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Dorfleben

Neubeginn nach 29 Jahren

7. Februar 2018 von

Foto: Fredy Haffner

Diskutieren und aufgreifen: Auf den Papieren wurde bunt festgehalten, was man sich im Rütihof erhofft.

Foto: Fredy Haffner
Foto: Fredy Haffner

Der erstmals öffentlich gezeigte Plan des beschlossenen Strassenbauprojektes an der Frankentaler-, Regensdorfer- und Geeringstrasse.

Von

Online seit
7. Februar 2018

Printausgabe vom
08. Februar 2018
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Am 7. Februar 1989 hatte Stadträtin Ursula Koch alle Interessierten zu einer Orientierungsversammlung «Offene Planung Rütihof» geladen. 29 Jahre und ein gescheitertes Projekt später steht man bei der «Mitwirkung Entwicklung Grünwaldareal» wieder vor den selben Fragen wie damals. Diesmal will man sie besser beantworten.

29 Jahre, nachdem sich «ganz Rütihof» zum ersten Mal versammelt hatte, um die Bedürfnisse und Wünsche zu bündeln, die bei der Überbauung der letzten grossen Bauparzelle im Rütihof berücksichtigt werden sollten, versammelte man sich nun wieder, um bei Null zu beginnen. Was damals in der «offenen Planung Rütihof» ausgearbeitet wurde, floss später in den Architekturwettbewerb ein, der das Projekt «Ringling» hervorbrachte, das nach langem Kampf 2016 vor Bundesgericht scheiterte. Nun soll es ein neues richten, denn dass die Parzelle in der Ecke Frankentaler-, Regensdorferstrasse und Im oberen Boden überbaut wird, das ist so ziemlich das einzige, worin sich alle Betroffenen und Beteiligten einig sind. Mit dieser stillschweigenden Grundsatzeinigung versammelten sich am Montag, 29. Januar, rund 120 Personen in der Turnhalle des Schulhauses Rütihof und sassen an 21 Tischen zusammen. «Wohl einige tausend Jahre Rütihof-Erfahrung» seien hier zusammengekommen, würdigte die Moderatorin des Abends das Engagement der Gekommenen. Mit an den Tischen sassen Vertreter der drei Bauträgerinnen – die Baugenossenschaft Sonnengarten (BGS), die Gemeinnützige Bau- und Mietergenossenschaft Zürich (GBMZ) und die Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich (SAW) – die Liegenschaftenverwaltung Stadt Zürich als Eigentümerin und zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Ämter. Und, was bislang nicht üblich war: Auch die Planer waren anwesend. Auch sie sollen von Beginn weg mitbekommen, was sich die Bevölkerung wünscht, damit dies dann auch besser in die Planung miteinfliesst.

Ein Mehrgenerationen-Projekt

Ein Generationenprojekt sei das, sagte Stadtrat André Odermatt in seiner Begrüssungsrede. Damit untertrieb er eher noch, denn von 1989 bis zum frühestmöglichen Start der Realisierung ab 2023 gerechnet wären es dann bereits zwei Generationen, die für die Zukunft planen und bauen. Ja, es brauche manchmal Umwege, um zur besten Lösung zu kommen, doch ab jetzt solle man nicht zurückschauen, sondern alles neu denken, motivierte der Magistrat, denn anders als damals beim ersten Mitwirkungsverfahren gehe es heute nicht nur um Wünsche, sondern auch darum, wie das neue Projekt aussehen und sich einfügen solle. Mit den drei anberaumten Workshops werde nun die Grundlage für den Architekturwettbewerb geschaffen. Beim Wettbewerb selbst soll das Quartier dann miteinbezogen werden. Wie das genau geschehen soll, ist noch offen. Finanzvorsteher Stadtrat Daniel Leupi war in seiner Funktion als Eigentümervertreter der Stadt Zürich anwesend. Er erläuterte einführend kurz, warum die Stadt die Parzelle als ideal zur Überbauung betrachtet – was ja grundsätzlich auch von niemandem bezweifelt wird. Und er skizierte auch den noch langen Weg und somit indirekt auch mögliche Stolpersteine: So liegen zwar der Projektierungskredit und der Architekturwettbewerb in der Finanzkompetenz des Stadtrates, über Kredite für das Vorprojekt oder den Projektierungskredit wird dann aber der Gemeinderat zu entscheiden haben, und auch Baurechtsverträge sowie ein allfälliger Gestaltungsplan müssen vom Parlament abgesegnet werden. Als Abschluss der einstündigen Einführung stellte die Direktorin des Amtes für Städtebau, Katrin Gügler, noch den Gesamtprozess vor (Zeitplan siehe Infobox). Bereits vorgängig war eine Spurgruppe am Werk, die Empfehlungen definiert hatte. So sei etwa eine hohe städtebauliche und freiraumgestalterische Qualität anzustreben, um eine gute Einbindung in das bestehende Quartier zu erreichen. Ein feinmaschiges Fusswegnetz, eine schonende Erschliessung durch den Autoverkehr, die Sicherung der Quartierversorgung und ein Kindergarten gehöre ebenso dazu wie die Offenlegung des Steinwiesbächleins, wurde weiter empfohlen. Nach dieser Vorarbeit sollten nun noch die Anliegen und Bedürfnisse aus dem Quartier direkt abgeholt und wichtige Themen für die Arealentwicklung und Empfehlungen für den Prozess definiert werden. Daraus erstellt das Planerteam erste Konzeptskizzen, welche am Vertiefungsworkshop vom 9. April präsentiert, von den Teilnehmenden bewertet und daraus abzuleitende Themenschwerpunkte und Fragestellungen erarbeitet werden. Worauf es gilt, städtebauliche Grundsätze abzuleiten, welche ihrerseits am Ergebnisworkshop vom 14. Juni vorgestellt, bewertet und als Empfehlungen an die Verantwortlichen weitergeleitet werden, die sich dann an die Auswertung des Mitwirkungsverfahrens machen. Die im Mitwirkungsverfahren gemeinsam erarbeiteten Grundsätze sollen ins Programm des anschliessenden Architekturwettbewerbs einfliessen.

