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Politik / Im Blickfeld

Nein, man muss nicht über den Lehrplan abstimmen

24. Januar 2018 von

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Marcel Bührig, Gemeinderat der Grünen

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Online seit
24. Januar 2018

Printausgabe vom
25. Januar 2018
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Seit Jahren arbeiten unzählige Expertinnen und Experten an einem neuen Lehrplan, dem Lehrplan 21. Dieser soll die Volksschule ins 21. Jahrhundert katapultieren und neueste Erkenntnisse der Pädagogik einbeziehen.

Doch ein Komitee aus Jungfreisinnigen und den Rechten möchte nun, dass das Stimmvolk über genau diesen Lehrplan abstimmt. Mitbestimmung an der Volksschule ist zwar wichtig, aber sie muss ihre Grenzen haben. Der Lehrplan ist so eine Grenze, das ist keine strategische Ausrichtung mehr, sondern das ist ein hoch-wissenschaftliches Schriftwerk, an Komplexität kaum zu überbieten. Die strategischen Leitlinien wurden bereits mit dem Beitritt zum Harmos-Konkordat beschlossen, und man kann weiterhin Einfluss über die Schulpflege nehmen.

Fundamentalistisches Interesse

Das jetzt aber vor allem rechte und fundamental-religiöse Organisationen dafür kämpfen, dass die Bevölkerung darüber abstimmen soll, hat wohl nur einen Grund. Ihnen sind Begriffe wie Sexualität oder Geschlechterrollen wohl ein Dorn im Auge. Sie möchten die Chance erhalten, den Lehrplan zu verwerfen, um ihre eigenen, bildungsmoralischen Vorstellungen durchzusetzen, auch wenn diese aus den 50er-Jahren stammen. Doch eine vollständige Schulbildung umfasst zwingend auch die Sexualaufklärung, denn so lassen sich Geschlechtskrankheiten und ungewollte Schwangerschaften immer noch am besten verhindern.

Keine Detailgeschäfte vor dem Stimmvolk

Das Stimmvolk wählt alle vier Jahre ein 180-köpfiges Parlament, um über Detailfragen zu bestimmen. Der Kantonsrat ist unsere politische Vertretung, diese Aufgabe muss man ihm auch zutrauen können. Die Bevölkerung muss dann mitentscheiden, wenn es um strategische Ausrichtungen oder Verfassungsänderungen geht, die grossen Leitlinien. Aber eine Abstimmung über den Lehrplan ist nicht zielführend, der Lehrplan ist so umfangreich, dass eine ernste Meinungsbildung gar nicht möglich ist, es ist wie gesagt ein pädagogisches und nicht politisches Mammutprojekt. Doch einzelne Exponentinnen und Exponenten sehen auch in der modernen Pädagogik eine politische Stossrichtung, weil sie sich selber als Gotteskrieger für einen christlichen Staat ansehen oder die Moderne und die Erneuerung einfach als grundsätzliche Bedrohung empfinden.

Marcel Bührig, Gemeinderat der Grünen

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