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Dossier Verkehr Höngg/Kreis 10

Meierhofplatz noch nicht ganz abgeschrieben

20. Februar 2014 von

Foto: Fredy Haffner

Der Meierhofplatz heute, wo sich alle Verkehrsteilnehmer auf engstem Raum bewegen müssen.

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20. Februar 2014

Printausgabe vom
20. Februar 2014
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Die Motion Stäbler/Schönbächler ist Geschichte. Trotzdem soll sich am Meierhofplatz verkehrstechnisch endlich etwas bewegen – was, darüber muss der Stadtrat in zwei und vier Jahren berichten, beschloss der Gemeinderat. Wie der gordische Knoten vielleicht entwirrt werden könnte.

Die Geschichte und die Diskussionen rund um die Verkehrssituation rund um den Meierhofplatz sind lang und verstrickt. Nun bewegt sich vielleicht endlich etwas. Doch zuerst ein verkürzter Rückblick.

Was bisher geschah

Am 25. Juni 2003 reichten die Gemeinderäte Anton Stäbler und Robert Schönbächler eine Motion ein, welche verlangte, dass dem Gemeinderat eine Vorlage zu präsentieren sei, welche aufzeigt, wie man «den Meierhofplatz durch organisatorische und bauliche Massnahmen für den öffentlichen Verkehr und die nicht motorisierten Verkehrsteilnehmer aufwerten» könnte. 2004 wurde ein Verkehrsgutachten erstellt, das als Planungsgrundlage diente. Die Motion Stäbler/Schönbächler wurde am 20. April 2005 überwiesen und damit für den Stadtrat verbindlich. 2008 informierte die Dienstabteilung Verkehr (DAV) öffentlich über die geplanten Massnahmen, darunter das umstrittene Rechtsabbiegegebot von der Regensdorferstrasse in die Limmattalstrasse, das auf diesem Weg die direkte Weiterfahrt über den Meierhofplatz in Richtung Stadt verunmöglicht hätte. In den Sommerferien 2010 wurde dieses Verkehrsregime für eine einjährige Testphase ausgeschrieben. Die Reaktionen in Höngg waren heftig. Es wurden Unterschriften gesammelt und rekurriert. Die Ausschreibung wurde zurückgezogen und der Mitwirkungsprozess «Verkehr Kreis 10» einberufen, weil man auch erkannt hatte, dass – egal was man am Meierhofplatz ändert – es Auswirkungen auf den ganzen Kreis 10 hat und umgekehrt.

17 mögliche Massnahmen

Also trafen sich im 2012 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Gesellschaft von Höngg und Wipkingen, erarbeiteten an drei Workshops 17 mögliche Massnahmen zur Verbesserung der Verkehrssituation und überreichten diese als Empfehlung dem damals noch zuständigen Stadtrat Leupi. Die Dienstabteilung Verkehr verfasste darauf per 2. Mai 2013 einen abschliessenden Bericht und ist nun daran zu prüfen, wie und wann einzelne Massnahmen allenfalls umgesetzt werden können. Kurz gesagt: die letzten zehn Jahre geschah nichts, was die Situation am Meierhofplatz konkret und merklich verbessert hätte. Immerhin wurde geredet, geplant, Ideen formuliert und um Konsens gerungen.

Die Motion Stäbler/Schönbächler ist abgeschrieben

In der Folge wurde am 22. Januar dieses Jahres im Rat ein Postulat eingereicht, über dessen Überweisung aber erst nach den Sportferien debattiert werden wird. Es würde vom Stadtrat verlangen, nach zwei respektive vier Jahren einen Bericht über die Umsetzung der am Mitwirkungsprozess formulierten Empfehlungen zu verfassen. Damit würden Parlament und Öffentlichkeit über den Stand der Dinge informiert. Ausgeklammert von diesem Postulat waren jene Vorschläge, welche den Meierhofplatz betreffen, denn diese sind ja noch immer an die Motion Stäbler/Schönbächler geknüpft. Kompli ziert, doch formaljuristisch korrekt. Schade ist, dass die beiden Geschäfte nicht an derselben Ratssitzung verhandelt werden konnten. Folglich ging es am 5. Februar im Zürcher Gemeinderat nur darum, ob mit einer Weisung des Stadtrats, beraten von der Spezialkommission Polizeidepartement/Verkehr (SK PD/V), die Motion Stäbler/Schönbächler wie es der Stadtrat vorgeschlagen hatte abgeschrieben werden kann oder ob, dem Minderheitsantrag von GLP, SP und CVP folgend, dem Stadtrat eine weitere Fristverlängerung um ein Jahr zur Umsetzung gewährt werden soll. In der engagierten Debatte wurde unter anderem auch die Zusammensetzung des Mitwirkungsprozesses kritisiert und dass Lösungsvorschläge wie zum Beispiel eine Tunnellösung bei der Europabrücke im politischen Vorstoss von SP, Grünen, GLP fehlten, obwohl diese vom runden Tisch im Schlussdokument als Option aufgeführt war. Stadtrat Richard Wolff, aktueller Vorsteher des Polizeidepartements, versprach in seinem Schlussvotum aber, selbst zu diesem Vorschlag Bericht zu erstatten, denn er fände ihn, ein Zitat wohl nicht ganz ohne Selbstironie, «eine interessante Ergänzung». Der Rat folgte mit 61 gegen 59 der Kommissionsmehrheit und beschloss damit die Abschreibung der Motion. Mit 79 gegen 42 Stimmen setzte sich dafür in der Schlussabstimmung die politisch anders zusammengesetzte Kommissionsmehrheit durch, welche analog zum Postulat vom 22. Januar Berichte des Stadtrats zur Umsetzung der Massnahmen rund um den Meierhofplatz verlangt hatte, dies per Mai 2015 und 2017. «Falls Empfehlungen nicht umgesetzt werden», endet der Beschluss, «wird dies detailliert begründet.»

