war für mich der Weg klar und ich begann die Lehre im väterlichen Betrieb.» Klassisch, denkt man im Klischee: der Beruf wird vererbt. Doch Vater Denzler hatte seinen Sohn nie gedrängt. «Meine Eltern waren da immer völlig offen. Ich war höchstens davon beeinflusst», lacht Adi Denzler, «dass ich anstatt mit Lego meine Spielwelten aus herumliegenden Schamottsteinen aufbaute».

Platten als Fundament, Ofenbau als Passion

Jedenfalls arbeitete er nach Lehre und BMS weiterhin im väterlichen Betrieb. Der junge, wissenshungrige Berufsmann bestand 1994 die Meisterprüfung als Hafner und 1998 folgte jene als Plattenleger. Im selben Jahr heiratete er seine Frau Yvonne und übernahm in fünfter Generation die väterliche Berufstradition. «Wie wir das damals alles schafften», schaut er fast fragend seine Frau an, die wissend nickt. Der Vater zog sich nach und nach aus dem Betriebsalltag zurück, war aber immer willkommen und erledigte für den Sohn noch, was er gerade mochte. «Er konnte gut loslassen, und das ist nicht selbstverständlich», findet seine Schwiegertochter und ihr Mann pflichtet ihr bei. Ofenbauer sei es ein «aussterbender Beruf», hatte Denzler eingangs des Treffens erwähnt: «Der klassische Kachelofen als Wärmequelle ist längst anderen Energieträgern gewichen. Das Feuer im Haus braucht es leider höchstens noch als Ambiente». Dabei wäre Feuer in nach modernster Kenntnis gebauten und isolierten Häusern wieder attraktiv, sagt der Fachmann, doch die modernen Architekten wollen, vereinfacht gesagt, keine Kamine mehr auf dem Dach. Auch die Vorschriften der Luftreinhalteverordnung geben immer wieder zu reden, diese habe man aber mit modernen Öfen gut im Griff: «Die sind alle geprüft und haben eine hocheffektive Feuerraumgeometrie. Was oben noch als Rauch abzieht, ist abgesehen vom Feinstaub bescheiden». Im Vergleich zu den fossilen Brennstoffen jedenfalls vernachlässigbar, findet Denzler und weist auf den Wuchs des Holzes gleich vor der Haustüre hin. Auch wenn Denzler heute 70 Prozent der Aufträge als geschätzter Plattenleger erhält, das Herz schlage irgendwie höher für den Ofenbau, wie er leise schwärmt: «Ein schönes Cheminée einbauen, einen Ofen renovieren, das ist herrlich». Regelmässig erhält Denzler Aufträge von der Stadt Zürich, die tatsächlich noch Siedlungen besitzt, in denen mit Kachelöfen geheizt wird. Im Schnitt vier davon vertraut die Stadt jährlich Denzler zur Sanierung an: Die oft denkmalgeschützten Öfen werden Kachel um Kachel ab- und eine neue Feuerungstechnik eingebaut. Danach wird die Hülle wieder originalgetreu aufgebaut.

Und eines Tages…

Beteiligt sind daran auch Denzlers aktuell vier Mitarbeiter: Drei Plattenleger plus ein Ofenbauer, der nun bei ihm noch die Zusatzlehre als Plattenleger abschliesst. «Das ist genau meine Vision», sagt der 49-Jährige, «jemanden wie ich mit diesem Doppelberuf, den ich vielleicht in der Firma nachziehen kann». Dass seine Tochter Elena eines Tages den Betrieb übernimmt, davon geht er nicht aus. Auch wenn es doch schon einige Frauen in dem Beruf gibt, die Sekundarschülerin zieht es eher in die Hotellerie oder in einen Medizinalberuf. In den Weg kommt Denzlers Vision dabei ausgerechnet seine eigene Mitarbeiterförderung: Jene, die bei ihm die Meisterprüfung gemacht haben, waren so gut, dass sie danach bald die eigene Firma gründeten. «Es ist aber auch eine Frage des richtigen Zeitpunktes», sagt er, «es scheint mir eine grosse Kunst, den Moment nicht zu verpassen, der für beide Seiten stimmt: Für einen Nachfolger muss der Zeitrahmen bis zur völligen Übernahme absehbar sein und für mich jene Zeit bis zum Loslassen, wie dies mein Vater vor bald 20 Jahren konnte».

