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Kultur

Kunst im (Roh-) Bau

24. Januar 2018 von

Foto: Patricia Senn

Für die Ausstellung «verbunden verknüpft verrückt» suchten und fanden Künstler der F+F Schule ihren eigenen Zugang zum Frankental.

Foto: Patricia Senn

"Memory of Frankental" erfreute sich grosser Beliebtheit.

Rhea Seleger und Patrick Bolle vom GZ Höngg, Goran Galic von der F+F Schule für Kunst und Design Zürich.

Von

Online seit
24. Januar 2018

Printausgabe vom
25. Januar 2018
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An der Endhaltestelle Frankental hat das GZ Höngg gemeinsam mit der F+F Schule für Kunst und Design Zürich eine Ausstellung realisiert. Die von der BSH zur Verfügung gestellten Räume bilden die perfekte Kulisse für die sehenswerte Auseinandersetzung mit dem Quartier.

«Gestern war ich so blau, dass ich aus Versehen Benzin getrunken habe». Unter dem Dach der Tramhaltestelle Frankental kauert eine Frau und spricht, oder eher, schreit ins Megafon. Sätze aus Dialogen zwischen Jugendlichen, die zwischen 1987 und 1995 unter einem Kastanienbaum in Frankental geführt wurden. Intime Bekenntnisse, Unsicherheiten, Angebereien. Die Performance ist Teil der Ausstellung «verbunden verknüpft verrückt», welche vom Gemeinschaftszentrum Höngg initiiert und zusammen mit Künstlerinnen und Künstlern der F+F Schule für Kunst und Design Zürich realisiert wurde. Der erste Stock der Bau- und Siedlungsgenossenschaft Höngg (BSH), gleich oberhalb der neuen Coop-Filiale, steht immer noch im Rohbau. «Diese Zwischennutzung entspricht genau dem, was wir uns im Vorfeld erhofft hatten, aber nie gedacht hätten, dass sie Realität würde», erzählt Projektassistentin Rhea Seleger vom GZ Höngg. Der nackte Beton und der grosszügige Raum bieten eine aussergewöhnlich spannende Kulisse für die ausgestellten Werke, «wir sind alle begeistert davon, dass die BSH sich auf dieses Abenteuer mit uns eingelassen hat». Auch was die Zusammenarbeit eines Gemeinschaftszentrums und einer Kunstschule angeht, stellt diese Ausstellung wohl ein Pionierprojekt dar.

Das Frankental steckt in allem und alles steckt im Frankental

Den Anfang nahm das Ganze vor rund einem Jahr, als Patrick Bolle, der Leiter des GZ, anfing seine Fühler nach einer Kunstschule auszustrecken, die Interesse an einem gemeinsamen Projekt zum Thema Frankental hatte. Mit viel Enthusiasmus habe Bolle die Idee an die Verantwortlichen der F+F herangetragen, erzählt Goran Galic, Dozent der Kunstschule, Leiter und Ko-Kurator der Ausstellung. «Es ging um die Bedeutung des Frankentals für seine Anwohnerinnen und Anwohner, darum, ob es sich nur um eine Endstation handelt, im Sinne einer Tramendhaltestelle, und darum, wo und wie die Gemeinschaft stattfindet». Anfangs sei völlig offen gewesen, was passieren würde. Die Künstler setzten sich eingehend mit dem Ort auseinander – ausser einer Person kommt niemand aus Höngg – und fanden ihren ganz eigenen Zugang dazu. Entstanden sind 18 eigenständige Arbeiten. Bei einigen wird der Bezug zum Quartier auf den ersten Blick ersichtlich, wie beim überdimensionierten Memory-Spiel, für welches eine Fotografin und ein Fotograf jeweils dasselbe Motiv in ihrem eigenen Stil abgelichtet haben und das den poetisch doppeldeutigen Namen «Memory of Frankental» trägt. Oder bei der Installation «Frankental», in der eine Frau an verschiedenen Orten mit einem alten Schweizer Heimatlied das Echo vergangener Zeiten heraufbeschwört. Nicht minder interessant sind aber auch die Werke, die überall stattfinden könnten, zum Beispiel das «Wasch-Café», wo man sich, übertönt vom Schleudergang der Waschmaschine, auf ein Gespräch mit der Künstlerin einlassen kann, oder «260 Fenster», das eben diese abbildet, ohne die Bewohnenden preiszugeben. Wieder andere erzählen mit ihren Bildern Geschichten, die keine sein sollen, die sich das Hirn beim Betrachten aber automatisch selber ausmalt, wie in «The Box».

Sehenswerte Zwischennutzung

Die Reaktionen der Anwohner auf den künstlerischen Besuch seien ganz unterschiedlich ausgefallen, erzählt Rhea. Anfänglich habe man bestimmt gewisse Vorbehalte gespürt, eine Skepsis, die sich allerdings meist aufgelöst oder sogar in Interesse verwandelt habe, sobald man mit den Personen ins Gespräch gekommen sei. Ob die Projekte länger nachhallen werden, wird die Zukunft zeigen. Aber alleine die Erkenntnis, dass es möglich ist, so etwas an diesem Ort, in diesem Rohbau zu realisieren, bewirkt etwas, davon ist die Ko-Organisatorin überzeugt. Sehr überrascht habe sie auch die grosse Flexibilität, mit der sich alle Beteiligten auf immer neue Ausgangssituationen eingestellt hätten. Dieser sei es wohl zu verdanken, dass sich am Ende der Kreis geschlossen habe und die Künstler auch zufrieden seien mit dem Resultat. Und dieses ist absolut sehenswert.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 28. Januar. Am Samstag, 27. Januar, um 15 Uhr, findet eine öffentliche Führung statt. Die Ausstellung ist von Montag bis Freitag, von 16 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag von 14 bis 20 Uhr geöffnet. Finissage: Sonntag, 28. Januar, 17 Uhr. BSH Gewerberäume, Frankentalstrasse 20, 1. Stock.

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