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Dossier Werdinsel

Limmat-Auenpark Werdhölzli nimmt Formen an

11. April 2013 von

Foto: Malini Gloor

Die vier Steininseln bei der Autobahnbrücke Oberengstringen dynamisieren die Limmat.

Foto: Malini Gloor

Stefano Pellandini weiss alles über den Limmat-Auenpark Werdhölzli.

Foto: Malini Gloor

Hier wird gerade eine sogenannte «Buhne» gebaut. Sie dient bei Hochwasser zur Steuerung der Strömung.

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11. April 2013

Printausgabe vom
11. April 2013
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Um die Werdinsel wird gebaut: Die Arbeiten zum Limmat-Auenpark Werdhölzli sind in vollem Gange. Der «Höngger» unternahm mit Stefano Pellandini vom AWEL, welches der Baudirektion Zürich unterstellt ist, einen «Baustellenspaziergang».

Während die Redaktorin auf Stefano Pellandini, Kulturingenieur ETHZ und Projektleiter des Limmat-Auenparks Werdhölzli (siehe auch Bericht im «Höngger» vom 27. September 2012), wartet, stehen zwei ältere Damen vor der geschlossenen blauen Rohrbrücke bei der Werdinsel und spähen durch das Gitter. «Wir gehen oft hier spazieren, zurzeit können wir das wegen der Bauarbeiten nur noch auf dem Kloster-Fahr-Weg. Unser Lieblingsplätzchen beim Fischerweg gibt es jetzt nicht mehr. Wir sind gespannt, wie es hier nach Abschluss der Arbeiten aussieht», so die beiden Spaziergängerinnen zum «Höngger».

«Das chunnt guet!»

Stefano Pellandini, mittlerweile angekommen und mit Bergschuhen perfekt für die Erkundungstour ausgerüstet, erzählt, dass er mit dem Stand der Bauarbeiten für die 1,8 Kilometer lange Baustelle zufrieden ist: «Wir haben zwar momentan fünf Wochen Verspätung wegen dem vielen Schnee und Regen, ich bin aber sicher, dass wir im Spätsommer dieses Jahres wie angekündigt fertig sind. Wenn es keinen allzu feuchten Frühling gibt, steht den Arbeiten nichts im Weg. Das chunnt guet!» Angefangen wurde mit der Umgestaltung bei der Autobahnbrücke Oberenstringen, mittlerweile ist der Fischerweg bis fast zum Stauwehr Höngg planiert. Die alte Hochwasserverbauung wurde entfernt, und der Fischerweg präsentiert sich schon fast auf der ganzen Länge mit neu 3,5 Metern Breite – bisher war er etwa zwei Meter breit. Die grösseren Dimensionen sind ein Plus für alle, die sich später dort bewegen werden. Unterhalb des Klärwerks Werdhölzli wird der Fischerweg allerdings schmaler und eher abschüssig sein, denn dort verläuft er auf dem neuen Hochwasserschutzdamm. «Aber natürlich kann man auch auf dem abenteuerlichen Pfad nebendran gehen, der wird zeitweise überflutet sein, denn die Limmat soll Platz bekommen», so Stefano Pellandini.

Durch gelenkte Strömung Ufer schützen

Bei der Rohrbrücke sowie beim Klärwerk werden je vier sogenannte Buhnen aufgebaut: Grosse Steinhaufen aus Alpenkalk-Brocken, die rund drei Meter tief in der Flusssohle stehen und etwa einen Meter über Wasser ragen. Sie lenken im Falle von Hochwasser die Strömung: So bleibt das Ufer an den kritischen Stellen geschützt. Ab der Rohrbrücke gibt es ein Flachufer, damit man ungehindert zur Limmat kommt und die Zehen im Wasser «tünkeln» kann. Was jetzt kahl und verwundet aussieht, soll nach einem Jahr schon deutlich anders aussehen: «Wir bepflanzen den Limmat-Auenpark gezielt. So kommen ortstypische Gebüsche und Pflanzen hierher, zudem Aussaaten, die die Artenvielfalt unterstützen, beispielsweise typische Samen für Gewässerräume.» Das AWEL (Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft), Grün Stadt Zürich sowie das Kraftwerk Werdhölzli und auf ihrem Gebiet die Gemeinde Oberengstringen werden sich um die Pflege der Vegetation kümmern.

Steg in den Auenwald

Als Zugang in den Auenwald Werdhölzli wird ein 320 Meter langer Steg gebaut, dessen gut 200 Pfähle schon gesetzt sind: Fünf Meter lange Robinienholzpfähle mit etwa 30 Zentimetern Durchmesser stecken rund vier Meter tief im Boden. «Da der Auenwald zeitweise unter Wasser stehen wird, wählten wir das härteste Holz aus: Robinienholz, und zwar zertifiziertes.» Auf der Höhe der Bombachmündung ist die Limmat momentan gestaut. Hier entsteht das Bombach-Delta auf der Seite des Kloster-Fahr-Weges. Damit die Zufahrt zur Neugestaltung der Bombachmündung erfolgen kann, wurde im Fluss eine provisorische Baupiste aus Steinen und Kies erstellt. Die grossen Baumaschinen können somit direkt durch die gestaute Limmat fahren, ohne den Kloster-Fahr-Weg zu beeinträchtigen. Der Hauserkanal beim Klärwerk Werdhölzli, ursprünglich für das Gewerbe und zur Energieerzeugung gebaut, wird ebenfalls renaturiert. Da hier die Fischart mit dem speziellen Namen Nase ansässig ist, wird mittels Kiesschüttungen extra ein Laichplatz für sie geschaffen.

Unterschiedliche Wassertiefen für verschiedene Tiere

Der Kanal wird ausgeweitet, es wird, wie in der Limmat selbst auch, verschiedene Wassertiefen geben. «Dies schätzen nicht nur Fische, sondern auch Wasservögel, denn je nach Situation wollen sie tiefes oder eher weniger tiefes Wasser – auch die Temperaturen sind unterschiedlich », erklärt Stefano Pellandini. Einige der vielen Bäume, die gefällt wurden, werden sozusagen rezykliert: Ihre Stämme und Wurzelstöcke werden gut verankert in Ufernähe gelegt, so dass sich Pflanzen daran festhalten können. Dies gibt Verstecke und Höhlen für Fische und andere Tiere. Bei der Autobahnbrücke Oberengstringen wurden vier Steininseln mitten in der Limmat angelegt, die den Fluss dynamisieren sollen: «Früher bildete die mäandrierende Limmat auch mehrere Arme. Hier soll dies durch die Steininseln ebenfalls geschehen.» Auf dieser Höhe steht auch bereits die ganz neue Hochwasserschutzmauer beim Oberwerd, wo der Reitplatz des Vereins Reitplatz Hardwiese steht. Sie ist aus Stahlbeton gebaut und mit Steinen verkleidet, die aus alten Zürcher Uferverbauungen stammen – auch hier kam der Recycling- Gedanke zum Tragen. «Was wir hier mit rund 20 Leuten, darunter Bauarbeiter und Planungsteam, realisieren, ist die umfangreichste Renaturierung auf dem Gebiet der Stadt Zürich», so Stefano Pellandini, den die breitfliessende Limmat bei der Autobahnbrücke Oberenstringen an die Maggia in seiner Heimat, dem Tessin, erinnert.

 

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