«Und in der Freizeit?»

Das ist bei Selbstständigen immer so ein Thema. «Bewegung», ergreift Yvonne Denzler spontan das Wort, «seit ich ihn kenne, was immer wir zusammen sportlich neu ausprobierten, er konnte es schnell und gut während ich mir die Zähne ausbiss». Und sie erzählt, wie sie sich in der Surfschule noch mit dem im Wasser liegenden Segel abmühte während dem ihr Mann bereits auf dem offenen Meer kurvte. Der Grundstein seiner Sportleidenschaft wurde im Turnverein Höngg gelegt, damals, als dieser noch eine erfolgreiche Erstliga-Handballmannschaft hatte – mit Denzler im Team. Später fehlte in dieser Disziplin der Nachwuchs und die Abteilung löste sich auf – nicht aber die geknüpften Freundschaften: «Noch heute spielen einige von uns wöchentlich zum Plausch Unihockey und Volleyball, und danach gibt es noch ein Bier. Bewegung, das brauche ich zum Abschalten, erst recht nach einem strengen Tag». Der Handballära folgte das Biken und Triathlon über die olympische Distanz, später Laufsport und zuletzt Marathon. «Nein, keine Ironman», lacht Denzler, «und nach dieser Phase habe ich das auch wieder aufgegeben». Das Biken aber blieb und auch Wintersportferien gehören ins jährliche Ferienprogramm der Familie Denzler.
Was Adi Denzler zur Bemerkung führt, dass er abgesehen von Reisen nie aus Höngg hinausgekommen sei. Und ein ganzes Leben in Höngg, da sei man eben hier verwurzelt. Auch in der Zunft Höngg. Und natürlich unter den Handwerkern und deren Netzwerk – unter anderem im Verein Handel und Gewerbe – das Denzler schätzt und pflegt. Er engagiere sich zwar nicht an vorderster Front, aber wenn man ihn anfrage, so sei er immer zur Mithilfe im und für das Quartier bereit. So ist er, der nur nebenbei erwähnt, dass er auch noch die Grundausbildung zum Liegenschaftenverwalter absolviert habe, auch im Vorstand der Hauserstiftung für deren Liegenschaft, das Altersheim, verantwortlich. Überdies ist er in beiden Berufsverbänden für das Lehrlingswesen und die Meisterschulung aktiv und als Prüfungs-Experte tätig. Aber auch er könne nicht alles machen: «Man muss sich einfach irgendwann abgrenzen und nur noch etwas Neues übernehmen, wenn man dafür etwas anderes aufgibt».

Eine gemeinsame Leidenschaft und eine Überzeugung

Dass Adi Denzler nicht sein ganzes Leben auf Plattenbelägen wandelt, sondern auch mal ein Parkett betritt, dafür sorgte vor drei Jahren ein Scherz: Er liess sich von seiner Frau und einem befreundeten Paar zu einem Salsa-Kurs überreden. Aus dem Scherz wurde eine gemeinsame Leidenschaft und so stehen Denzlers seither jede Woche auf dem Parkett der Tanzschule. «Und dort zieht er mir nicht davon wie damals auf dem Surfbrett», schmunzelt Yvonne Denzler, «denn er muss ja ganz nahe bleiben und führen». In der Firma Denzler führt dafür sie einen wichtigen Teilbereich, was er besonders schätzt: «Sie hält mir den Rücken frei, indem sie die Buchhaltung macht». Was die gelernte Schriftsetzerin eigentlich gar nicht besonders gerne macht, aber einfach «reingerutscht» ist. Das klingt nach klassischer Arbeitsteilung im Familienbetrieb, doch Denzlers Buchhaltung war immer nur ein Nebenjob der Ehefrau, der es wichtig war und blieb, das eigene Geld zu verdienen und am Esstisch vom eigenen Berufsalltag erzählen zu können. Sonst drehe sich alles immer nur um die eigene Firma und das sei nicht gut, sind sich beide am Schluss des Gesprächs einig – hätten sie in diesem Moment Parkett unter den Füssen, sie würden garantiert zusammen im Salsaschritt davonwirbeln.

Denzler Ofenbau und Plattenbeläge GmbH
Heizenholz 39, 8049 Zürich
Telefon: 044 341 56 57
Mail: info@denzlerzuerich.ch
www. denzlerzuerich.ch

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