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Mit der Copilotin durch das Dickicht des Schweizer Schulsystems

2. Mai 2018 von

Foto: Symbolbild Caritas

Die Copilotinnen und Copiloten der Caritas stehen Eltern bei Fragen rund um die Schule beratend zur Seite.

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Online seit
2. Mai 2018

Printausgabe vom
03. Mai 2018
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Im «Copilot-Projekt» vermittelt die Caritas Zürich interessierten Familien freiwillige Begleitpersonen, die ihnen dabei helfen, das Schweizer Schulsystem und den Schulalltag ihrer Kinder zu verstehen.

Seit etwas mehr als einem Jahr sind Sandra Buchmann und Menderin Jemal Hamza ein Tandem. Fahrrad fahren sie zwar nicht zusammen, aber dafür bewältigen sie gemeinsam viele der ganz alltäglichen Probleme, mit denen Familien konfrontiert werden, die aus dem Ausland in die Schweiz ziehen. Menderin Hamza ist vor sechs Jahren aus Äthiopien in die Schweiz gekommen und lebt nun mit ihrem mittlerweile sechsjährigen Sohn in Höngg. Sandra Buchmann dagegen ist Berufsschullehrerin und hat im vergangenen Jahr beschlossen, sich ehrenamtlich im Projekt «Copilot» der Caritas Zürich zu engagieren. Kristien Mouysset, die Leiterin des Projekts, hat die beiden zu einem Team zusammengeführt.

Hilfe bei Fragen zu Kindergarten und Schule

Nun sitzen alle drei gemeinsam in der Cafeteria der Universität Zürich und geben Auskunft über das Projekt. Als junge und alleinerziehende Mutter, so erklärt Hamza, habe sie nach der Geburt ihres Sohnes Nohe zunächst regelmässig das kostenlose Angebot der Mütter- und Väterberatung der Stadt Zürich wahrgenommen. Dieses Angebot gilt für die ersten fünf Lebensjahre des Kindes. Weil Hamza auch nach dem fünften Geburtstag ihres Kindes gerne weiterhin Beratung und Unterstützung, insbesondere in Bezug auf Fragen zu Kindergarten und Schule gehabt hätte, wandte sie sich an ihre Mütter-/Väterberaterin. «Sie hat mich dann an die Caritas weiterverwiesen», führt Hamza aus. «Es ist oftmals so», ergänzt Mouysset, «dass die Eltern via Mütter-/Väterberatung zu uns gelangen. Sie sind meist erst seit kurzer Zeit in der Schweiz und werden mit dem Schuleintritt ihres Kindes mit ganz neuen Fragen und Herausforderungen konfrontiert. Unser Projekt möchte den Eltern zu einer guten Zusammenarbeit mit der Schule verhelfen und damit die Bildungschancen der Kinder verbessern. Das Angebot des Projekts richtet sich daher konkret an Familien mit Kindern zwischen drei und acht Jahren. Dabei steht der Kontakt zwischen den Eltern und den Freiwilligen im Fokus, es geht um die Beratung und Unterstützung der Eltern und nicht etwa um Nachhilfe für die Kinder», konkretisiert Mouysset.
Die Copilotinnen und Copiloten sind Freiwillige wie Sandra Buchmann, die gerne etwas von ihrem Wissen über das Bildungssystem in der Schweiz weitergeben möchten. «Ich war auf der Suche nach einer Möglichkeit, mich zu engagieren und Menschen mit Migrationshintergrund zu unterstützen. Weil ich hauptberuflich Lehrerin bin, ist es nicht meine Priorität, in der Freizeit Deutschkurse zu geben. Während der Internetrecherche bin ich dann auf das Copilot-Projekt gestossen», erzählt sie. Die Caritas vermittelte daraufhin den Kontakt zu Hamza und organisierte ein erstes Kennenlernen bei ihr zu Hause. Seither treffen sich die beiden Frauen in losen Zeitabständen, meist bei Hamza, aber auch mal an der Universität, wo Buchmann einen berufsbegleitenden Masterstudiengang absolviert. «Am Anfang haben wir uns vielleicht zweimal pro Monat getroffen, mittlerweile kommunizieren wir oft auch einfach per Whatsapp oder E-Mail», berichtet Buchmann.

