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Politik / Im Blickfeld

Naturschutz im Sinkflug

14. März 2018 von

Kathy Steiner, Kantonsrätin, Grüne
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Kathy Steiner, Kantonsrätin, Grüne

Von

Online seit
14. März 2018

Printausgabe vom
15. März 2018
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In der Zürcher Bevölkerung ist die Sorge gross, dass mit dem Wachstum unserer Stadt immer mehr Wiesen, Bäume, kleine Pärke, Bachufer, Hecken und sonstige natürliche Nischen verschwinden.

Deswegen haben im letzten Sommer auch 80 Prozent der Bevölkerung der Grünstadt-Initiative zugestimmt. Dies hat den Grundstein gelegt für einen besseren Naturschutz und für eine verstärkte Förderung von Grün- und Freiräumen in allen Quartieren. Wer jedoch meint, dass die Natur in der Stadt ganz besonders unter Druck steht, der täuscht sich. In der Landschaft rundherum sieht es nicht besser aus. So sind in den letzten 30 Jahren im Kanton Zürich über ein Drittel der Fundorte bedrohter Pflanzenarten erloschen. In 20 Jahren ist die Gesamtzahl der Brutvögel kantonsweit um 150’000 Tiere zurückgegangen und ein Viertel der Schmetterlingsarten ist verschwunden. Es fehlt an natürlichen Blumenwiesen und ökologisch wertvollen Biotopen.

Politik verhindert Naturschutz

In Zürich sterben langsam aber sicher Fische, Schmetterlinge und Bienen aus, das belegen Zählungen von Naturschutzvereinen und wissenschaftliche Studien. Trotz dieser alarmierenden Zahlen ist Naturschutz in der Politik kein Thema mehr – ausser in der Budgetdebatte, wenn es ums Geld geht. Bisher hat sich SVP-Regierungsrat Markus Kägi wahrlich keinen Namen als Umweltschützer gemacht. Aber auch er hat die Alarmzeichen erkannt: «Künftig ist ein klar grösserer Effort nötig». Ungeachtet solcher Mahnungen hat die bürgerliche Mehrheit in den letzten Jahren das Budget für die Fachstelle Naturschutz immer gekürzt und damit die dringend benötigten Personalstellen verhindert.

Wassergesetz

Naturanliegen hatten es im Kanton Zürich noch selten so schwer wie heute. Das zeigt gerade wieder die Debatte um das neue Wassergesetz. Gewässer sind diejenigen Lebensräume, die am weitesten von ihrem natürlichen Zustand entfernt sind. Während zwei Jahrhunderten sind Flüsse und Bäche verbaut, begradigt, eingedolt und zwischen Dämme eingezwängt worden. Heute wissen wir, dass damit wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen zunichtegemacht wurden und deshalb viele Arten vom Aussterben bedroht sind. Folgerichtig zielt die Gewässerschutzpolitik des Bundes auf Renaturierung und Aufwertung der Gewässer ab. Jedoch nicht so die Mehrheit des Kantonsrates, diese hat im neuen Wassergesetz neue Barrieren und Blockaden gegen solche Revitalisierungen eingebaut. Damit wird für eine lange Zeit die grosse Chance vertan, im Kanton Zürich ein zweckmässiges und zukunftsorientiertes Wassergesetz einzuführen.

Kathy Steiner, Kantonsrätin, Grüne

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