Stauverlagerung realisieren

In Höngg dürfte in diesem Zeitraum also besonders interessieren, was sich wie und wann konkret entwickeln wird – oder warum nicht. Im Fokus stehen drei vorgeschlagenen Massnahmen zur Verkehrsproblematik. Zuerst zum Stau: Zumal in den Hauptverkehrszeiten, auf der Limmattalstrasse, der Regensdorfer- und der Gsteigstrasse in Richtung Meierhofplatz behindert er private wie öffentliche Verkehrsteilnehmende gleichermassen. Eine Entschärfung verspricht man sich, wenn – immer in Fahrtrichtung Meierhofplatz gedacht – die Stauzonen auf der Limmattalstrasse vor den Zwielplatz beziehungsweise das Schulhaus Bläsi, auf dem Höngger- berg in die Emil-Klöti-Strasse und in der Regensdorferstrasse vor der Ab- zweigung in die Wieslergasse verlegt würden. Das Staugewühl direkt am Meierhofplatz würde so entschärft und die Durchfahrt verfl üssigt. Und, wie es Guido Trevisan im Rat formu- lierte: «So schlecht alle den Stau fi n- den, für den, der im Stau steht, macht es keinen Unterschied, ob er dies di- rekt an der Kreuzung tut oder früher – für alle anderen schon.» Haltestellenbereiche prüfen Alleine dazu wurden drei Massnah- men vorgeschlagen. Zum Ersten, die heutige Bushaltestelle stadtauswärts mit der dortigen Tramhaltestelle zu vereinen und die Busbucht zugunsten von Fuss- und Veloverkehr aufzuheben. Zum Zweiten wurde angedacht, Bus- und Tramstation direkt vor der Einmündung «Gässli» beim Meierhofplatz neu zu kombinieren und den Individualverkehr zwischen den Tramgeleisen zu führen. Damit würde unter anderem die Umsteigesituation auf die vielfrequentierte Linie 80 massiv verbessert.
Die dritte Idee, die den Platz wohl am stärksten verändern würde, führt die zweite Massnahme noch weiter und vereint auch die stadtauswärts führenden Haltestellen von Bus und Tram dort, wo heute nur der Bus hält. Die dafür nötige Spreizung der Geleise liesse in der Mitte genügend Platz für zwei Spuren des Individualverkehrs.

Quartierzentrum aufwerten

Noch am wenigstens konkret sind die Massnahmen formuliert, welche das «Quartierzentrum Meierhofplatz» aufwerten sollen. Hängig beim Stadtrat ist hier ein Postulat der GLP, welches vom Rat überwiesen wurde und auf der Regensdorferstrasse zwischen Gsteigstrasse und Wieslergasse eine Begegnungszone mit Tempo 20 anregt. Was aber von der FDP heftig bekämpft wird. Auch soll der Bereich zwischen Zwiel- und Meierhofplatz «aufgewertet» werden – wie, das sei dahingestellt.

Die Dinge kommen ins Rollen

Es wird in den gemeinderätlichen Kommissionen, den städtischen Ämtern und nicht zuletzt in Höngg noch viel zu diskutieren geben und rote Köpfe werden sich wohl nicht vermeiden lassen. Einen ersten Lagebericht wird der städtische Bericht zur Umsetzung, der spätestens im Mai 2015 vorliegen muss, liefern. Die DAV und das Tiefbauamt ihrerseits haben am 17. September 2013 Teilnehmenden des Mitwirkungsprozesses in einem Schreiben bereits einen früheren Termin angekündigt: «Während bei einigen Empfehlungen schon Verbesserungen erzielt werden konnten beziehungsweise konkrete Massnahmen bekannt sind, müssen bei anderen Empfehlungen noch weitere Abklärungen vorgenommen werden. (. . .) Wir planen, in der zweiten Jahreshälfte 2014 Ihnen schriftlich eine aktuelle Übersicht über den Stand der Dinge der 17 Empfehlungen zu geben.»
Und der «Höngger» wird berichten, wann immer sich am Meierhofplatz etwas bewegt.

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