Diskutieren, skizzieren, schreiben, bewegen

Das Moderatorenteam vom Beratungsunternehmen «frischer wind» – ein zufälligerweise sinniger Name für das, was im Rütihof gesucht wird – führte gekonnt durch den Abend. An jedem der 21 Tische sass ein «Gastgeber», jemand aus dem Planungsteam, der Bauherrschaft oder einem der involvierten Ämter. Sie blieben jeweils am Tisch sitzen, während alle anderen nach jeder Themenrunde den Platz neu frei wählen mussten. In der ersten der je 30 Minuten dauernden Runden wurden Klärungsfragen gestellt und festgehalten, was am geplanten Prozess gefällt und was weniger. Schon da wurden die auf den Tischen liegenden Papiere bunt mit vielen Stichwörtern beschrieben. Dann ging es auf in die zweite Runde, und auf dem Weg zum neuen Tisch konnte man sich an einem der Buffets am Turnhallenrand mit Sandwiches und Getränken versorgen. Am neuen Tisch wurde man vom Gasgebenden empfangen und informiert, was die Runde vorher festgehalten hatte. Nun hiess es, dies mit konkreten Anliegen und Wünschen zur geplanten Arealentwicklung Grünwald zu ergänzen. Erneut ging es lebhaft zu und her und auf dem Papier wurde es bunter und bunter. Schon wieder waren 30 Minuten vorbei und der letzte Gruppenwechsel mischte alle Anwesenden wieder neu. Diese hatten nun die Aufgabe, Empfehlungen zu formulieren, die dann abschliessend von jeweils einer die Tischrunde vertretenden Person vorgestellt und auf Zetteln festgehalten an die grosse Präsentationswand gepinnt wurden. Das Moderatorenteam sortierte sie thematisch und so war letztlich leicht ersichtlich, was man sich anhand dieses Abends im Rütihof wünscht:
Eine offene, durchlässige Bebauung, verschiedene Wohnformen, öffentlich nutzbare Erdgeschosse, Grüne Aussenräume, mehrere Treffpunkte für verschiedene Bedürfnisse, Versammlungslokale, Kleingewerbe und Läden, ein Restaurant, Spielplätze, eine vernünftige Verkehrserschliessung und vor allem möge man die heutige Dichte und Struktur beibehalten, das Neue mit dem bestehenden gut vernetzen und: die Resultate des Mitwirkungsprozesses auch wirklich berücksichtigen. Der Workshop-Abend hatte viel erreicht – am greifbarsten war, als er kurz nach 22 Uhr pünktlich beendet wurde, dass man miteinander gesprochen hatte, auch mit Menschen, die man zuvor vielleicht nur flüchtig oder gar nicht gekannt hatte. Durchlässig eben, wie das, was man sich vom neuen Grünwaldareal erhofft. Und bis dann eines Tages die Baumaschinen auffahren, wird der Raum genutzt wie bisher: durch den Kindergarten, den «Kasten», die Landwirtschaft und die Recyclingstelle von erz.

Weitere Workshops sind für Montag, 9. April und Donnerstag, 14. Juni, jeweils von 19 bis 22 Uhr, geplant. Eine Anmeldung wird erforderlich sein an: brigitte.bolliger.hbd@zuerich.ch oder telefonisch 044 412 29 28. Info unter www.stadt-zuerich.ch/gruenwald

Voraussichtliche Zeitachse
Mitwirkungsprozess bis Mitte 2018
Wettbewerb abgeschlossen Mitte 2019
Projektierung bis Mitte 2021
Baubewilligung und Ausführungsplanung bis Ende 2022
Realisierung 2023 bis 2024

Info zum Strassenbauprojekt
Das Rekursverfahren zum Strassenprojekt Frankentaler/Regensdorferstrasse ist abgeschlossen und das Bauprojekt wird voraussichtlich ab 2019 vom Tiefbauamt realisiert werden: Auf der Frankentalerstrasse wird eingangs Geeringstrasse ein grosser Kreisel realisiert, und die Spurführung in die Regensdorferstrasse wird entflechtet. Die Bushaltestelle in der Geeringstrasse wird in die Rütihofstrasse verlegt, und an der Frankentalerstrasse entsteht eine zusätzliche Bushaltestelle, die das Gebiet Naglerwiesenstrasse besser mit dem ÖV erschliesst.

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