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Mr. Jazz – Die Höngger Jazz-Legende

16. August 2017 von

Foto: zvg

Theo Zwicky vor seinem Plattenladen «Mr. Jazz» in der Zürcher Altstadt

Foto: zvg

Akribisch genau dokumentiertes Bild von Theo Zwicky.

Von

Online seit
16. August 2017

Printausgabe vom
17. August 2017
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Theo Zwicky, die Höngger Jazzkoryphäe, widmete sein Leben bis zum Schluss seiner grossen Leidenschaft, dem Jazz. Der «Höngger» traf seinen engen Freund, Duke Seidmann, der einen Einblick in Zwickys Leben ermöglichte.

Geboren 1927, machte Theo Zwicky in jungen Jahren eine Ausbildung als Graphiker. Nach einer längeren Krankheit musste er 1949 zur Rekonvaleszenz nach Arosa, wo ihm seine Mutter für etwas Abwechslung ein Radio schenkte. Ein Schicksalsschlag, der sein Leben auf den Kopf stellen sollte: Über das Radio stiess Zwicky zufällig auf den Jazz, welcher ihn tief beeindruckte und eine grosse Leidenschaft entfachte. Fasziniert von dieser Musik machte sich Theo Zwicky auf die Suche nach Schellackplatten. Er interessierte sich dabei insbesondere für den «swingenden», afroamerikanischen Jazz aus der Geburtszeit des Musikstils zwischen 1922 und 1945. Bald musste er jedoch feststellen, dass die Schallplatten kaum auffindbar waren. Er entschied sich für die Eigenrecherche und begab sich auf die Reise. Vorerst nur nebenberuflich, fuhr er während seiner Ferien ins Ausland, um seine begehrten Schellacks einzukaufen.

Enge Freundschaften und Weihnachtskarten

Nach einigen Jahren hängte Zwicky seinen Beruf als Graphiker an den Nagel und zog einen weltweiten Jazzplatten-Import auf. Dabei kaufte und sammelte er neben Schallplatten auch Fotos von Musikern und Jazz-Filme. So reiste Zwicky vermehrt ins Ausland, wo er die Musiker selbst traf, fotografierte und unmittelbar mit ihnen ins Gespräch kam. Aus diesen Treffen entstanden enge Freundschaften, aus welchen sich rege Briefwechsel entwickelten, welche heute ebenfalls zur Zwicky-Sammlung gehören. «Theo erhielt jährlich Weihnachtskarten von Musikern aus aller Welt», so Seidmann. Mit einer akribischen Genauigkeit untersuchte er die Platten, vervollständigte die Liste der Interpreten und katalogisierte sie. «Wenn wir an Jazzfestivals gingen, nahm Theo seine Alben voller Fotos mit, um die Musiker nach ihm unbekannten Gesichtern auf den Fotos zu fragen», erzählt Seidmann. Zwicky scheute keine Mühe und Aufgeben kam nie in Frage.

Plattenladen «Mr. Jazz» und weltweite Bekanntheit

In den 70er Jahren erweiterte Zwicky seine Tätigkeit und eröffnete einen Jazzplatten-Laden in der Zürcher Altstadt, den er nach seinem Spitznamen, «Mr. Jazz», taufte. Dieser entwickelte sich zum Mekka für Sammler von Schallplatten des klassischen Jazz. Zudem bemühte sich Zwicky, den afroamerikanischen, «swingenden» Jazz ins Radio zu bringen, indem er anfing, Radio- und Fernsehsendungen zu gestalten. Seine Sammlung und er selbst gewannen dadurch immer mehr an Bekanntheit, so dass die grossen europäischen Jazzmagazine zu ihm kamen, um sich seiner Sammlung von Fotos zu bedienen. Nebst seinem riesigen Plattenarchiv baute Zwicky auch ein umfangreiches Archiv an Fotos und Jazzfilmen auf.

Ein unermüdlicher Vermittler

Mit der Zeit wuchs in ihm das Bedürfnis, sein Wissen auch an die nächsten Generationen weiterzugeben, weshalb er anfing Vorträge zu halten, an denen er unter anderem seine gesammelten, amerikanischen Kurzmusikfilme, sogenannte «Soundies», vorstellte. Fünf Tage vor seinem Tod hielt Zwicky seinen letzten Vortrag. Obwohl Theo Zwicky nie ein Instrument spielen konnte, leistete er der Jazzwelt als Sammler einen unschätzbaren Dienst. Sein Lebenswerk startete 1947 und dauerte bis zu seinem Tod im Dezember 2016 an. Siebzig Jahre lang folgte er seiner Leidenschaft und sammelte, untersuchte und verbreitete Platten, Fotos und Filme aus dem klassischen Jazz. Dank seiner Person werden unzählige Persönlichkeiten in Erinnerung bleiben.

Theo Zwickys Sammlung befindet sich nun in Eisenach, Thüringen und wurde der Stiftung Lippmann+Rau übergeben, wo sie für alle Interessierten zugänglich ist.

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