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Nutzungskonzept Werdinsel vor dem Abschluss

28. Juni 2017 von

Foto: Fredy Haffner

Vor der Tafel des Fokusthemas «Mensch und Tier» wurde eifrig diskutiert.

Foto: Fredy Haffner

Was auf der Werdinsel gefällt, ist klar. Was stört, das zeigt diese Wortwolke einer nicht repräsentativen Online-Umfrage.

Von

Online seit
28. Juni 2017

Printausgabe vom
29. Juni 2017
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Am 17. Juni fand die öffentliche Präsentation des neuen Nutzungskonzepts Werdinsel statt. Stadtrat Filippo Leutenegger führte durch den Vormittag und durfte mit dem Erreichten zufrieden sein.

Es brauchte eine gewisse Überwindung, an diesem heissen Tag an der Werdinsel vorbei zum Klärwerk Werdhölzli zu gehen, um sich dort über eben diese Werdinsel, diese kühlende Schönheit an solchen Sommertagen, zu informieren. Doch es lohnte sich, waren doch nebst Stadtrat Leutenegger von allen involvierten Dienstabteilung Verantwortliche anwesend, die zu den acht Handlungsfeldern, welche für das neue Nutzungskonzept definiert worden waren, kompetent Red und Antwort standen und Anliegen aufnehmen konnten.

Ein aufwändiger Prozess

Seit Anfang dieses Jahres hatten sich rund hundert Interessenvertreterinnen und -vertreter zu Workshops getroffen – die einen Gruppen häufiger als die anderen – und suchten nach Lösungen (siehe «Höngger» vom 13. April 2017). Von verschiedenen Teilnehmern dieser Runden war zu hören, dass die Verhandlungen immer fair und lösungsorientiert geführt worden seien. Nun konnte Leutenegger, der viele dieser Veranstaltungen persönlich geleitet hatte, die Ergebnisse präsentieren und einleitend festhalten, dass man «einen Konsens über den Dissens» habe. Das klingt, so liess sich später feststellen, negativer als es tatsächlich ist. So wurden zuerst die Ergebnisse der bisherigen Treffen vorgestellt. Zu jedem der Themenfelder, «Sicherheit», «Sauberkeit», «Verkehr», «Veranstaltungen», «Infrastruktur», «Badi Au Höngg», «Mensch und Tier» und «Inselspitz» waren Informationstafeln aufgestellt. Dort war ersichtlich, was jeweils die Ausgangslage und die Ziele waren und welche Massnahmen nun geplant ist.

Erfolgreiches Ringen um gemeinsame Lösungen

Die Badi Au Höngg ist bekanntlich an heissen Tagen komplett überlastet. Darunter leidet auch die Sicherheit der Badenden im Ausstiegsbereich der Schwimmstrecke im Kanal, dort kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen, weil alle bei der einen Treppe aus dem Wasser müssen. Nun sollen die Schwimmstrecke bis zur Brücke verlängert und zusätzliche Ausstiege geschaffen werden. Dazu müssen bis zu 50 kleinere und grössere Bäume gefällt werden. Ersatzpflanzungen auf der Werdinsel sind vorgesehen, auch um den Schattenbedarf zu decken. Auf dem Inselspitz waren natürlich der Nacktbadebereich, der unbestritten ist, und die sexuellen Handlungen im öffentlichen Raum ein Thema. Um letzterem entgegen zu wirken wird das kleine Wäldchen gleich neben dem Kraftwerk ausgelichtet und weiterhin mit Plakataktionen und Polizeikontrollen auf die Nichttoleranz hingewiesen. Der Bereich «Mensch und Tier» stand ganz im Spannungsfeld zwischen Hundehaltern, Erholungssuchenden und Wildtierschutz. In dieser Gruppe wurde und wird am härtesten gerungen, speziell seitens der Hundehalter, die sich vehement für den Freiraum ihrer Vierbeiner einsetzen. Klar ist, dass in der Badi weiterhin ein Hundeverbot herrscht. Auf dem Rest der Werdinsel soll nun von April bis September eine saisonale Leinenpflicht herrschen. Auch da wurde man sich einigermassen einig. Doch auf dem Fischerweg, dem Weg auf der Altstetter Limmatseite, schieden sich die Hundegeister. Soll entlang des Auenwaldes auf der ganzen Strecke oder nur eine teilweise Leinenpflicht herrschen? Und generell oder nur saisonal? Die Diskussionen dazu sind noch nicht abgeschlossen. In der Fokusgruppe «Infrastruktur» war klar, dass man das Angebot nicht für zusätzliche Nutzergruppen erweitern will. Doch die Liegewiesen sind knapp bemessen. So stand zur Diskussion, die Wiese entlang der Limmat zu verlängern und die vordere Reihe der Schrebergärten, die an das Fabrikareal anschliessen, ganz aufzuheben. Natürlich hatten die betroffenen Familiengärtner keine Freude. Doch sie waren es, die einen anderen Vorschlag unterbreiteten und nun ihre Gärten, von denen insbesondere zwei eine Grösse haben, die heute nicht mehr üblich ist, anders einteilen. So wird zwar nicht der ganze Uferbereich verbreitert, dafür ein recht grosses Areal gleich anschliessend an den Weg neben dem Fabrikareal für die Öffentlichkeit als Liegewiese mit Flussanstoss frei. Es ist dem Familiengartenverein und seinen Mitgliedern hoch anzurechnen, dass sie ihre Eigeninteressen zugunsten der Öffentlichkeit so zurückstellten. Im Bereich Verkehr sorgen der Suchverkehr für Parkplätze für Ungemach, doch dagegen lässt sich kaum etwas machen – ausser dass man die öffentlichen Parkplätze noch besser signalisiert. Anders ist es bei den falsch oder behindernd parkierten Fahrzeugen, die weiterhin verzeigt werden. Um gegen die falsch parkierten Fahrräder vorzugehen, werden saisonal zusätzliche Fahrradständer aufgestellt. Die Stadt wird auch immer wieder angefragt, ob man die Insel nicht für Hochzeitsfeiern, Firmenevents und vieles mehr nutzen dürfe. Doch da bleibt man restriktiv und bewilligt weiterhin nur etablierte Veranstaltungen wie das Werdinsel Open Air und, falls es je wieder stattfindet, das «Werdinselfäscht». In den anderen Handlungsfeldern zeigte sich nur marginaler Handlungsbedarf, der sich mit einfachen Mitteln umsetzen lässt.