Eine Gesprächspartnerin für alle Belange

Ging es zu Beginn ihrer Tandembeziehung hauptsächlich um Fragen zum Kindergarten, Freizeitmöglichkeiten oder das Lesen von Elternbriefen, hat sich das Feld mittlerweile ausgeweitet. «Weil Menderin gut Deutsch spricht und die Kontakte zum Kindergarten vollkommen selbstständig bewältigen kann, haben sich unsere Gesprächsthemen im Laufe des Jahres mehr und mehr verlagert», erklärt Buchmann. «Heute helfe ich ihr zum Beispiel bei Korrespondenz mit der Versicherung oder beim Abschluss ihres Mietvertrags, lauter Alltagsdinge, die viel Wissen über die hiesigen Gepflogenheiten voraussetzen.» Es sei schön, ergänzt Hamza, sich mit allen möglichen Fragen an ihre Tandempartnerin wenden zu können. «Ausserdem ist Sandra eine der wenigen Personen, mit denen ich ausserhalb der Arbeit Deutsch sprechen und schreiben kann», fügt sie lächelnd hinzu.
Bewusst begrenzt die Caritas Zürich das Angebot des Projekts zunächst auf das Themenfeld Kindergarten und Schule und schult die Freiwilligen auch konkret in Bezug auf diese Thematik. «In vielen Fällen», so erläutert Mouysset, «beschränkt sich die Beziehung der Tandems aber nicht auf dieses Thema, sondern geht viel weiter. Das ist sehr schön und ein Beweis dafür, dass das Team gut funktioniert. Die Freiwilligen sollen jedoch auch wissen, dass sie nicht für alle Fragen zuständig sein müssen, sonst besteht die Gefahr, dass sie sich überfordert fühlen. Natürlich dürfen sie ihren Partnern mit Rat und Tat in anderen Bereichen als der Schule zur Seite stehen, erwartet wird das von uns jedoch nicht.»

Eine Bereicherung für beide Seiten

Bei Buchmann und Hamza stellt sich das Problem der Überforderung nicht. Beide sind überaus zufrieden mit ihrem Tandem und schätzen die Erfahrungen, die sie damit gemacht haben, sehr. «Ich bin Sandra sehr dankbar für ihre Hilfe», erklärt Hamza, «sie hat immer ein offenes Ohr für meine Fragen, auch wenn ich weiss, dass sie selbst beruflich sehr beschäftigt ist», schmunzelt sie. Buchmann dagegen bewundert die Art, wie ihre Partnerin mit ihrer Situation umgeht: «Ich finde es toll zu sehen, wie autonom Menderin ist. Sie ist als alleinerziehende Mutter in ein Land gekommen, dessen Sprache sie nicht sprach und wo sie niemanden kannte. Ich bewundere, wie sie alleine all die Herausforderungen meistert, ihren Sohn grosszieht, Deutsch lernt und sich gleichzeitig noch um ihre eigene berufliche Weiterbildung kümmert. Hamzas Traum ist es, hier in der Schweiz eine Vorlehre als Schneiderin zu absolvieren.»
Offiziell ist das Tandem der beiden nun, ein Jahr nach dem Beginn der Partnerschaft, beendet. Doch so unkompliziert wie Hamza und Buchmann in ihr Tandem gestartet sind, so unkompliziert wollen sie ihre Beziehung auch weiterführen. «Wir werden auf jeden Fall auch in Zukunft in Kontakt bleiben und uns weiterhin austauschen», versichern die beiden.

Copilot/in werden
Caritas Zürich sucht regelmässig neue freiwillige Begleitpersonen. Im Einsatz sind Frauen und Männer, die das Schweizer Schulsystem kennen. Sie teilen ihr Wissen und stehen den Eltern bei Fragen rund um die Schule beratend zur Seite. Gerne gibt Projektleiterin Kristien Mouysset nähere Auskunft zum Einsatz.
Kontakt:
Kristien Mouysset, Leiterin Copilot
Tel. 044 366 68 88
copilot@caritas-zuerich.ch
caritas-zuerich.ch/copilotfreiwillige

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