Stossrichtungen bewerten

Zu all diesen Themen galt es nun, nach den ersten Erläuterungen, sich an den acht Informationstafeln die Details anzuschauen. Und vor allem, die jeweilige, grundsätzliche Stossrichtung der Lösungsvorschläge zu bewerten. «Stimmt sie?», lautete die Frage die mittels Anbringen von Klebepunkten auf einer Achse zwischen «Ja» und «Nein» beantwortet werden konnte. Und ja, da standen sie nun, die Zuständigen der Dienstabteilungen, gaben Auskunft, beantworteten Fragen, hörten zu, nahmen Anliegen auf – und so kam es doch tatsächlich, dass sich in der bislang umstrittenen Frage, wann und wo auf dem Fischerweg entlang der Limmat Leinenpflicht für Hunde herrschen sollte, eine Lösung abzuzeichnen schien. Ob sie sich durchsetzt, wird sich noch weisen. Im zusammenfassenden Schlussteil stellte Leutenegger jedenfalls erfreut fest, dass man nun auch hier auf der Konsensebene angekommen sei.

Etappenweise Umsetzung

Diesen Herbst soll die Schlussfassung des Konzepts vorliegen. Dann wird Stadtrat Leutenegger Vorentscheide treffen und die entsprechenden Schritte einleiten. «Danach», so hatte er bereits einleitend und auf alle Entscheide und Verfügungen gemünzt verdeutlicht, «kann wie gegen alles in der Schweiz rekurriert werden». Die Umsetzung erfolgt etappenweise. Einige Ziele, wie beispielsweise zusätzliche Abfallbehälter, können kurzfristig umgesetzt werden, andere wie die Verlängerung der Badestrecke, mittelfristig. Diese wird, abgestimmt auf den Neubau der Fischtreppe beim EWZ-Kraftwerk im Zeitraum 2019 bis 2020 realisiert. «Ich habe mir angewöhnt» erläuterte der Magistrat zu dieser offenen Zeitangabe, «nicht einzelne Jahre zu nennen, sondern immer deren zwei, das lässt etwas mehr Spielraum, den man erfahrungsgemäss braucht». Auch die neue Liegewiese wird wohl erst 2020 oder ein Jahr später realisiert werden können – ganze Gärten werden nicht einfach so mal eben verlegt. Im Anschluss an die Veranstaltung waren alle noch zu einem Mittagessen in der Kantine des Klärwerks eingeladen. Und danach sind wohl die einen oder anderen dann doch noch auf die echte Werdinsel geschlendert und haben einen heissen Sommertag genossen.

 

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